Jack - So. 21.05 - ARD: 23.35 Uhr

Großstadtcowboy wider Willen

Edward Bergers Sozialdrama "Jack", das bei der Berlinale 2014 zur Premiere kam, ruht ganz auf den naturgemäß noch recht schmalen Schultern seines jungen Hauptdarstellers Ivo Pietzcker. Zum ersten Mal in seinem Leben stand der Elfjährige vor der Kamera. Eine große Herausforderung, die er bravourös gemeistert hat. Auch der zehnjährige Jack, den er im Film verkörpert, vermag eine enorme Verantwortung zu tragen: die für sich und seinen kleinen Halbbruder, da seine junge, alleinerziehende Mutter ihre Kinder zwar liebt, leider aber auch hoffnungslos unzuverlässig ist.

Von der ersten Minute an ist die häufig mobile Kamera von Jens Harant mit Jack auf einer Augenhöhe. Es gibt kaum eine Einstellung in dem Film, in dem er nicht zu sehen ist. Gemeinsam mit ihm betrachtet der Zuschauer ernst die zum Teil abgrundtief gleichgültige Welt der Erwachsenen. Schauplatz des Films ist Berlin. Aber die Autobahnraststätten, die Parkhäuser, die Einkaufspassagen, die öden, nächtlichen Straßen und die Clubs könnten in jeder größeren Stadt vorzufinden sein.

Zu Beginn des Films sieht man Jack, der in seiner Familie notgedrungen die Vaterrolle übernommen hat, wie er routiniert das Frühstück für seinen kleinen Halbbruder Manuel (Georg Arms) zubereitet. Dann rennt der verschlossene kleine Kerl zur Schule. Seine verantwortungslose 26-jährige Mutter Sanna (Luise Heyer) ist ziemlich selten zu Hause - entweder arbeitet sie, oder sie zieht mit ihren Freunden um die Häuser. Warum Sanna so ist, wie sie ist, wird von Berger nicht näher beleuchtet, sodass man sich voll auf die Sicht der alleingelassenen Kinder einlassen kann.


So beobachtet man gebannt, wie Jack seinem Halbbruder auf seine liebevoll-geduldige Art das Schuhezubinden beibringt oder wie er verhindert, dass der Kleine im See ertrinkt. Doch als Manuel sich einmal im zu heißen Badewannenwasser verbrüht, greift das Jugendamt ein - Jack muss ins Heim.


Auch die nette Heimerzieherin Becki, die übrigens von Bergers Ehefrau und Co-Drehbuchautorin Nele Mueller-Stöfen gespielt wird, findet keinen Zugang zu dem viel zu früh erwachsen gewordenen Jack, der zudem noch von einem anderen Jungen Danilo drangsaliert wird. Jack beschließt zu fliehen. Doch als er zu Hause ankommt, fehlt von seiner Mutter jede Spur. Zusammen mit seinem Bruder begibt er sich auf eine dreitägige, in langen Plansequenzen eingefangene Odyssee durch eine Welt, die von mitleidlosen Erwachsenen bevölkert ist - auf der Suche nach ihrer Mutter, einem Schlafplatz, etwas zu essen.


Und hier gelingt Jungdarsteller Ivo Pietzcker etwas Außerordentliches: Selbst wenn wir ihn durch Clubs begleiten, die nach Fernsehart überzogen wirken, wo Techno-Drogenleichen dumpf vor sich hinstieren, verlieren wir nie den Glauben an der Authentizität seiner Geschichte. Denn die spiegelt sich jede Sekunde in seinem ausdrucksstarken Gesicht. Und wenn Jack am Ende des Films eine weisere Entscheidung für sein Leben trifft, als manch ein Cowboy in der Prärie, fühlt man sich endgültig wachgerüttelt. Man wird das Schicksal vernachlässigter Kinder künftig noch ernster nehmen und stärker über eine Gesellschaft nachsinnen, in der jeder sich selbst nur noch der Nächste ist.


Gabriele Summen
Lange hielt sich Deutschland für ein Öko-Musterland - vor allem beim Mülltrennen. Doch die Realität sieht anders aus.
SAT.1 zeigt die 13 Folgen der zweiten Staffel der US-Crime-Serie "Criminal Minds: Beyond Borders". Eine weiteren Durchgang wird es allerdings nicht mehr geben. In den USA wurde die Reihe unlängst eingestellt.
Was ist schwieriger? Den Mond zu stehlen oder plötzlich Vater von drei kleinen Mädchen zu sein?
Stipe Erceg gibt in der düsteren Mini-Serie "Culpa - Niemand ist ohne Schuld" auf 13th Street den Beichtvater und Ermittler zugleich.
Der sommerliche Pop-Schwerpunkt bei ARTE widmet sich vom 14. Juli bis 20. August Phänomenen der britischen Popkultur.
Heimchen am Herd oder Strippenzieher im Hintergrund? Die fünfteilige Dokureihe "Despot Housewives" porträtiert Ehefrauen berüchtigter Diktatoren und Machthaber.
Aus der schon lange angekündigten Freitagabend-Premiere der neuen RTL-Show "The Wall" mit Moderator Frank Buschmann wird erst mal nichts. Sein Sender fürchtet die Fußballkonkurrenz im ZDF. Stattdessen läuft bei RTL nun eine wiederholte Tier-Show.
Gewinner des diesjährigen Kurzfilmpreises des Pay-Senders 13th Street ist der Filmemacher und Set-Designer Josef Brandl, der nun am "Universal Filmmasters Program" in der Traumfabrik teilnehmen darf. Zuvor ließ er sich auf dem Party-Event des Filmfests München gebührend feiern.
Ende August beginnen die Dreharbeiten für die achtteilige Sequel-Serie zum Kino-Welterfolg "Das Boot". Regisseur Andreas Prochaska hat nun seine Schauspieler-Crew vorgestellt - darunter "Crazy"-Star Robert Stadlober und Franz Dinda.
Jetzt geht es um Leben und Tod: Das Drama rund um Sunny (Valentina Pahde) Chris (Eric Stehfest) und Felix (Thaddäus Meilinger) wird spannender denn je!
WDR-Moderatorin Bettina Böttinger macht in Literatur: In der vierteiligen Reihe "Böttingers Bücher" porträtiert die 60-Jährige Autoren und deren Geschichten.