Die Story im Ersten: Der Europa-Check - Mo. 16.10 - ARD: 22.45 Uhr

Wollen und können wir Europa retten?

Europa steht nach Meinung vieler Bürger schon lange nicht mehr für Verständigung und Freiheit, sondern für elitäre Entscheidungen aus Brüssel. Aus Skeptizismus gegenüber Euro und Bürokratie erwuchs in den letzten Jahren im Zuge von Wirtschafts- und Flüchtlingskrise in vielen Kreisen purer Europa-Hass - nicht nur die erstarkten Rechtspopulisten erteilen der Idee Europa seither eine Absage. Doch woher kommt die Ablehnung? Warum wird den Erfolgen der europäischen Einigung nicht mehr Rechnung getragen? "Die Story im Ersten: Der Europa-Check" geht dem schlechten Ruf Brüssels auf den Grund: Unterwegs zwischen Europafeinden und Europafreunden fragt die Reportage, wofür die EU heute steht und was davon überhaupt der Wahrheit entspricht.

Vorgaben für Bananen? Träge Parlamentarier in einem sinnlosen Parlament? Die Liste der Klischees und Vorwürfe gegen die EU ist beliebig verlängerbar und "Brüssel" dafür längst zum Synonym geraten. Längst macht das Europa-kritische Milieu ernst, mit dem Brexit als vorläufigem Höhepunkt. Auch hierzulande schrumpft die Zustimmung zur EU: In Sachsen etwa hält sie nur noch ein Drittel der Bürger für sinnvoll.

Und das, obwohl ihr Struktur-Fonds gerade in wirtschaftlich schwachen Regionen greift, wie die Reportage aufzeigt: 8,7 Millionen Arbeitsplätze wurden durch die EU in Europa geschaffen, 2017 wurden bislang 134,7 Milliarden Euro zur Unternehmens-Förderung ausgegeben. In Wales, wo die Zustimmung zum Brexit am höchsten war, bereut man den Austritt inzwischen: Firmen wandern ab, die fehlende Förderung überlässt die Region sich selbst.


"Die Story im Ersten" fragt, warum Menschen Europa dennoch ablehnen. Manfred Müller etwa, der EU-kritische Beiträge veröffentlicht, sagt, Europa sei zu schwerfällig; die Außengrenzen sieht er nicht ausreichend geschützt. Anders die Gegenbewegung, der sich die Reportage von Matthias Ebert und Joanna Jäschke ebenfalls nähert: Hansjörg Schmitt ist Mitbegründer der Bewegung "Pulse of Europe". Er meint: "Auch wir wollen die EU reformieren, aber dafür muss sie zunächst mal erhalten bleiben."


Wie kann das bei all der Gegnerschaft gelingen? Europa, so schlagen einige Protagonisten des Films vor, muss seine echten Defizite angehen - etwa den Einfluss der Lobbyisten, den der Verein "Lobby Control" kritisiert: "Die Banken können sich solche Lobbyarbeit leisten, nicht aber beispielsweise alleinerziehende Mütter, die schon seit Jahren für eine steuerliche Gleichstellung kämpfen." Ebenso fraglich: Die Doppelmoral der "Festung Europa", die zu Fluchtursachen beiträgt, aber sich zugleich vor den Flüchtlingen abschottet.


Drohen mehr Austritte? Kann mehr Bürgerbeteiligung erreicht werden, indem Grundsatzfragen in Versammlungen öffentlich diskutiert werden? Der "Europa-Check" fragt auch bei Joschka Fischer nach, ob Europa noch zu retten ist.


Maximilian Haase
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