Nachtschicht - Wir sind alle keine Engel - Mo. 19.06 - ZDF: 20.15 Uhr

So herrlich leicht

Mensch Mufti (Arnel Taci), so geht das wirklich nicht! Bei der Radio-Call-In-Show anrufen und die Moderatorin (Katrin Bauerfeind) überreden, der Freundin die Trennungsbotschaft zu übermitteln? Was für eine oberschäbige Art, Schluss zu machen! Kein Wunder, dass die schöne Sharronda (Alina Levshin) da ein bisschen austickt. Dass sie gleich mit gezückter Schusswaffe im Blumenladen Geiseln nimmt, geht allerdings zu weit. Nur gut, dass die Hamburger ZDF-Kommissare Erichsen (Armin Rohde) und Lisa Brenner (Barbara Auer) Dienst haben. Die drücken bei impulsiven, aber irgendwie doch ganz sympathischen Problemgestalten wie Sharronda nämlich gerne mal alle Hühneraugen zu. Wie heißt es so schön im Titel des Lars-Becker-Krimis aus seiner "Nachtschicht"-Reihe: "Wir sind alle keine Engel" (starke 6,25 Millionen Zuschauer bei der Erstsendung 2015). Das ist natürlich treffend beobachtet.

Schlimm nur, dass es ausgesprochene Teufel gibt, die ihr Unwesen treiben - auch im schönen Hamburg. Den Beinahe-Amoklauf der abservierten Sharronda können Erichsen, Brenner und ihre KDD-Kollegen Mimi Hu (Minh-Khai Phan-Thi) und Yannick Kruse (Christoph Letkowski) bald schon gütlich beenden. Dafür tauchen im Umfeld des Mädchens plötzlich Leichen auf. Erst ist es der Nachbar, der erschossen in seiner Wohnung gefunden wird. Dann erwischt es den armen Mufti, der beim Pizzaausliefern auf offener Straße förmlich hingerichtet wird. Wenn das Attribut "atemlos" auf Krimis je gepasst hat, dann auf die "Nachtschicht"-Perlen des Hamburger Autorenfilmers Lars Becker. Auf diese hier ganz besonders.

Wie immer in dieser formidablen Reihe geben sich deutsche Schauspielstars oberster Güteklasse in Serie die Klinke in die Hand - und sei die Rolle auch noch so - vermeintlich - marginal. Diesmal geben unter anderem Clemens Schick, Margarita Broich, Tristan Seith, Chiara Schoras und Hans Jochen Wagner allzeit Vollgas bei diesem wilden Schwenk durchs nächtliche Hamburg. Es wird geschnackt, gepöbelt und gekalauert, bis sich die Fischgräten biegen. Die Hansestadt ist bei Lars Becker in diesem Sinne keine Kulisse, sondern ein auf der Kante des Wahnsinns genähtes Lebensgefühl, das jeder Nebenfigur aus allen Poren dampft.


Daneben wirft Becker immer wieder erfrischende Schlaglichter auf ethnische Befindlichkeiten und Vorurteile. Einmal sperrt er zwei Neo-Nazis und einen libanesischstämmigen Kreditunternehmer in eine Zelle. Die Deutschnationalen geben sich aufgeklärt: "Du bist doch Araber! Wir sind für die arabische Sache - pro Palestina", protzen sie. "Ich aber nicht. Ich bin libanesischer Christ, pro Israel", kontert der windige Geschäftsmann. Die Weltpolitik ist halt so furchtbar kompliziert. Gutes Fernsehen kann hingegen einfach sein. Zumindest sieht es bei Lars Becker immer so herrlich leicht aus.


Jens Szameit
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