Über die Grenze: Alles auf eine Karte (Neue Reihe:) - Do. 07.12 - ARD: 20.15 Uhr

Vom Leben auf der Kippe

Bei der deutsch-französischen Polizeieinheit in Kehl feiert eine Neue ihren Einstand: die jungforsche Polizistin Leni Herold (Anke Retzlaff). Sie hätte sich besser einen anderen Tag fürs Praxis-Debüt aussuchen sollen, denn während eines Raubüberfalls gerät sie in Geiselhaft. Alles spielt sich vor den Augen von Lenis Vater (Thomas Sarbacher) ab, der als Chef der länderübergreifenden grünen Minna einen missglückten Zugriff auf die Serienräuber Danne Marquardt (Sebastian Hülk) und Milou Jangy verantwortet. "Über die Grenze: Alles auf eine Karte", ein deutscher Krimi mit französischen Co-Darstellern, beginnt klischeehaft und lässt für die weitere Dauer des Abends nichts Gutes erwarten. Wenn sich der Film mehr und mehr zum klaustrophobischen Geiseldrama mit bärenstarkem Darsteller-Trio verdichtet, sorgt er doch noch für spannende, intensive Thrillermomente.

Hauptdarsteller der neuen ARD-Krimireihe, die am folgenden Donnerstag mit dem Film "Über die Grenze: Gesetzlos" fortgesetzt wird, sind Vater Steffen Herold (Sarbacher) und seine Tochter Leni (Retzlaff). Der knarzig erfahrene Polizist respektive liebende Vater also - und das junge Küken, das sich etwas mehr zutraut, als es ihm gut täte. Man muss zugeben: Es gab schon spannendere Konstellationen. Rund um jene Reißbrettfiguren gruppieren sich: Mutter Sabine (Jenny Schily), die in dieser Folge eher besorgt am Telefon hängt und der nonchalante Vorzeigefranzose Yves Kléber, dessen Darsteller Philippe Caroit schon mal den französischen Präsidenten und Liebhaber von "Bundeskanzlerin" Veronica Ferres in der eher missglückten Politkomödie "Die Staatsaffäre" (2014)) spielte.

Was den "Über die Grenze"-Debütfilm deutlich über den Durchschnitt hebt, ist allerdings das intensive Spiel Sebastian Hülks, der in Christian Petzolds "Polizeiruf 110: Wölfe" (2016) jenen irren Biologen verkörperte, der Barbara Auer und Matthias Brandt fast das Leben gekostet hätte.


Wie Hülk, sein Partner Rick Okon und die 28-jährige Anke Retzlaff, die 2013 für den Film "Puppe" als beste Nachwuchsschauspielerin mit dem New Faces Award ausgezeichnet wurde, das Gangster-Geisel-Trio geben, hat schon Klasse. Es kommt zu Fluchtversuchen, aber auch Momenten des Mitgefühls, der Erotik und des Rauschs. Ein Rausch, der das Leben auf der Kippe feiert.


Im Schatten jener furiosen Flucht fallen die Dialoge zwischen Sarbacher und Caroit, die sich während der Verfolgung über ihre komplizierte Freundschaft und das mittelalte Leben austauschen, leicht ab. Das Drehbuch zum Film schrieben Felice Götze, Paul J. Milbers und Sabine Radebold. Götze zeichnete 2015 für den starken Bremer "Tatort: Die Wiederkehr" verantwortlich. Regie führte bei beiden ersten Filmen Michael Rowitz ("Mit Burnout durch den Wald"). Sollten die Verantwortlichen das Niveau der zweiten Hälfte des Debütfilms halten können, darf man "Über die Grenze" zu den besseren Produkten des eher mediokren Donnerstags-Sendeplatzes zählen.


Eric Leimann
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