"Ich hoffe, ihr findet den Tod im Meer"

Sie retten Menschen und ernten Hass: Die Erfahrungen der Seenotretter der "Iuventa" machen fassungslos

"Sie kämpfen mit Wind und Wellen - und mit wütenden Kommentaren aus deutschen Wohnzimmern!" - Man merkt den Worten von Filmemacher Carsten Behrendt an, dass ihn die Erfahrungen an Bord der "Iuventa" nachdrücklich beeindruckt haben. Auf dem Seenotrettungsschiff der spendenfinanzierten Organisation "Jugend rettet" drehte er auf der gefährlichen Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien eine Dokumentation, die den Betrachter fassungslos zurücklässt: Warum schlägt Menschen, die Leben retten und sich derart selbstlos für andere engagieren, teilweise blanke Abneigung entgegen? Wo kommt all die Kälte her? Der Film "Seenotretter im Shitstorm: Wenn Hilfe Hass erzeugt", der am Donnerstag, 9. März, 12.30 Uhr, auf ZDFinfo zu sehen ist, beschäftigt sich mit erschreckenden Auswüchsen einer gespaltenen Gesellschaft. Er wirft Fragen auf, deren Tragweite weit über die aktuelle politische Debatte um den Umgang mit Flüchtenden hinausgeht.

"Jeder Mensch verdient die Rettung aus Seenot": Der Satz, mit dem der User auf der Homepage der ehrenamtlichen Seehilfe-Organisation "Jugend rettet" begrüßt wird, ist eine reine Selbstverständlichkeit. Sollte man meinen ... - Doch offenbar ist es für erschreckend viele Zeitgenossen genau das nicht: ZDF-Reporter Carsten Behrendt greift ein Phänomen auf, von dem immer mehr Menschen zu berichten wissen, die sich für Flüchtlinge einsetzen.

Der Berliner Verein "Jugend Rettet" hat mit Spendengeldern einen ehemaligen Fischkutter gekauft und zum Rettungsschiff umgebaut. In den Gewässern vor Libyens Küste sind die jungen Großstädter nun auf der "Iuventa" im Einsatz. Sie "opfern ihren Urlaub, ihre Semesterferien. Und sie bekommen für ihren Einsatz viel Ablehnung, da er sich gegen die Abschottungspolitik der Europäischen Union richtet", berichtet ZDFinfo.


Carsten Behrendt porträtiert die hart arbeitende Crew, und er zeigt Bilder von traumatisierten Menschen, die im allerletzten Augenblick gerettet wurden. Menschen aus Nigeria berichten von ihrer langen Flucht vor Boko Haram, von verbrecherischen Schleusern und der nackten Todesangst auf Hoher See. Jetzt liegen sie an Deck "Iuventa", erschöpft, aber voller Dankbarkeit. Sie beten, tanzen und feiern zusammen mit ihren Rettern - nichts davon ahnend, was sie in Europa wirklich erwartet. Die Szenen rühren einen. Auch, weil man daran denken muss, was im vermeintlich gelobten Land eben auch auf diese Leute zukommt: eine ablehnende Stimmung, die sich zunehmend in hässlichen Facebook-Kommentaren Bahn bricht.


Im Film werden einige dieser Hass-Posts von den Crew-Mitgliedern selbst vorgelesen. Und auch wenn die Wiederholung die Unflätigkeit nicht gehaltvoller macht, kommt man, um das ganze Maß an Kälte und Respektlosigkeit zu verdeutlichen, um Zitierungen nicht ganz herum: "Aah, die Taxiboote mit den verpeilten Gutmenschen sind wieder unterwegs, um weitere Tausende Invasoren einzusammeln", schreibt ein Kritiker der Organisation im hinlänglich bekannten Duktus der "besorgten Bürger". An anderer Stelle wird es noch viel gehässiger: "Hoffentlich nehmt ihr die auch mit zu euch nach Hause. Wir brauchen nämlich keine Wirtschaftsflüchtlinge und Verbrecher." Und manchmal nehmen die Anfeindungen auf Facebook auch bedrohliche Züge an. Ein User schreibt der "Jugend rettet"-Organisation folgende Zeile: "Ich hoffe, ihr findet den Tod im Meer - Volksschädlinge!"


