1001 Gramm - Mi. 26.04 - ARTE: 20.15 Uhr

Was die Liebe wiegt

Während drei Dutzend formell gekleidete Herren und einige wenige Damen vor Spannung den Atem anhalten, wird ein Safe geöffnet. Das wertvolle Objekt wird äußerst behutsam herausgenommen und in einem Kübel mit dickem Bullauge zur Schau gestellt. Nacheinander werfen die Versammelten einen ungeduldigen Blick darauf. Handelt es sich um den größten Diamanten der Welt? Die Kronjuwelen? Eine Reliquie? Nein - um das in Paris beim "Internationalen Büro für Maß und Gewicht" eingelagerte Urkilogramm, das Maß so vieler Dinge! Eichamtmitarbeiter aus aller Welt sind zur Prüfung ihrer Gewichte in die französische Hauptstadt gepilgert. Daraus eine Liebeskomödie zu machen, ist mehr als kurios. "1001 Gramm" (2014) ist mutig.

Mit dem Referenz-Kilogramm von Norwegen, verpackt in Glaskuppel und Metallkasten, reist die blonde, blauäugige, langbeinige und sehr sachliche Marie Ernst (Ane Dahl Torp) an, um zu prüfen, ob in ihrem Heimatland ordentlich gewogen wird. Dass Paris auch Stadt der Liebe ist, würde sie wahrscheinlich kaum mitkriegen, wäre nicht gerade zu Hause so viel aus den Fugen geraten.

Ex-Mann Yngve (Torsten Knippertz) räumt in stillem Hass seine Sachen aus dem gemeinsamen Haus. Vater Ernst Ernst (Stein Winge) liegt mit Herzinfarkt im Krankenhaus, geplagt von Schuldgefühlen gegenüber seinem enterbten Bruder. Marie bleibt von derlei nicht unangefochten, so sehr sie auch Stärke zeigt. Bei der Rückkehr nach Norwegen überschlägt sich ihr Auto, das Referenzkilo erleidet Schaden. Doch es gibt jemanden, der ihr hilft.


Regisseur Bent Hamer ("Kitchen Stories") hat Übertreibung nicht nötig. Den Verlauf einer Konferenz von Eichamtmitarbeitern und ihre ach so wissenschaftliche Wertschätzung des Urkilos nachzuzeichnen, genügt völlig, um klarzustellen: Hier wird ein absurder Kult betrieben, der göttlich erscheinen lässt, was doch bloß von Menschen geschaffen ist. Wie so vieles im Leben.


So eine amüsant servierte Einsicht nimmt man gern mit, wünschte sich aber weniger Bedeutungsschwere. Das liegt nicht nur am sprechenden Familiennamen "Ernst". In ihrer Handtasche schleppt Marie ihr norwegisches Kilo über die malerischen Brücken von Paris. Einsam sitzt sie in ihrem allmählich leeren Haus. Viel Filmzeit, die mit solchen Momenten verbracht wird, gibt zu verstehen, dass der kleine silberne Zylinder, den Marie hütet, so etwas wie ihr Alter Ego ist, dass Marie ein Dasein wie in einer Kapsel und wie unter Glas führt.


Jasmin Herzog
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