Von Erholung war nie die Rede - Do. 25.05 - ZDF: 20.15 Uhr

Valente-Karaoke auf Mallorca

Diesmal also Mallorca - eine Art Fortsetzung des Weihnachtsdesasters um die Familie Bundschuh 2015. Noch mal ein Spiel mit den Klischees des Familienfilms. Wenn es hoch kommt, wird das so weitergehen wie einst bei Pilcher oder, falsches Genre, bei Donna Leon: Alle Jahre wieder ein Roman von Andrea Sawatzki, alle Jahre auch ein neuer Film. "Von Erholung war nie die Rede" ist die zweite Folge des Familiengeschehens um Gundula Bundschuh, gespielt von der Vorlagen-Autorin selbst. Der nächste Roman (Chaos bei der Hochzeit unter dem Titel: "Ihr seid natürlich eingeladen") ist auch schon raus und harrt der Film-Adaption. Ein illustres Figurenpanoptikum aus drei Generationen ist auch im zweiten Film wieder am Werk - von Sawatzki herself bis zu Uwe Ochsenknecht und Judy Winter. Und wieder wird versucht, die sonst übliche Herzkino-Familiencomedy auf den Kopf zu stellen.

Gundulas Schwiegermutter, hinreißend frech von der perserkatzenhaft kralligen Judy Winter gespielt, hat den Sohn und dessen Familie nach Mallorca eingeladen, um mit ihrer Hilfe dort eine neue Boutique herzurichten. "Morgen machen wir die Boutique", gerät zur stehenden Wendung, gerichtet an den eilends zusammengewürfelten Familienkreis.

Doch nicht nur, dass sich das von der Mama gebuchte Hotel als Baustelle erweist und das Bett beim ersten Drauflegen zusammenbricht, kündigen sich weitere Verwandtschaftsteile an: Neben Ehemann Gerald (Axel Milberg) und den Kindern nun auch noch Gundulas Mutter (Thekla Carola Wied behält als Einzige fortdauernd die Contenance) und deren an irrlichternder Demenz leidender Ex-Mann (Günther Maria Halmer). Und dann bringen da auch noch Gundulas selbstsüchtiger Bruder (Stephan Grossmann), der Psycho-Ratgeber schreibt, und dessen fleißig schwäbelnde Ehefrau (Eva Löbau) Farbe ins schwankhafte Spiel.


Bald schon wird in diesem familiären Haufischbecken keine Sentenz ausgelassen, die den anderen in der Magengrube treffen könnte - sei es, dass man es sich am Tisch von Auge zu Auge gibt, oder eher verstohlen hintenherum. Man kennt sich und hat sich bereits seit manchen Jahren angegähnt.


Eher selten stellt sich in dieser boshaften Konversationskomödie dann auch mal ein Schweigen ein. Wenn Axel Milbergs Blicke im Pissoir die seines Nachbarn streifen, der ihm dann auch noch den Hintern tätschelt, dankt man für eine der besseren Slapstick-Szenen im beinahe-anarchischen Stück. Ansonsten aber wird dem Affen unentwegt Zucker gegeben, sodass Gundulas wehmütig zurückblendender Anfangsmonolog schnell ins Vergessen gerät.


"Irgendwie hatte ich mir das alles anders vorgestellt", so kündigt sie eine tragikomische Ferienerzählung an. Doch dann purzeln die vielen Einfälle nur so auf sie nieder. Jeder macht was und ist für sich selbst eine Wucht: Sie selbst kommt mit Shampoo im Haar aus der streikenden Dusche, Opa Edgar (Günther Maria Halmer) will seinerseits in der Telefonkabine baden. Schöner die kleineren gut getimten Eheszenen - Dialoge, die um einen verlegten Orientierungszettel oder um den am Laufband vergessenen Koffer kreisen. Dass sich Steinzeit-Schlagerfan Gerald beim Catarina-Valente-Karaoke ("Itsy bitsy teenie weenie Honolulu Strandbikini") unsterblich, aber hoffnungslos in die Dame von der Rezeption verliebt, hat beste Seifenoper-Qualität. Mehr dann aber auch nicht. Am Ende bleibt Mutter Gundula jedenfalls mit der Botschaft, sie werde sich auf längere Zeit von ihrer Chaosfamilie verabschieden, ziemlich alleine in der Sonne Mallorcas zurück.


Wilfried Geldner
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