Fleisch ist (k)ein Gemüse

Das kabel-eins-Magazin "Abenteuer Leben am Sonntag" erforscht "Das Essen der Zukunft" (02.04., 22.05 Uhr)

Diese Vorhersagen klingen nicht wirklich vielversprechend. Nach aktuellen Schätzungen werden im Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Das Problem: Um dann alle einigermaßen ernähren zu können, müssten doppelt so viele Nahrungsmittel produziert werden wie heute. Allerdings geht zur Nahrungsmittelproduktion schon jetzt der Platz zur Neige. Auch eine moderne hochtechnisierte Landwirtschaft befindet sich inzwischen an den Grenzen vorhandener Kapazitäten und Ressourcen. Karge Aussichten also! Und doch bietet sich dieser Tage ein weites Feld für Pioniere. Food-Start-ups arbeiten an völlig neuen Produkten und vor allem digitalen Möglichkeiten, eine drohende Lebensmittelkrise zu meistern. Sie sind angesiedelt im Silicon Valley. Lars Aßmann hat im Rahmen des kabel-eins-Magazins "Abenteuer Leben am Sonntag" (02.04., 22.05 Uhr) die spannendsten Projekte der Food-Visionäre besucht.

Rory Aronson ist eigentlich Ingenieur. Wie Massen von Menschen ernährt werden können, hatte ihn nie besonders interessiert. Lieber verbrachte er seine freie Zeit wie so viele andere am Computer. "FarmVille", dieses Browsergame, in dem es darum geht, einen virtuellen Bauernhof aufzubauen und zu betreiben, hatte ihn fasziniert. Und genau dabei kam ihm eine Idee: Warum nicht auch in der Wirklichkeit kleine Parzellen genau so beackern und bewässern wie im Spiel? Das Konzept für einen Gemüsebeet-Roboter war geboren.

"Wir müssen unsere vorhandenen Flächen effizienter nutzen", sagt der US-Amerikaner. Im Garten seines einfachen Hauses im Silicon Valley erledigt das nun Aronsons "FarmBot". Der Ingenieur hat den seltsam surrenden Roboter so entwickelt, dass Sensoren ein Beet von 18 Quadratmetern Größe ständig unter Kontrolle halten. Gemüse, das ausreicht, eine vierköpfige Familie zu ernähren, soll dort möglichst rasch und reichhaltig wachsen. Damit dies gelingt, gibt der Roboter eine immer genau dosierte Menge an Wasser auf einen Setzling. Oder er zupft selbstständig Unkraut. Betrieben wird er völlig autark. Solarpanels und gesammeltes Regenwasser in einer Tonne reichen aus. Aronson verkauft seinen Roboter inzwischen. Die Kosten: etwas mehr als 2.000 Euro. Um den "FarmBot" hat sich eine echte Fan-Community entwickelt.


Aronson ist nur einer der Pioniere, die Reporter Aßmann auf seinem spannenden Food-Trip durch das Silicon Valley besucht. Er selbst sagt, er sei ein leidenschaftlicher Fleischesser. Nur aber verschlingt gerade die Produktion von Fleisch weltweit die größten Ressourcen. 25 Prozent des Trinkwassers gehen dafür drauf, allein die Tierzucht belegt 30 Prozent der Nutzflächen. Dabei sind Tiere eigentlich furchtbar ineffizient. Hühner setzen nur zwölf Prozent des Futters, das man ihnen gibt, in Fleisch um. Bei Schweinen sind es zehn, bei Rindern traurige drei Prozent. Kurzum: Rund 97 Prozent eines zuvor angebauten und schließlich an die Tiere verfütterten Getreides gehen verloren.


Genau diese Minusrechnung will Impossible Foods durchbrechen. Bill Gates hat in das Start-up investiert. Auch mit dem Geld des Microsoft-Gründers soll es gelingen, "Fleisch" im Labor nur aus Getreide herzustellen. Die Voraussetzung: Es soll aussehen, riechen und schmecken wie Fleisch. Inzwischen sind die Forscher einer Lösung sehr nahegekommen, wie Aßmann nach einem Biss in einen zumindest saftig aussehenden Burger bestätigt.


Der Clou besteht in einer Getreidemischung, Kartoffeln, Kokosnussöl und einer roten Substanz. In ihr steckt womöglich das Geheimnis für die Produktion eines rein pflanzlichen Burgers, der keinen Unterschied mehr zu einem echten macht. Die Lösung: Hämoglobin! Dieser eisenhaltige Proteinkomplex, der in den roten Blutkörperchen der Wirbeltiere Sauerstoff bindet, soll für den unverwechselbaren Fleischgeschmack sorgen. Impossible Foods steht nun "nur" noch vor der Aufgabe, vermeintliches Blut aus Pflanzen zu züchten. Erste Testreihen stimmen die Forscher bereits sehr hoffnungsvoll.


Andreas Schöttl
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