Tatort: Nachbarn - So. 26.03 - ARD: 20.15 Uhr

Wenn die Masken fallen ...

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." Wusste schon Schiller. Also hinein in dieses aufgrund des eingeschränkten Raumes dann doch sehr deutsche Thema. Es geht im neuen Kölner "Tatort" um die "Nachbarn", um deren Geheimnisse, um die kleinen und großen Dramen, die sich in den Häusern, Gärten und über die Zäune hinweg immer wieder abspielen. Einer von ihnen ist nun tot. Und die Familien drumherum sind nicht gerade kooperativ, als Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), die Wahrheit ans Licht fördern.

Sogleich stellt der Gerichtsmediziner Dr. Roth (Joe Bausch) fest: Werner Holtkamp hat ganz sicher keinen Selbstmord begangen. Er stürzte nachts von einer Brücke vor einen heranfahrenden Laster, aber da war er schon drei Stunden tot. Die Recherchen im beruflichen Umfeld des Opfers entfallen gleich mal. Die Ermittler sind sich sicher: Der Täter muss unter den Nachbarn zu finden sein.

Da ist zum Beispiel Leo Voigt (Werner Wölbern). Dessen Frau hat ihn vor zehn Jahren verlassen. Er blieb im Haus und mit ihm seine Stieftochter Sandra (Claudia Eisinger), die damals schwanger war. Nun leben sie zu dritt samt Sandras Tochter Mira gemeinsam ihr Leben. Ganz offensichtlich besteht dabei aber eine besondere Verbindung zu Nachbar Nummer zwei: Jens Scholten (Florian Panzner) ist Miras Vater, nur eine kurze Affäre sei es damals gewesen. Nun wohnt er nebenan mit seiner Frau Hella Scholten und dem gemeinsamen Kind Paulina. Schließlich sind da Anne (Birge Schade) und Frank Möbius (Stephan Grossmann), um deren ehe es ganz offensichtlich nicht zum Besten steht. Anne hatte eine Affäre mit dem Mordopfer Holtkamp, weil ihr Mann die ganze Woche über eh nicht da ist. "Und am Wochenende ist er nur bei seiner Echse." Womit sie tatsächlich ein Tier im Keller meint.


Zunächst aber sieht alles nach einem schlichten Nachbarschaftsstreit aus. Als Werner Holtkamp vor drei Jahren sein Haus bezog, geriet er sofort in Konflikt mit seinem direkten Nachbarn Leo Voigt. Das Gericht musste einschreiten, die Grundstücksgrenzen wurden neu festgelegt, sodass Voigt einige Quadratmeter seines Gartens abgeben musste. Ein Mordmotiv lässt sich daraus für die Kommissare aber nicht konstruieren. Doch als sie hinter die Fassaden der drei recht bürgerlich anmutenden Familien blicken, fördern sie immer mehr Geheimnisse zutage.


"Interessant sind die unausgesprochenen Regeln, die nachbarschaftlichem Zusammenleben zugrunde liegen. Dazu gehört das Verbindende ebenso wie das Wegschauen und Schweigen", sagt Autor Christoph Wortberg, der einst als Schauspieler durch die Rolle des Frank Dressler in der ARD-Serie "Lindenstraße" bekannt wurde. Später verfasste er Romane und Drehbücher. In seiner am Ende zwar recht gewagten, aber sauber durchdachten Story erzählt er gleich eine ganze Reihe an persönlichen Dramen. Zahllose Mordmotive bilden sich heraus.


Regie führte mit Torsten C. Fischer einer der besten Krimi- und Dramen-Regisseure des Landes, der in seiner Karriere bereits mehrfach die Kölner Kommissare in Szene setzte. Unter anderem inszenierte er den hochgelobten "Fall Reinhardt" 2014, der mit über 11,2 Millionen Zuschauer zu den erfolgreichsten Filmen der Reihe aus den letzten Jahren gehört. Im aktuellen Fall übt er sich in Zurückhaltung. Entstanden ist ein recht konventioneller Krimi, der betont unaufwendig in Szene gesetzt wurde. Es gibt wenige Drehorte, keine Actionmomente. Alles erschließt sich über die Dialoge. Ganz ohne Langeweile geht das nicht ab. Es dauert lange, bis der Film dann doch an Fahrt gewinnt, aber das starke, bewegende Finale tröstet über manche Länge hinweg.


Kai-Oliver Derks
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