This Is Us - Das ist Leben (Neue Serie:) - Mi. 24.05 - ProSieben: 21.15 Uhr

Erfrischend anders

Man sollte sich nicht abschrecken lassen von dem etwas nichtssagenden Titel dieser neuen US-Serie: "This Is Us", so heißen schon ein Album der Backstreet Boys und ein Konzertfilm von One Direction. Aber eben auch eine Fernsehserie des US-Senders NBC, die bei ProSieben nun Deutschlandpremiere feiert. Und die zum Besten gehört, was die Münchner dieses Jahr ins Programm gehoben haben. "This Is Us - Das ist Leben" erzählt kleine, bisweilen äußerst unspektakulär wirkende Geschichten, die eng miteinander verwoben sind. Präsentiert werden diese amerikanischen Schicksale so unaufgeregt und lebensnah, wie man es von US-Serien eigentlich gar nicht mehr gewohnt ist.

Auch wenn "This Is Us" eben alles und nichts bedeuten kann, der Titel passt in seiner Schlichtheit zu dieser im besten Sinne unprätentiösen Serie. Hier ist wenig von der aufgesetzten Aufgedrehtheit zu spüren, die in vielen aktuellen US-Produktionen eine Entschuldigung ist für fehlende Tiefe; auch der beißende Zynismus, der oftmals als Platzhalter dienen muss für echte Gefühle, er fehlt hier. Stattdessen gibt es etwas zu bestaunen, das es so selten in dieser Qualität gibt: ein hervorragend erzähltes, bewegendes Familiendrama.

Dabei böten die Geschichten, die die Serie von Dan Fogelman erzählt, durchaus Potenzial für schrilles Seifenopernfernsehen. Im Zentrum stehen die Zwillinge Kate (Chrissy Metz) und Kevin (Justin Hartley) sowie ihr farbiger Adoptivbruder Randall (Sterling K. Brown). Kate kämpft verzweifelt gegen ihr massives Übergewicht, ihr gutaussehender Zwillingsbruder hingegen um seine Karriere als Schauspieler. Randall widerum sucht seinen leiblichen Vater, der ihn einst vor einer Feuerwache abgelegt hatte.


Verbunden sind die drei Figuren durch die Geschichte ihrer Eltern, denn "This Is Us" beginnt mit der dramatischen Geburt der Zwillinge, die eigentlich Drillinge hätten werden sollen, und erzählt so auch von Rebecca (Mandy Moore) und Jack (Milo Ventimiglia). Am Tag der Geburt feiert Jack seinen 36. Geburtstag, und 36 Jahre später setzt die Handlung wieder ein. Dieses Pendeln zwischen den Zeitebenen und der ständige Blick zurück macht den besonderen Reiz der Serie aus.


In den USA war "This Is Us" einer der erfolgreichsten Serienneustarts des letzten Jahres, erhielt durchweg positive Kritiken und wurde bei den Golden Globe Awards 2017 dreimal nominiert. Zwei weitere Staffeln sind in Arbeit. Manchmal drückt die Serie vielleicht etwas zu sehr auf die Tränendrüse, die tolle Besetzung aber schafft es, das abzufedern. Ob die Produktion, die mit hierzulande kaum bekannten Schauspielern besetzt ist, auch in Deutschland Erfolg haben wird? Es braucht etwas Zeit, um mit dieser Serie warm zu werden, auch sollte so manche Sehgewohnheit abgelegt werden, um mit diesem beinahe schon etwas altmodisch anmutenden Produkt etwas anfangen zu können. Dann aber belohnt "This Is Us" den Zuschauer mit herzerwärmenden Geschichten, wie sie heute nur noch selten erzählt werden.


Sven Hauberg
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