Jussi Adler-Olsen: Schändung - Mo. 16.10 - ZDF: 22.15 Uhr

Eine fein-blutrote Gesellschaft

Nach "Erbarmen" ist "Schändung - Die Fasenentöter" (2014) das zweite Abenteuer des übellaunigen Kommissars Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und seines lebensfrohen Assistenten Assad (Fares Fares). Diesmal geht es um einen 20 Jahre alten Doppelmord im Umfeld eines sündhaft teuren Elite-Internats. Wer auf düstere skandinavische Krimikost steht, kommt bei dieser Wiederholung im ZDF in Sachen Handlung samt expliziter Brutalität auf seine Kosten. Trotz der überzeugenden Schauspieler muss man jedoch auch konstatieren: Ein wenig konstruiert wirkt der hanebüchen böse Plot nach dem Bestseller des Dänen Jussi Adler-Olsen schon.

Da ist sie wieder, die etwas plakativ in einem fensterlosen Kellerraum residierende Abteilung "Q" der Kopenhagener Kriminalpolizei. Die so unterschiedlichen Ermittler Carl Mørck und Assad, auch bekannt als "der Trinker und der Araber", versuchen hier alte, zu den Akten gelegte Kriminalfälle noch einmal zu überprüfen und gegebenenfalls neu aufzurollen. Diese Notwendigkeit ist selbstredend in allen bisher erschienenen sechs Büchern von Jussi Adler-Olsen gegeben. In "Schändung" bekommen es Mørck und Assad mit einem 1994 im Umfeld eines Nobelinternats stattgefundenen Mord an zwei Geschwistern zu tun.

Obwohl man eine brutale Clique von Schülern im Verdacht hatte, die schon früh ihre eigenen Vorstellungen einer streng darwinistischen Gesellschaft in die Tat umsetzte, konnte man den Verdächtigen damals nichts nachweisen. Auch weil ein anderer schließlich die Tat gestand. In den Archiven stoßen die Dänenermittler jedoch auf eine mysteriöse, vergessene Tatzeugin (stark: Danica Curcic), die seit 20 Jahren auf der Flucht ist. Die Häscher von einst bekleiden mittlerweile natürlich herausragende Positionen in der dänischen Gesellschaft. Können die Kellermänner aus Kopenhagen ihnen das Handwerk legen?


"Schändung" ist kein Krimi für Freunde des Täterratens, dazu wird in Rückblenden schon sehr früh einiges verraten. Er ist auch nichts für zart besaitete Kinogänger, wie nicht anders zu erwarten. Das Klischee des blutig-düsteren Skandinavienkrimis wird hier ebenso breitgetreten wie die spätestens seit Henning Mankell und Stieg Larsson doch ein wenig ermüdende Gesellschaftskritik an einem System, das im Vergleich mit vielen anderen Orten dieser Welt unter dem Strich doch recht gut funktioniert.


Die schauspielerischen Leistungen sind solide, und auch Regisseur Mikkel Nørgaard, der bereits den ersten Teil verfilmte und Stammkraft der fantastischen Polit-Serie "Borgen" ist, leistet sich keine groben handwerklichen Schnitzer. Dennoch vermisst man wie im Debütfilm "Erbarmen", der immerhin die geniale Plotidee der verwahrlosenden Gefangenen im Drucktank ziemlich beklemmend umsetzte, ein wenig die Subtilität der Buchvorlage. Diese besteht vor allem darin, wie Carl Mørck seine Welt sieht, und dieser philosophierende Gedanken-Shitstorm lässt sich im Film nun mal schwer umsetzen.


Am kommenden Montag, 23. Oktober, 22.15 Uhr, folgt dann als Free-TV-Premiere die dritte Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung, "Erlösung".


Eric Leimann
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