Mit den "Cops" auf Klassenfahrt

Warum die "Rosenheim-Cops" in Österreich drehen: Ein Besuch am Filmset des 90-minütigen "Winterspecials"

Wenn am Filmset Jubelstimmung ausbricht, sagt das viel über die Chemie eines Ensembles aus: Als Max Müller von der Nominierung für den österreichischen Filmpreis "Romy" erfährt, ist dies nicht nur für den gebürtigen Klagenfurter ein besonderer Moment, sondern auch für die gesamten "Rosenheim-Cops". Obwohl die Bayern schon 15 Jahre lang im TV ermitteln und durchschnittlich fünf Millionen Menschen die ZDF-Dauerbrenner-Serie dienstags, 19.25 Uhr, einschalten, gab es bisher weder Nominierungen noch Auszeichnungen. Warum nun ausgerechnet Urgestein Max Müller für die Kategorie "Beliebtester Schauspieler" (Serie) ausgewählt wurde, wird schnell klar, wenn man ihn in seiner Rolle als Michi Mohr bei der Arbeit am Set beobachtet. Im Salzburgerland, wo gerade der dritte 90-Minüter der "Rosenheim-Cops" entsteht, ist der 52-Jährige der Garant für gute Laune. Es geht beinahe zu, wie auf einem Pausenhof: Immer wenn das Lachen im Hintergrund lauter wird, ruft die Producerin, ohne hinzusehen: "Max!" - und schon herrscht wieder Ruhe. Man kennt sich nach so vielen Jahren gut.

Es sieht Mitte März fast schon trist aus, in Sankt Johann im Pongau in Österreich, denn die Wiesen sind grau-braun, mitgenommen vom Winter und der Schneedecke. Diese schmilzt gerade und macht aus der Landschaft ein Flickenteppich. Doch wenn die Sonne rauskommt, dann strahlen die felsigen Gipfel, auf die man einen fantastischen Blick hat, hoch oben im "Hotel Bergkamm". Das ist natürlich nicht der echte Name des Hauses, das in der Serie im Raum Rosenheim angesiedelt sein wird. Alle Schilder über dem Säulengang, der zum Eingang führt, wurden ausgetauscht. Produzent Alexander Ollig von der Bavaria Film ist zufrieden mit der Arbeit.

Die passende Location zu finden, war nicht einfach. Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf das österreichische Skigebiet. "Im Film ist es glaubwürdig, dass sowohl das Hotel als auch die Landschaft in Rosenheim sind", meint Ollig. In der oberbayerischen Heimat haben Schnee und Skipiste gefehlt, immerhin wird hier ein "Winterspecial" gedreht. Man wollte ein großes, majestätisches Hotel, direkt an der Piste, das gibt es in Rosenheim eben nicht. Das Panorama in Österreich verspricht tolle Landschaftsaufnahmen - ein beim Publikum beliebtes Markenzeichen der Serie.


Auf der sonnigen Terrasse tummeln sich nun beim Settermin mit Journalisten fröhlich schwatzende Schauspieler, sodass man fast den Eindruck hat, sie verbringen hier ihren Urlaub. Immer wieder erzählen sie, der Dreh fühle sich an wie eine Klassenfahrt. Über zwei Wochen lang drehen die "Cops" gemeinsam in Österreich. Der 90-Minüter ist eine willkommene Abwechslung, obwohl das Format sich auch in der Langversion treu bleibt. Auf Actionszenen, persönliche Krisen oder dramatische Rollenentwicklungen wird verzichtet. Der Zuschauer soll sich keine Sorgen machen müssen, sondern unterhalten werden - und das so, wie er es erwartet. "Wir geben den Menschen die Garantie, sich die Charaktere, die sie lieben, immer gleich ins Wohnzimmer zu holen", verdeutlicht Ollig.


