Das Ende der Helene-Fischer-Festspiele

Erstmals zeigt VOX die Verleihung des Musikpreises Echo (Freitag, 7. April, 20.15 Uhr)

"Die sind so dumm hier beim Echo", ätzte bei der letztjährigen Verleihung des wichtigsten deutschen Musikpreises der Rüppelrapper Sido, live und auf der Bühne. Er habe hinter den Kulissen schon sämtliche Trophäen stehen sehen und wisse, wer gewonnen habe und wer nicht. Die Reaktion auf diesen vermeintlichen Ausrutscher folgte zwar nicht prompt, aber sie folgte. "Wenn Musiker, für die der Preis vergeben wird, sich mehr Zuspruch davon versprechen, dass sie auf der Bühne 'ihren' Preis dissen und schlecht machen, wie kann der Zuschauer zu Hause Spaß daran haben?", echauffierte sich ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber einige Monate später. Sein Sender hatte in den vergangenen Jahren die Verleihungszeremonie übertragen und war nun offenbar ein wenig beleidigt. Aus "inhaltlichen Gründen" werde man den Echo nicht weiter zeigen, so Schreiber damals. Ein Ersatz war allerdings schnell gefunden: Bereits drei Tage später erklärte VOX, einspringen zu wollen. Der Privatsender hielt Wort und zeigt nun am Freitag, 7. April, 20.15 Uhr, die Echo-Gala.

Dass Trophäen bereits fertig graviert hinter der Bühne auf ihre Preisträger warten, ist nichts Ungewöhnliches. Was Sido mit seinem verbalen Ausfall wohl sagen wollte, hingegen schon: Kaum ein Preis der deutschen Medienlandschaft ist so vorhersehbar wie der Echo. Zumal in den letzten Jahren, als manch einer schon von den "Helene-Fischer-Festspielen" sprach, wenn er den Echo meinte. Wie die Preisträger genau ermittelt wurden, das war zwar in etwa so geheim wie die Coca-Cola-Formel. Aber obwohl es eine Jury gab, die irgendwie mitentscheiden durfte, waren doch stets die Verkaufszahlen ausschlaggebend.

Und die waren meist keine große Überraschung, ein Blick in die Jahrescharts genügte, um zu ahnen, wer alljährlich im Frühjahr einen Echo sein Eigen nennen dürfte. Quantität statt Qualität lautete über Jahre das Motto des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), der den Echo veranstaltet. Das warf natürlich die Frage auf, wozu es den Echo überhaupt braucht. Zumal das bloße Zusammenaddieren von Verkaufszahlen etwa im letzten Jahr dazu führe, dass mit Frei.Wild eine Band den Preis überreicht bekam, der schon länger eine Nähe zu rechtem Gedankengut vorgeworfen wird. Das Publikum quittierte den peinlichen Moment mit lautstarken Buh-Rufen.


Mit dem Wechsel zu VOX soll das alles nun anders werden. "Von Musikern für Musiker" lautet diesmal das Motto des Echo; Ausdruck finden soll die Neuerung in einem überarbeiteten Konzept. Dazu werden "Fachjurys ins Leben gerufen, die in den verschiedenen Genre-Kategorien abstimmen und deren Stimme künftig ein viel stärkeres Gewicht hat als bisher", so der BVMI. Konkret bedeutet das: Die Verkaufszahlen und die Jury-Wertung zählen neuerdings gleich viel, nominiert werden allerdings nach wie vor nur die meistverkauften Tonträger des Jahres.


So fällt die Vorauswahl beim "Album des Jahres" auf Andrea Berg, Böhse Onkelz, Udo Lindenberg, Metallica und The Rolling Stones. Andrea Berg darf natürlich auch nicht in der Kategorie "Schlager" fehlen und die Onkelz in "Rock national". Lindenberg darf sich auch auf den Preis als "Künstler national" Hoffnungen machen, Metallica sowie die Stones als "Band international". Gleich dreimal nominiert sind die Französin Imany ("Künstlerin international" und "Newcomer international" sowie "Hit des Jahres" für "Don't Be Shy") und das Produzententeam Stereoact aus dem Erzgebirge ("Dance national", "Newcomer national" sowie "Hit des Jahres" für ihren Remix von Kerstin Otts "Die immer lacht").


Eine weitere Neuerung macht dem Motto "Von Musikern für Musikern" tatsächlich alle Ehre. Nicht Barbara Schöneberger, Allzweckwaffe der deutschen Fernsehunterhaltung, aber nur nebenbei auch Musikerin, wird den Echo diesmal moderieren. Für den Echo 2017 hat VOX die Sänger Sasha und Xavier Naidoo verpflichten können. "Beide sind nicht nur herausragende Repräsentanten der deutschen Musikszene, sondern auch als TV-Persönlichkeiten nachhaltig erfolgreich", lobt VOX-Chefredakteur Kai Sturm die Neuzugänge, und er verspricht: "Beim Echo 2017 werden sie ihre erfolgreichsten Kollegen und Mitstreiter auszeichnen und durch die Augenhöhe zu den Preisträgern die Veranstaltung nachhaltig prägen."


Auf Twitter löste die Personalie Xavier Naidoo indes bereits eine Welle an hämischen Kommentaren aus. Schließlich wird dem Soulsänger vorgeworfen, der Reichsbürger-Bewegung nahezustehen. Ein Shitstorm wie im vergangenen Jahr, als Naidoo Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten sollte, scheint diesmal aber eher keine Gefahr. Schließlich fuhr Naidoo im Auftrag von VOX für seine Musikshow "Sing meinen Song" über Jahre hinweg Traumquoten ein. Dass dem Kölner Sender nun mit der Echo-Verleihung ein ähnlicher Erfolg gelingt, ist hingegen alles andere als ein Selbstläufer. Schließlich waren die Einschaltquoten in den letzten Jahren rückläufig, vor allem die jungen Zuschauer wollten zuletzt nicht mehr so zahlreich einschalten.


Vielleicht hilft es da ja, dass die ganze Veranstaltung etwas gestrafft wurde: Von 31 Kategorien, in denen der Echo zuletzt verliehen wurde, hat man neun gestrichen. Weg fallen unter anderem die Preise für "Crossover", "Musik-DVD/Blu-ray national" sowie "Live-Act national" - in allen drei Kategorien hatte zuletzt Helene Fischer abgeräumt, in diesem Jahr ist die Sängerin hingegen kein einziges Mal nominiert.


Zur Einstimmung auf die Verleihung zeigt VOX bereits am Samstag, 1. April, 20.15 Uhr, die vierstündige XXL-Dokumentation "25 Jahre Echo". Der Film blickt zurück auf ein Vierteljahrhundert Echo-Geschichte und lässt Künstler wie Udo Lindenberg, Campino, Andreas Gabalier, Thomas D., Xavier Naidoo, Sasha, Silbermond, Christina Stürmer und Adel Tawil zu Wort kommen.


Sven Hauberg
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