Borgman - Do. 17.08 - 3sat: 22.25 Uhr

Berührt, verführt

Alleine die Tatsache, dass man sehr lange über diesen Film nachdenkt, macht "Borgman" (2013) zum Ereignis. Man könnte es auch anders formulieren: Würde man nach zehn Minuten die Pausetaste drücken und erst eine Woche später den Thriller weiter zeigen, wiederum häppchenweise und mit Wartezeit, man könnte einen Menschen in den Wahnsinn treiben. Denn "Borgman" stellt von Anfang an eine bohrende Frage. 3sat zeigt den Film zum ersten Mal im Free-TV und zum Glück in einem Stück.

Das Wort, das den Zuschauer durch den Film begleitet, ist "warum": Warum muss Borgman (Jan Bijvoet) vor einer Gruppe Männer flüchten, die ihn offensichtlich umbringen wollen? Warum lebt der bärtige Mann mit der präzisen Rhetorik in einem unterirdischen Verschlag im Wald, und wer sind die beiden anderen, die er auf der Flucht warnt? Alleine dieser Einstieg ist sehr geheimnisvoll und optisch spektakulär inszeniert. Der Waldboden bricht ein, was bedeutet, dass denen, die oben leben, der Boden weggezogen wird unter ihren Füßen. Diese Metapher darf als Überschrift für den Thriller gelten.

Angekommen in der Zivilisation, klingelt Borgman bei offensichtlich Reichen, fragt, ob er ein Bad nehmen kann. Bei der wohlhabenden Familie van Schendel bleibt er, heimlich, nur mit dem Wissen der Frau des Hauses. Marina (Hadewych Minis) lässt ihm ein Bad ein, gibt dem Mann zu essen und bittet das Kindermädchen Stine (Sara Hjort Ditlevsen), ihrem Mann nichts davon zu erzählen. Denn Richard (Jeroen Perceval) ist leicht reizbar. Es wäre also besser, wenn er nichts davon weiß, dass Borgman im Gartenhaus übernachtet. Doch er kommt der Familie in einer zweiten Episode noch viel näher.


Inhaltlich sollte man bei diesem anfangs subtilen Horrorthriller möglichst wenig vorwegnehmen, um Alex van Warmerdam den Spielraum zu lassen, den er braucht. Die Mühe, die sich der Regisseur mit seinem Planspiel gibt, lohnt sich. Er wollte in die unbekannten, dunklen Orte seiner Vorstellungswelt hinabsteigen, das Böse im Alltag finden. Dafür entwickelt er eine Bildsprache, die den Zuschauer gleichermaßen verführt wie die Frau des Hauses.


Was hingegen fehlt, sind Emotionen, und insbesondere in der zweiten Hälfte nachvollziehbare Reaktionen der betroffenen Familie. Sie werden wie auf einem Schachbrett hin- und hergeschoben, und auch wenn immer klarer wird, dass hier Schauspieler agieren und sowohl Mystik als auch Gewalt mehr Platz bekommen, funktioniert der manipulative Akt. Emotionen, die rühren, gibt es nicht.


Claudia Nitsche
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