Outside the Box - Fr. 15.09 - ARTE: 20.15 Uhr

Die Dinge mal von außen betrachten

Mit dem Titel "Outside The Box" hat sich Regisseur und Co-Autor Philip Koch für seine Consultant-Satire ein beliebtes Credo aus dem Sprachfundus der modernen Unternehmensberatung ausgesucht. Die Dinge mal von außen zu betrachten, kann helfen - so die schlichte Botschaft hinter dem coolen Anglizismus. Weniger cool ist: "Outside The Box" ist eine ziemlich ärgerliche Oberflächlichkeit von Film. Der hochgelobte Münchener Jung-Regisseur ("Picco") hatte sich mit seiner 2016 fürs Kino produzierten Satire das Ziel gesetzt, die Absurditäten des sozialdarwinistischen Überlebenskampfes in straff optimierten Arbeitswelten vorzuführen. Trotz eines interessanten Versuchsaufbaus und einer beeindruckenden Riege deutscher Film- und Fernsehstars scheitert der Film allerdings kläglich.

Als alles vorbei ist, fällt dieser eine Satz: "Wenigstens habe ich sie zweimal gevögelt." Geäußert vom Chef der Consultingfirma Bickstein (Hanns Zischler), bezogen auf seine PR-Managerin. Es ist eine flach berechnete Punchline, die symbolisch für den gesamten zweiten Kinofilms des eigentlich hochtalentierten, 35-jährigen Filmemacher Philip Koch stehen könnte. Besagte Managerin, Vanessa Kramer (Lavinia Wilson), hat sich einen PR-Coup ausgedacht, der aber gründlich in die Hose geht. Sie schickt vier junge Unternehmensberater in den Wald. In einer Art Survival-Training sollen sie Führungsqualitäten beweisen.

Was Frederik (Volker Bruch), Yvonne (Vicky Krieps), Michel (Stefan Konarske) und Marco (Sascha Ger?ak) nicht wissen: Kramer und ihr Psychologen-Kollege Peter Kraußmann (Samuel Finzi) haben zwei Schauspieler angeheuert, die eine Geiselnahme vortäuschen sollen. Das alles wird im "Big Brother"-Stil live übertragen und soll eine Handvoll Fachjournalisten von der innovativen Kraft der Beraterfirma überzeugen.


Das Überleben im Business ist hart, so das Kalkül. Nur die härtesten "High Performer" werden bestehen - und die arbeiten bei Bickstein. Womit aber niemand rechnen konnte: Die fiktiven Geiselnehmer machen Ernst. Ihre Waffen sind scharf, das Spiel ist plötzlich kein Spiel mehr. Und niemand weiß, wer hier eigentlich wen manipuliert. Man muss kein Hellseher sein, um zu kapieren, was Philip Koch mit seiner Satire vorhat. "Outside The Box" will ein grotesk überhöhtes Spiegelbild der Leistungsgesellschaft sein: Die Arbeitswelt ist ein Haifischbecken, die Menschlichkeit wird der Performance im Job geopfert. Wer am lautesten schreit, hat den größten Erfolg.


Kochs Analyse ist im Kern zutreffend, seine (film-)künstlerische Umsetzung zeugt allerdings von schmerzhafter Naivität. Sie steckt voller Gemeinplätze und Klischees, leerer Worthülsen und albernem Slapstick. Zudem ist das Ganze holprig inszeniert. Schwer zu ertragen ist "Outside The Box" auch deshalb, weil in jeder Szene ersichtlich wird, dass hier jemand Wut im Bauch hatte und die Zustände in der Arbeitswelt schlicht zum Kotzen findet. So nachvollziehbar das Gefühl ist, hätte es dem Film gutgetan, etwas Abstand zum Thema zu wahren, um näher an Missstände und Figuren heranzukommen. Die bleiben nämlich trotz versammelter Schauspiel-Power - unter anderem Frederick Lau und Kida Khodr Ramadan in Nebenrollen - durch die Bank weg blass. Auf diese Weise verheizt Koch seine Figuren, weil er ihnen ihre verletzliche Seiten nicht zugesteht. Fast scheint es: Sie erfüllen ihren Zweck und müssen funktionieren. Pikanterweise ist das in der realen Arbeitswelt nicht anders.


Andreas Fischer
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