Zaun an Zaun - Fr. 19.05 - ARD: 20.15 Uhr

Der türkische Spießer

Eigentlich hätten Deutsche und Türken mehr gemein, als sie denken - sagt Hauptdarsteller Adnan Maral. Beide, so der aus "Türkisch für Anfänger" bekannte Schauspieler, seien ziemlich spießig. In "Zaun an Zaun", seinem Debütfilm als Produzent, verkörpert Maral den verwitweten Kenan, einen deutsch-türkischen Bauleiter. Mit seiner chaotischen Vermieterin (Esther Schweins) teilt er sich eine Doppelhaushälfte. Lissi ist Bestseller-Autorin, leidet jedoch unter einer Schreibblockade. Dass die beiden zusammenkommen, wie es sich für eine Romantic Comedy gehört, wirkt anfangs ziemlich unwahrscheinlich. Kenans erwachsene Kinder suchen für "baba" eine türkische Frau und Lissi findet ihren Nachbarn schrecklich spießig.

Ein Türke, der kein Staubkorn in seinem Haus duldet. Einer, der sich im Angedenken an die verstorbene Frau akribisch der Rosenzucht widmet. Ein Bauleiter zudem, der wohl "deutscheste" aller Berufe. Ein Mann also, der jeden Schritt im Leben per Excel-Tabelle oder Flipchart plant. Dazu eine Frau, nicht mehr ganz jung und mit erwachsener Tochter, aber dennoch eigentlich ein Mädchen. Eines, das sich treiben lässt, das man an die Hand nehmen will. Natürlich ist sie dabei ungeheuer charmant und kreativ.

Der von Adnan Maral erdachte Plot, den Mike Viebrock und Enno Reese (beide: SOKO München) zum Drehbuch ausarbeiteten, erinnert nicht nur ein wenig an Marals Vorzeigeprojekt "Türkisch für Anfänger". Auch in der vielfach preisgekrönten ARD-Serie gab er den türkischen Spießer, der deutscher ist als die Deutschen. Maral kam 1968 in der Türkei zur Welt und ist in Frankfurt aufgewachsen. Seit vielen Jahren hat sich der mit einer Schweizerin verheiratete Vater dreier Kinder die Deutsch-Türkische-Verständnisförderung auf seine Agenda geschrieben. Gemeinsam mit seinem Freund, dem ehemaligen Außenminister und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, reiste Maral mehrmals in die Türkei und unterstützt zahlreiche Initiativen, die das cross-kulturelle Verständnis fördern.


Auch Marals neue Produktionsfirma Yalla Productions, die er mit Partner Hamid Baroua betreibt, will sich auf Filme konzentrieren, die derlei Themen aufs Schild hebt. Am liebsten in Form leicht konsumierbarer Komödien. "Zaun an Zaun" ist eine solche - mit deutsch-türkischen Protagonisten. Tatsächlich wundert man sich, wie selten zuvor gestandene Mid-Ager in Drehbücher als Liebespaar zusammengeschrieben wurden, wenn der eine Türke und die andere Deutsche war.


Insgesamt ist "Zaun an Zaun" seinen Machern dennoch etwas brav geraten. Die Figuren wirken statisch, die Handlung erwartbar. Marals erste Produktionsarbeit wirkt ein wenig wie jene alten Degeto-Filme am Freitagabend, die man dafür kritisierte, dass sie einem festen Schema zu folgen schienen. Vielleicht wollten Adnan Maral und sein Team ja auch in dieser Hinsicht deutscher sein, als es die deutschen (Fernsehmacher) heute noch sind. Für die Zukunft wünscht man den Cross-Culture-Komödien aus der Maral Factory mehr Mut für Geschichten, die den Zuschauer stärker irritieren und fordern.


Eric Leimann
Eine Deutsch-Inderin soll heiraten, um ihre traditionsbewusste Oma zufriedenzustellen. "Marry Me - Aber bitte auf Indisch" bedient Multikulti-Humor zerfahren und wenig witzig.
Nach einem enttäuschenden Start 2015 mausert sich "Der Bozen-Krimi" zur sehenswerten Krimi-Reihe.
Die ZDF-Reportage von Gert Anhalt zeigt junge Sizilianer, die das "Eiland des Elends" endlich nach vorne bringen wollen.
"Profiling Paris" hat sich am späten Donnerstagabend bei SAT.1 etabliert. Der Sender zeigt nun zehn neue Folgen der siebten Staffel.
Romantische Beziehungskomödie mit Sandra Bullock und Frauenheld Hugh Grant, die beiläufig auch noch als Liebeserklärung an New York gesehen werden kann.
Fans der Fußball-Bundesliga müssen sich zu Beginn der neuen Saison auf Änderungen einstellen. Unter anderem wurden die Anstoßzeiten erweitert. Zudem teilen sich nun zwei Pay-TV-Anbieter einen nur einzigen Spieltag auf.
Junges Fernsehen, nah an der Zielgruppe: Die sechsteilige BR-Reihe "Wer zieht ein?" nimmt die Zuschauer mit auf die Suche nach neuen WG-Mitbewohnern.
Eine Senderfamilie sucht ihre Identität: Während SAT.1 ins Krimifach wechselt, sucht man bei ProSieben vor allem in Sachen Show noch nach neuen Knallern.
Nur ein paar Quadratmeter reichen den Machern der neuen Sky-Serie: "Room 104" spielt in einem einzigen Hotelzimmer.
Keine Drachen, dafür alternative Geschichte: Die Macher von "Game of Thrones" haben ihr nächstes Serienprojekt vorgestellt.
Jörg Wontorra meldet sich mit einem Fußball-Talk am Sonntagvormittag zurück. Sein neues Format bei Sky Sport News HD geht in direkte Konkurrenz mit dem legendären "Doppelpass".
Schon wieder Berlin: In einer neuen Netflix-Serie ist die deutsche Hauptstadt Schauplatz eines Spionage-Plots.
Survivalshows gibt es viele im Fernsehen. "The Wheel - Survival Games" hat allerdings ein besonders fieses Konzept.