Marie Brand und der Liebesmord - Sa. 22.04 - ZDF: 20.15 Uhr

Fatale Partnersuche mit "Amore Grande"

Stirbt die Kölner Kommissarin Marie Brand (Mariele Millowitsch)? Lässt sie, im Fahrstuhl vom Mörder niedergestreckt, ihr doch noch junges Leben? Sollten die Macher damit womöglich dem zuletzt spärlicher werdenden Humor der schrägen Krimireihe Rechnung tragen und eingesehen haben: Das geht nicht mehr, dass die einstmals so geniale Titelgeberin und Kölner Hauptkommissarin aus Altersgründen immer mehr in den Hintergrund tritt gegenüber dem jüngeren Kollegen Simmel (Hinnerk Schönemann), der den tölpelhaften, mit der Pistole fuchtelnden Allesverfolger gibt und damit vor allem jüngere Zuschauer ködern soll? Mitnichten. Es kann (darf, muss) Entwarnung gegeben werden - Marie Brand lebt und mit ihr die gleichnamige Reihe im ZDF.

Nach der Jubiläumsfolge "Marie Brand und der Liebesmord" ist auch die 21. bereits abgedreht, Simmel steht dann wieder ganz im Fokus. Doch diesmal hat der Autor Timo Berndt die Kölner Kommissarin weit in den Vordergrund gerückt. Sowohl der Kollege Simmel als auch ihr Chef Dr. Engler (Thomas Heinze) machen sich spaßhaft große Sorgen um Maries Privatleben und darum, ob es nicht doch mal mit einem Partner klappt.

Es geht um Online-Dating und eine zwielichtige Partneragentur im neuen Fall, also um ein Gewerbe, das jüngst ziemlich aus den Schlagzeilen herausgefallen ist, aber nach wie vor von Fakes und Täuschungen lebt. Marie wird sich ihrerseits ein falsches Profil anlegen - eigentlich nur um einen im Internet und in den Kölner Parkanlagen umgehenden Serienmörder zu fassen. Dass die Partnersuche per Mausklick auch das Liebesleben der Kommissarin verändern wird, mag glauben wer will, aber ein schöner Gag ist es ja letztlich doch, in einem alles in allem recht überfrachteten Spiel.


Man ist ja für jeden halbwegs gelungenen Gag dankbar in diesem im Online- und Internet-Dickicht kompliziert dahinschlingernden 20. Fall (seit 2008). Marie und Simmel versuchen sich die Pointen zuzuspielen, als müssten sie es mit den schönsten Screwball-Comedys aufnehmen. Klappt aber leider nicht so richtig, das meiste darf unter der Marke "Rohrkrepierer" abgehakt werden. Fortdauernde Anspielungen aufs Alter und das ausbleibende Glück mit irgendwelchen Partnern - ganz so, als wäre Marie Brand nicht als Single schon immer ein rundum glücklicher und gescheiter Mensch gewesen.


Dabei reden alle im Stakkato-Stil, als hätten sie soeben ein Duracell-Häschen verschluckt. Humor lebt von Geschwindigkeit, hat sich da der Regisseur Josh Broecker, ein ausgewiesener Komödienspezialist, wohl gedacht. Dabei ist der Fall selbst in derart verwegen ausgeheckt, dass einem schier der Atem stockt. Ein Insulinmörder geht um. Als Erste trifft es schon mal die Teilhaberin der besagten Dating-Firma, sie hatte sich mit allerlei Dateien aus dem Staub gemacht. Doch der Verdächtigen sind viele mehr, von den Noch-Inhabern der Familienfirma "Amore Grande" mit dem Kleeblatt im Emblem (Vater und Sohn) bis hin zu einem kürzlich Entlassenen, der koksend weltweit verlinkt Online-Spielen spielt. Ein anderer wieder ist längst ausgestiegen und hat dem Unternehmen Konkurrenz machen wollen, was ihn geradewegs in Konkurs und immense Steuerschulden treibt. Lebender Link zwischen alldem aber war jene Teilhaberin, die zuviel wusste und ganz oben auf der Abschussliste der Online-Dater stand.


Wer will, kann das alles als lustiges Jubiläumspuzzle nehmen. Er kann aber auch feststellen, dass die Vorgabe, Spannung mit Humor zu verquicken, offensichtlich schwerer zu erreichen ist, als zu Beginn der Reihe vom Ideengeber Alexander Adolph angedacht. Vielleicht hilft da weniger komischer Speed und wieder mehr Liebe zu den Figuren. Aber auch zum Thema Alter ist jetzt so ziemlich alles gesagt.


Wilfried Geldner
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