Schuld nach Ferdinand von Schirach: Kinder (Neue Folgen:) - Fr. 15.09 - ZDF: 21.15 Uhr

Der Grusel des Lebens

Es ist eine Pikanterie am Rande, dass die vielleicht beste deutsche TV-Serie, die man in diesem Herbst im Free-TV schauen kann, eigentlich keine ist. Jeder der 45 Minuten langen "Schuld nach Ferdinand von Schirach"-Filme erzählt eine autarke Geschichte mit eigenen Protagonisten. Das größte Lob für den in sämtlichen Folgen entstehenden erzählerischen Sog gebührt Buchautor Ferdinand von Schirach selbst. Seine existenzialistischen Short Stories, die skurril finstere Lebenswege im Spiegel juristischer Straftaten betrachten, haben einfach große Klasse. In "Kinder", dem ersten von vier neuen Fällen, wird das Leben eines Mannes durch pädophile Anschuldigungen zerstört. Wie in Staffel eins spielt Moritz Bleibtreu den die Folgen verbindenden Anwalt Friedrich Kronberg.

In "Kinder" stellt sich der aus dem Gefängnis entlassene Holbrecht (Marcus Mittermeier) Anwalt Kronberg, weil er kurz davor war, eine junge Frau zu ermorden. In Helena Meissner (Maria Dragus) erkannte der Fast-Täter mit ehemals bürgerlicher Existenz jenes Mädchen, das ihn einst des Missbrauchs beschuldigte und ins Gefängnis brachte. Zuvor lebte der Möbelvertreter seinen Familientraum in spe. Mit Frau Miriam (Natalia Belitski), einer Grundschullehrerin, wohnte er in einem hübschen Bungalow und wartete auf Nachwuchs.

Helena Meissner war zu dieser Zeit Schülerin von Miriam. Ihre Anschuldigungen, unterstützt durch die Zeugenaussage einer Freundin, waren so glaubhaft, dass der kinderliebe Biedermann verurteilt wurde. Seine Ehe und die berufliche Existenz zerbrachen. Nachdem sich der Gebeutelte Kronberg gestellt hat, unternimmt der Anwalt eigene Ermittlungen. Er rollt den alten Fall wieder auf. Dabei kommt Erstaunliches zutage.


Toll, wie von Schirachs manchmal nur wenige Seiten umfassende Geschichten in Oliver Berbens auch optisch ansprechender Serienversion zu starken Kurzfilmen avancieren. Auch Bleibtreus Part ist für eine Serie ungewöhnlich: Der von ihm gespielte Anwalt Kronberg ist niemals Hauptfigur einer Folge, sondern eher beobachtender, lakonischer Chronist des perfiden Geschehens.


In der internationalen Serienlandschaft kann man "Schuld" vielleicht nur mit der britischen Ausnahme-Reihe "Black Mirror" vergleichen, die neuerdings von Netflix produziert wird. Auch hier präsentiert ein Autor, Charlie Brooker, seine spannenden Zukunftsvisionen in Form von in sich abgeschlossenen Geschichten mit immer neuen Figuren. Schade nur, dass von Schirachs Vorlagen-Fundus bald erschöpft scheint. Von 15 Kurzgeschichten des Buches "Schuld" wurden inklusive der vier neuen Episoden bereits zehn verfilmt.


An den folgenden Freitagen sieht man Klasse-Schauspieler wie Samuel Schneider, Iris Berben, Martin Brambach und Tom Wlaschiha in "Anatomie" (22.09.), Josefine Preuß in " Das Cello" (29.09.) sowie Lars Eidinger und Jürgen Vogel in "Familie" (06.10.).


Eric Leimann
Wie fast kein anderer Industriezweig wird in der öffentlichen Wahrnehmung und in oft kitschiger Werbung die Milchherstellung verklärt. Der Dokumentarfilm leuchtet kritisch hinter die Kulissen von Massentierhaltung und Hightech-Landwirtschaft.
Die junge Hebamme Gesa (Josefine Preuß) macht sich auf nach Wien, um dort die erste Medizinstudentin zu werden.
Eine Dokumentation von Caroline Pellmann und Marc Evers nimmt "die gute alte Zeit" unter die Lupe. Auch Prominente bewerten, ob in ihrem Leben früher wirklich alles besser gewesen sei.
Tierschützer schlagen Alarm. Ihre Behauptung: Niemand schere sich mehr um die Transport-Gesetze, sobald Tiere die EU verließen. Im Rahmen von "37°" liefert der Journalist Manfred Karremann die erschreckenden Bilder dazu.
Endlich: Mit der Serie "Dark" läuft die erste deutsche Netflix-Eigenproduktion - und überzeugt als düsterer Mix aus Mystery, Zeitreise und Retro-Stil.
21.45 Uhr. Deutschland in bester "Nach dem Münster-Tatort"-Stimmung. Wenig deutete bei Anne Will auf ein unmittelbar bevorstehendes Ende der Sondierungsgespräche hin. Nur eins war klar: Neuwahlen oder eine Minderheitsregierung wollte niemand.
Ist es Kunst oder nur ein müder Gag? Boerne und Thiel schleppten sich durch eine seichte Kunstszene-Satire mit eingemeißelter Serienkiller-Groteske.
Seit gut 25 Jahren ist Wolfgang Bahro als Anwalt Jo Gerner bei der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" dabei. Nun erhält er eine eigene Webserie.
Einen Tag nach der Weltpremiere des Riesen-Events "Victoria's Secret Fashion Show 2017" zeigt RTL Living das Mode-Highlight aus Shanghai im TV.
War das Leben in den 80-ern wirklich so anders als heute? Janine und Lili Kunze machen den Check.
Im Mehrteiler "Zellers Reeperbahn" spielt der 60-jährige "Tatort"-Kommissar einen abgründigen Familienvater, Nachtclubbesitzer und Künstler. Dazu komponierte und singt Tukur zahlreiche Lieder im Film.
Thomas Ebeling verlässt ProSiebenSat.1. Die Ankündigung kommt nur wenige Tage, nachdem eine umstrittene Äußerung des Managers öffentlich wurde.