Schöne Grüße aus der Apokalypse

"The Walking Dead"-Stars bei der Deutschlandpremiere von Staffel 7.2 in München

Wenn Menschen in rostig-roten T-Shirts vor der Kinokasse Schlange stehen und dort Sätze fallen wie: "Ich habe Lucille gesehen, so heißt der Baseballschläger!" - Dann läuft "The Walking Dead" im Kino. Am Montag hat der Pay-Sender Fox Presse und Fans zur Deutschlandpremiere der zweiten Hälfte von Staffel sieben (montags, 21 Uhr) nach München eingeladen - es kamen zahlreiche Anhänger der Kultserie, was natürlich keine Überraschung war. Denn mit Josh McDermitt und Austin Amelio kamen zwei Darsteller, die nicht nur jede Menge gute Laune, sondern auch einige News aus dem Innersten einer der erfolgreichsten Serienproduktionen weltweit mit nach Bayern mitbrachten.

Mit der 99. Episode wird die siebte Staffel am 3. April enden, nach wie vor beschert "The Walking Dead" dem Sender Fox konstant hohe Einschaltquoten. Die Frage ist also erlaubt: Warum um alles in der Welt ist ein dröger Zombie-Stoff so lange interessant - und das auch noch für eine vergleichsweise breite Masse an Zuschauern? Josh McDermitt, der den Wissenschaftler Eugene spielt, hat im Gespräch abseits des Rummels im Kino eine originelle Antwort parat: "Es geht gar nicht um die Zombies - sie bilden nur das Setting. Eigentlich geht es darum, wie die Menschen in so einer Situation reagieren, und damit kann sich der Zuschauer identifizieren. Er fragt sich immer wieder: Was würde ich an dieser Stelle tun?"

Noch einmal zur Erinnerung: Der erste Teil der zweiten Staffel begann mit einer denkwürdigen Szene. Rick (Andrew Lincoln) und einige Vertreter seiner Gruppe werden von den Saviors gestellt. Deren Anführer Negan (Jeffrey Dean Morgan) tötete Glenn und Abraham - und zwar auf so brutale und grausame Weise, wie man es im Fernsehen gefühlt noch nie gesehen hat - als hätten die Kritiker einmal zu oft geschrieben, dass "TWD" vor allem ein Drama der Gesellschaft abbildet, und die Produzenten nun mal wieder zeigen wollten, warum die Altersfreigabe bei 18 eingestuft wird. Dabei schufen sie mit Negan eine der ikonischsten Serienfiguren seit langem: Morgan erschafft insbesondere im O-Ton durch eine grandiose (und Critic's-Choice-prämierte) Schauspielleistung eine völlig überzogene, grausame und (leider, möchte man sagen) glaubwürdige Persönlichkeit.


Anwesend in der Szene ist auch Ricks Sohn Carl. Dessen Darsteller, Chandler Riggs, ist nun 17 Jahre alt, er war beim Start der Serie also zehn. McDermitt erklärt auf die Frage, wie man einen Kinderdarsteller vor der Grausamkeit der eigenen Serie beschützt: "Durch das Bewusstsein, dass das alles gespielt ist, entsteht automatisch eine Distanz. Chandler sieht, wie Zombies und Blut um ihn herum geschminkt werden, ist im ganzen Prozess involviert." Austin Amelio, er verkörpert Dwight, steuert bei: "Selbst mein dreijähriger Sohn hat schon Ausschnitte der Serie gesehen, wenn meine Frau sie schaut. Zwar mit viel Augenzuhalten, aber prinzipiell weiß er, dass das alles Fake ist, was im Fernsehen passiert. Der einzige Schock für ihn war, als ich in einer Folge verprügelt wurde und er fragte: 'Was macht Papa da?' - da musste meine Frau ihn beruhigen."


Mit Baseballschläger "Lucille" Schädel einschlagen, als Strafe eine Gesichtshälfte mit dem Bügeleisen verbrennen oder die Leute gleich ganz verbrennen: Mit unverhohlener Grausamkeit unterwirft Negan die anderen Gemeinschaften. Ricks Gruppe versucht sich, so wie vier andere auch, in der ersten Hälfte der Staffel damit zu arrangieren. Nun wird klar: Das ist nicht durchzuhalten, und die Unberechenbarkeit Negans macht das Überleben auf Dauer unmöglich. Also versucht die Gruppe nun, Waffen zu sammeln und die anderen Gemeinschaften an ihre Seite zu holen. Denn am Ende, so scheint es, kann es nur der offene Krieg gegen Negan richten. Wie es weitergeht erfahren die zuschauer voraussichtlich im Herbst mit dem Start der achten Staffel.


Einmal mehr werden die Zombies also zur Nebensächlichkeit. Wieder werden die Menschen selbst zur größten Gefahr für die Menschen. "Ich hoffe immer, dass wir in der Realität besser handeln würden, als das, was wir uns gegenseitig in der Serie antun", sagt McDermitt. "Dann werde ich aber doch immer wieder enttäuscht. Und ganz ehrlich: Wenn wir täglich die Nachrichten sehen, und dort gibt es ein Problem, hier Terror, wieder zieht ein Land in den Krieg gegen ein anderes ... - Es fühlt sich an, wie kurz vor der Apokalypse." Eine achte Staffel ist bereits in Produktion und wird voraussichtlich im Herbst ausgestrahlt.


Martin Heller
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