Er könne so etwas leider "auch nicht nicht lesen", sagt ein junger Mann von der "Iuventa"... Daher sei es jedes Mal eine Herausforderung, sich zu beherrschen und auf solche Kommentare nicht direkt zu antworten. Ein anderer äußert ein gewisses Verständnis für die Kommentatoren: Es sei eben die Angst, die aus den Reaktionen solcher Menschen spreche. Der Ansatz der Organisation, erklärt einer der Helfer ratlos, sei doch eigentlich "ziemlich simpel": "Wir wollen die Menschen nicht sterben lassen!" Daran könne man doch keine Kritik üben, meint er. Und doch gibt es Menschen, die genau das tun: Sie feinden andere Menschen an, weil sie Todgeweihte aus dem Wasser oder aus hoffnungslos überfüllten Schlauchbooten ziehen. Was läuft da schief, was ist die Motivation für so viel Hass?


Der Film vermag darauf auch keine schlüssige Antwort zu geben. Aber immerhin kommt man angesichts der Bilder vom gefährlichen Einsatz auf dem Mittelmeehr ins Grübeln - über die internationalen Zusammenhänge, aber vor allem auch über eine zunehmende Empathielosigkeit in unserer Gesellschaft.


Frank Rauscher
Arnold Schwarzenegger wird am 30. Juli 70 Jahre alt. kabel eins bringt zu diesem Anlass jenen Kult-Film ins Fernsehen, der weltweit eine zuvor beispiellose Fitnesswelle auslöste.
Fans der Fußball-Bundesliga müssen sich zu Beginn der neuen Saison auf Änderungen einstellen. Unter anderem wurden die Anstoßzeiten erweitert. Zudem teilen sich nun zwei Pay-TV-Anbieter einen nur einzigen Spieltag auf.
Junges Fernsehen, nah an der Zielgruppe: Die sechsteilige BR-Reihe "Wer zieht ein?" nimmt die Zuschauer mit auf die Suche nach neuen WG-Mitbewohnern.
Als Schuh-Unternehmer führte Thomas Bartu ein Jetset-Leben. Doch dann entschied er sich noch einmal um - und eröffnete eine exquisite Eis-Diele in München-Schwabing.
Die neue Reportage nimmt die oft schnell vergessenen Angehörigen von Terror-Opfern in den Blick, die sich meist über mangelnde staatliche Unterstützung nach grauenvollen Erlebnissen beklagen.
Komödienspezialist David Dobkin lässt seinen vermeintlichen Justizfilm "Der Richter - Sein wichtigster Fall" in ein letztlich zu Herzen gehendes Familiendrama münden.
Wie sehr war Volkswagen in dunkle Machenschaften des brasilianischen Militärregimes verstrickt? Eine Dokumentation will dies herausfinden.
Im zweiteiligen Taunuskrimi taucht das Ermittlerduo Kirchhoff und von Bodenstein in die düsteren Abgründe einer ganz und gar nicht heilen Welt ab.
Die Zombies sind da. Und es sind Milliarden. "World War Z" mit Brad Pitt ist im Grunde ein ganz normaler Zombiefilm. Dessen Kosten allerdings völlig aus dem Ruder liefen ...
Thilo Mischke reist für die zweite Staffel seines Reportage-Magazins "Uncovered" wieder zu jenen Orten, an die sich andere Reporter nicht trauen. Mit dabei: die Drogenhölle von Manila oder Gefahren-Tourismus in Somalia.
Bei der Telenovela "Sturm der Liebe" erscheint ab September ein neues Gesicht: Sebastian Fischer verstärkt als Viktor Saalfeld den Hauptcast.
Nur ein paar Quadratmeter reichen den Machern der neuen Sky-Serie: "Room 104" spielt in einem einzigen Hotelzimmer.
Keine Drachen, dafür alternative Geschichte: Die Macher von "Game of Thrones" haben ihr nächstes Serienprojekt vorgestellt.
Jörg Wontorra meldet sich mit einem Fußball-Talk am Sonntagvormittag zurück. Sein neues Format bei Sky Sport News HD geht in direkte Konkurrenz mit dem legendären "Doppelpass".
Schon wieder Berlin: In einer neuen Netflix-Serie ist die deutsche Hauptstadt Schauplatz eines Spionage-Plots.