Auch die Ermittler bleiben ihrem Stil treu. Igor Jeftic, der seit 2009 den Kommissar Sven Hansen verkörpert, verrät: "Wir widmen uns mit dem nötigen Ernst dem Fall, aber zwischen Joseph und mir gibt es den gewöhnlichen lustigen Schlagabtausch." Der Wahlmünchner ist zum ersten Mal bei einem "Rosenheim-Cops"-90-Minüter an Bord und genießt seinen drehfreien Tag. Für besagten Kollegen Joseph Hannesschläger ist es nach 2003 und 2005 schon das dritte Winterspecial. Er ist, genau wie Max Müller, seit Beginn an dabei - und das mit ganzem Herzen: "Es hat nie aufgehört, Spaß zu machen", schmunzelt der gemütliche Bayer, der den Kommissar Korbinian Hofer spielt.


Dieses besondere Verwachsen-Sein mit Rolle und Serie, das scheint auf viele der Schauspieler zuzutreffen, denn man spürt hier vor Ort, mit welchem Elan sie arbeiten - trotz der langen Zeit, die manche schon dabei sind. Sie sind stolz auf ihr "Produkt". "Es darf nie Routine werden", verrät Max Müller sein Credo, um sich die Rolle interessant und spannend zu halten.


Marisa Burger, die als Miriam Stockl seit 2002 regelmäßig zu Beginn einer Folge verkündet: "Es gabat a Leich!", darf sich ganz besonders auf den Film freuen. Das Drehbuch, das den Arbeitstitel "Tödliche Juwelen" trägt, steht unter ihrem Stern, verrät Autorin Julie Fellmann: Die Sekretärin verliebt sich! Verstärkt werden die "Rosenheim-Cops" in diesem Fall von Isabel Mergl, die als Ehefrau Hilde an Anton Stadlers Seite, gespielt von Dieter Fischer, tritt. Auf prominente Gaststars wird verzichtet. "Sie werden als Person verstanden, nicht als Figur", erklärt Ollig. Auch hier setzt das Format auf erprobte Strategien.


Es wird ein anstrengendes Jahr für die "Rosenheim-Cops", immerhin müssen auch noch 27 Folgen gedreht werden, für den "Alltag". Trotzdem scheinen weitere 90-Minüter durchaus denkbar zu sein. Joseph Hannesschläger formuliert es in seiner sympathisch urigen Art so: "Verkehrt wäre es nicht!"


Aber jetzt warten erst einmal andere Aufgaben, und im kurzerhand nach Österreich versetzten "Rosenheim-Cops"-Universum herrscht noch eine Weile angenehmer Ausnahmezustand. Statt der idyllischen Sommerkulisse stapfen Max Müller und Dieter Fischer mit Spikes an den Schuhen und dick eingepackt am Rand einer Skipiste entlang. Im Hintergrund ist das Kratzen der Skier auf dem Schnee und das Surren der Gondeln zu hören - Wintersport-Atmospähre: check!


Während sich Regisseur Jörg Schneider eine Szene anschaut und die Kameras umbauen lässt, fängt Max Müller wieder einmal an, seine Kollegen zum Lachen zu bringen. Man fühlt sich am Set fast ein wenig, als wäre man wirklich mittendrin in einem Fall der "Rosenheim-Cops": Der Mord und die Ermittlungen werden hier schon mal für einen Scherz beiseitegeschoben.


Bis zum Winter müssen die Fans voraussichtlich auf den 90-Minüter warten. Die aktuellen Folgen der 16. Staffel laufen noch bis Dienstag, 11. April, wie gewohnt um 19.25 Uhr im ZDF. Dieses Jahr ist für die Cops nicht nur wegen des Langfilms ein besonderes, sondern auch Max Müllers "Romy"-Nominierung könnte ein Meilenstein werden. Bis zum 7. April ist es Anhängern der "Rosenheim-Cops" und Fans von Max Müller möglich, auf kurier.at für den sympathischen Polizisten abzustimmen. Vielleicht darf er am Samstag, 22. April (Übertragung auf ORF 2 ab 21.10 Uhr), als erster Rosenheimer "Cop" einen Filmpreis in Empfang nehmen. Verdient wäre die Auszeichnung nach so vielen Jahren allemal.


Anke Waschneck
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