Tatort: Borowski und das dunkle Netz - So. 19.03 - ARD: 20.15 Uhr

Die geheime Welt

Es ist der Mensch, nicht das Internet. Wer ist gut, wer ist böse? Wer will Fortschritt? Und wer will, wie es im Film heißt, "nur neue Instrumente der Unterdrückung". "Borowski und das dunkle Netz" ist der neue Kieler "Tatort" überschrieben, was übersetzt bedeutet: Der Kommissar muss sich für seine Recherchen hinab begeben in die Komplexität des so genannten "Darknets", in dem Anonymität das Ziel ist und die Daten meist verschlüsselt übertragen und gespeichert werden. Klingt nach einem anstrengenden Krimiausflug für Hobby-Informatiker. Ist es aber nicht. Regisseur David Wnendt ("Er ist wieder da") findet einen informativen und zugleich auch stilistisch höchst unterhaltsamen Weg, seinen Krimi zu erzählen. Und der ist letzten Endes dann ja auch ein ganz klassischer "Wer war es?"-Fall.

Am Anfang steht ein visueller Ausflug in die Spielebranche. Den Mord verfolgt der Zuschauer die ersten drei Minuten lang aus der Ego-Perspektive, so wie es Gamer aus Shooter-Spielen kennen. Ein Unbekannter (Maximilian Brauer) mit gefährlich aussehender Wolfsmaske dringt in ein Fitness-Center ein und tötet dort Jürgen Sternow, den Leiter der Spezialabteilung Cyber-Crime des Landeskriminalamtes Kiel.

Wer dieser Täter ist, weiß der Zuschauer früh. Er ist dabei, wenn er sich in einem eher schäbigen Hotel die Maske abnimmt. Dass es in dieser Bleibe in der Folge mit einer eher untersetzten Angestellten zu allerlei Merkwürdigkeiten kommt, mag nicht so recht ins Bild dieses ansonsten sehr unversponnen erzählten Krimis passen. Aber: Wnendt und sein Co-Autor Thomas Wendrich nutzen hier und auch in vielen anderen Momenten einen für "Tatort"-Verhältnisse äußerst ungewohnten Humor.


Die Rollenverteilung bei den beiden ermittelnden Beamten ist klar: Klaus Borowski (Axel Milberg) verfügt über geringe Kenntnisse in Sachen Cybercrime. Seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli), das weiß man schon aus früheren "Tatorten", kann es in Sachen IT-Fähigkeiten mit Fachleuten aufnehmen. Und so ist es ihre erste Aufgabe, Borowski mit aller Vorsicht in diese schöne neue Welt einzuführen. Sie stellt ihm die "persönliche Assistentin" seines Smartphones vor, der Borowski den Namen "Sabine" gibt. Es entspinnen sich in der Folge allerlei absurde Dialoge zwischen dem Kriminaler und jener Sabine, die irgendwann in hohem Bogen aus dem Autofenster fliegt.


Es stellt sich früh heraus, dass der Mann mit der Wolfsmaske nicht mehr als Auftragskiller ist. Es gilt, die wahren Hintermänner hinter dem Attentat ausfindig zu machen. Doch die haben sich gut getarnt in den Tiefen des Darknets. Hilfe bekommen die Kieler Ermittler durch zwei junge Mitarbeiter der Abteilung für Cyber-Kriminalität. Cao (Yung Ngo) und Dennis (Mirco Kreibich) sind für Borowski, aber auch für den Zuschauer, die Erklärbären - und sie machen das auf sehr verständliche Art und Weise. Höhepunkt: Die Funktionalität des Darknets wird dem Betrachter in einem charmant inszenierten Comic-Strip demonstriert, in dem eine gezeichnete Borowski-Figur hinabtaucht in eine geheime Welt der Kommunikation und des Handels. Wobei immer wieder betont wird: Das "dunkle Netz" ist keineswegs nur ein Umschlagplatz für Kriminelle. Auch die "Guten" brauchen es ...


"Borowski und das dunkle Netz" entwickelt sich zu einer Mixtur aus klassischem Krimi und Cyber-Thriller, der aber auch die eher unbedarften Zuschauer nicht alleine lässt in dieser komplizierten Welt der digitalen Technik. Zumal am Ende dann doch alles hinausläuft auf einen ziemlich klassischen, aber absolut spannenden Showdown, in dem vor allem Sibel Kekilli wieder einmal zeigen kann, welch hervorragende Schauspielerin sie ist.


Es ist ihr vorletzter Auftritt in der Rolle der Sarah Brandt. Auf eigenen Wunsch verlässt die 36-Jährige die Reihe, um mehr Raum für andere Aufgaben zu haben. Am Sonntag, 21. Mai, wird "Borowski und das Fest des Nordens" von Jan Bonny nach einer Vorlage von Henning Mankell dann ihr endgültiger Abschied sein.


Kai-Oliver Derks
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