Im Tunnel - Mo. 24.04 - ZDF: 20.15 Uhr

Eine Angst, die in den Kleidern hängen bleibt

Laut ZDF-Mitteilung geht die Produktion des Fernsehfilms "Im Tunnel" auf einen Erfolg von 2010 zurück. In "Es war einer von uns" spielte Maria Simon eine Frau, die nach einer Geburtstagsfeier vergewaltigt wurde, sich aber nach der Eingabe von K.-o.-Tropfen an nichts mehr erinnern kann. "Mein Albtraum ist ein blinder Fleck", sagte sie damals. Doch der Fall klärte sich, ihr Verdacht wurde bestätigt. Auch im neuen Film, "Im Tunnel", spielt Maria Simon die Hauptrolle. Wieder ist sie eine Frau, die geradezu manisch einen von ihr gehegten Verdacht verfolgt. Doch diesmal geht es nicht um sie selbst. Sie glaubt, einem Atommüll-Skandal auf der Spur zu sein, und isoliert sich dabei immer mehr.

Wie schon bei "Es war einer von uns" stammt das Drehbuch von Astrid Ströher, Kai Wessel ("Nebel im August") führte abermals Regie. Und wieder meldet sich zu Beginn die Stimme der Hauptdarstellerin Maria Simon aus dem Off. "Nie hätte ich gedacht, dass die Menschen, die ich liebe, meine Feinde sind", sagt sie in der Rolle der Heldin Maren Adam diesmal und meint damit die eigene Familie, die sich von ihr distanziert, der sie sich entfremdet, weil sie gepackt wird von der Obsession, einem Umweltskandal, ausgelöst von einer russischen Mafia, auf der Spur zu sein.

Das ist ein feiner Unterschied: Damals ging es um sie selbst, jetzt muss sie eine Vorkämpferin für Recht und eine saubere Umwelt sein. Da müsste sich das Psychodram zum Thriller wenden, die Gegner eine greifbare Antipodenrolle spielen. Doch Maren Adam, die mit ihrer Partnerin Iris (Jasmin Gerat) in Hamburg ein innovatives Café eröffnen will, kämpft letztlich immer wieder nur gegen sich selbst. Irgendwelche Beweise oder nachvollziehbare Andeutungen für den Umweltskandal werden nicht ins Spiel gebracht.


Immerhin: Marens Bruder wird in seinem Büro erschlagen aufgefunden. Er hatte im Keller einen unbekannten Tunnel entdeckt. War es der Zugang zu einer bislang unbekannten Mülldeponie, war die Tat ein Auftragsmord der russischen Müllmafia? - Immerhin wurden vor Zeiten in einer Lagerhalle in Altona schon einmal unerlaubte Sondermüll-Halden entdeckt. Und führte nicht der unterirdische Tunnel geradewegs dorthin?


Zwischen dem veritablen Giftmüll- oder gar Atommüllskandal und Marens grassierender Psychose kann (und will) sich der Film nicht entscheiden. Da ist viel Taschenlampen-Gefummel im sehr beeindruckenden unterirdischen Labyrinth (fast wie im "dritten Mann"), werden Backstein-Löcher aufgerissen und mit dem Vorschlaghammer Schneisen geschlagen. Der Sisyphos-Kampf einer besorgten Frau und Familienmutter, der sich - weil alleingelassen und unverstanden? - zum Wahnsinn wandelt, spielt sich jedoch zu sehr im Ungefähren ab.


Das alles wird in Rückblenden erzählt. Maren sitzt einer Gutachterin gegenüber, die darüber entscheiden soll, ob sie aus der Psychiatrie zu ihrer Familie zurückkehren darf. "Wollen Sie denn überhaupt zu ihrer Familie zurück?", fragt die Exegetin. Maren will. Aber es ist kalt um sie geworden, nichts wird wieder wie vorher sein. Doch um sich ganz in sie hineinversetzen zu können, dazu wirkt dieser Film, zwischen Psychodram und Thriller schwankend, doch allzu konstruiert. Die Angst, sie kriecht nicht hoch, sie bleibt bloß hängen in den unterirdischen Verliesen.


Wilfried Geldner
Bis zum Freitag feiert Deutschlands erfolgreichstes Mittagsmagazin eine Jubiläumswoche - und sendet dafür auch aus den Wohnzimmern von treuen Zuschauern.
Am 02. Juni 1967 erschoss der Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. Die Dokumentation im Ersten erinnert zum 50. Jahrestag daran.
Tragödie, Drama und die Hoffnung: ein herausragender Film von Regisseur Wim Wenders.
Rechtsanwalt Vernau reist nach Kuba, um dort einen Mann aufzuspüren, der seit 30 Jahren verschollen ist. Ein Fall, der zurückführt in die deutsche Vergangenheit.
Fast zwei Jahrzehnte lang begleitete der Dokumentarfilmer Peter Heller die Münchner Modemacherin Ann und ihren afrikanischen Partner in ihrem gemeinsamen Leben.
Wo das Präzisionsgewehr ratsam gewesen wäre, kommt die MG zum Einsatz: Warum der Netflix-Film "War Machine" mit Brad Pitt in der Hauptrolle den hohen Erwartungen nicht gerecht wird.
ProSieben schickt in "Global Gladiators" acht Promis in die Wüste, genauer gesagt auf eine Abenteuerreise nach Afrika. Das Format erinnert dabei ein bisschen an "Big Brother" trifft das "Dschungelcamp". Wir beantworten vor dem Start die wichtigsten Fragen.
Neugierig warten Serienfans in aller Welt auf die fünfte Staffel von "House of Cards". Dass alle dabei über Parallelen zur Realität sprechen, tut der US-Serie nur auf den ersten Blick gut.
Ein Schatzsucher findet mit einer Astronauten-Karte den Anker von Christopher Kolumbus: Ein reales Abenteuer das in der neuen Discovery-Channel-Doku "Cooper's Treasure" begleitet wird.
Auch die zweite Ausgabe der Sonntagabendshow floppte: War's das mit "Mensch Gottschalk"?
Das ZDF lässt neue Folgen der Polit-Comedy "Eichwald, Mdb" drehen. Inhaltlich gibt sich die zweite Staffel brandaktuell.
Keine Bewegtbildrechte mehr: Sport1 muss die "Telekom Spieltaganalyse" aus dem Programm nehmen.
"Um Himmels Willen" feiert Jubiläum. Und in der 200. Folge geht es um nichts weniger als die Zukunft von Kloster Kaltenthal.