Praxis mit Meerblick - Willkommen auf Rügen - Fr. 21.04 - ARD: 20.15 Uhr

Nachschub für Herzschmerz-Fans

Meist geht der deutsche Fernsehfilm entweder da hin, wo's weh tut, oder da hin, wo's besonders schön ist. Fürs Erste ist der Sonntagskrimi zuständig, für den Rest gibt es die allgegenwärtigen Schmonzetten, im ZDF auch unter der Dachmarke "Herzkino" begannt. Seit knapp sechs Jahren ist dabei besonders Simone Thomalla als Dorfhelferin in der "Frühling"-Reihe äußerst erfolgreich unterwegs. Mit "Praxis mit Meerblick" scheint man sich nun bei der ARD anzuschicken, deren Erfolgskonzept zu kopieren. Der erste Film, bei guten Quoten Auftakt zu einer neuen Reihe, trägt schon im Titel, worum es geht: "Willkommen auf Rügen" heißt es für Tanja Wedhorn, die eine Ärztin spielt, die sich vor allem um die alltäglichen Sorgen und Nöte der Dorfbewohner kümmert. Auch diese Nora Kaminski ist also eine Art Dorfhelferin, nicht im Alpenland zwar, dafür im hohen Norden, wo es bekanntlich auch recht nett ist.

"Rügen? Das erste Mal", seufzt Nora Kaminski in den Ostseewind, als sie mit der Fähre in Richtung Insel schippert. Ärztin ist sie, aber keine promovierte. "Den 'Doktor' können Sie knicken", tönt sie später und klingt dabei recht selbstbewusst. Als Schiffsärztin hatte sie einst gearbeitet, doch irgendwas lief schief, damals auf den Weltmeeren. Nun also Rügen, wo Nora eine Stelle in der Praxis ihres alten Studienkollegen Dr. Richard Freese (Stephan Kampwirth) annimmt.

Zunächst aber muss auch hier der Zufall der Story auf die Sprünge helfen. Kaum in Sassnitz angekommen, stolpert der Ärztin eine junge Frau vors Auto. Wiebke (Sinje Irslinger) wirkt nicht nur äußerst derangiert, sondern ist auch noch schwanger. Papa Alexander (Martin Lindow) darf freilich nicht wissen, dass er bald Opa wird. Und so wird aus Nora Kaminski schon nach wenigen Filmminuten eine Art guter Seele, die hinhört, wenn es Probleme gibt. Was freilich nicht heißt, dass sie selbst vor Problemen gefeit wäre.


Da ist zum einen die Sache mit der Unterkunft. Matthias Samland (Hans-Uwe Bauer), bei dem Nora als Untermieterin ein Zimmer bezieht, macht schnell klar, was er von Ärzten hält. Nicht viel nämlich. "Ärzte sind das letzte", schnauzt er die Neuangekommene an, wobei hinter der harten Schale selbstredend ein weicher Kern steckt, den es zu entdecken gilt.


Einen Widersacher hat Nora auch bald: Dr. Heckmann (Patrick Heyn) vom örtlichen Krankenhaus wird von Anfang nach nicht warm mit der titellosen Ärztin ("entweder zu faul oder zu dumm für die Promotion", mutmaßt er), und stellt Nachforschungen hinsichtlich der Vergangenheit seiner neuen Kollegin an. Für die nötige Portion Herzschmerz sorgen auf Rügen zwei weitere Herren. Praxis-Kollege Richard scheint den gemeinsamen Studienjahren mit Nora mehr hinterherzutrauern als angebracht. Und auch Alexander, der Vater der Teenie-Schwangeren, zögert nicht, der hübschen Ärztin schöne Augen zu machen.


All das birgt also schon reichlich Potenzial für eine auf längere Sicht angelegte Handlung. Wirklich neues bietet "Praxis mit Meerblick" zwar nicht, aber das war auch nicht zu erwarten im Herzschmerz-Genre. Klar hingegen scheint schon jetzt, dass das Konzept des Films wohl aufgehen wird. Denn für romantische Mediziner findet sich auch im vollgepackten deutschen Fernsehprogramm immer noch ein Plätzchen, und sei es, für eine ganze Reihe.


Felix Bascombe
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