Von Wagner bis Winehouse

Cool und bunt: Sky Arts HD startet mit einer Programmoffensive und mit John Malkovich ins Frühjahr

"Man fängt bei Bayreuth an und landet irgendwann auf der Straße", lacht der Sky Moderator Axel Brüggemann. Und er hat ja recht: Für Sky Arts HD besuchte Brüggemann bereits die Wagner Festspiele, doch jetzt hat er eine neue Mission - und mit ihm der Sender: dem kreativen Schaffen noch näher sein. Für die Themenwoche "Streetart" geht es in Hinterhöfe und eben auf die Straßen. Brüggemann führt über acht Folgen durch das Format "Art in the City" und taucht zusammen mit Streetart-Künstlern in die Szene abseits von Galerien und Ausstellungen ein. "Was im Museum ist, ist schon domestiziert", findet der Kunstfan. In Städten wie München, Wien, Berlin, Basel und Dresden lernt er Sprayer kennen und legt sogar mal selbst Hand an. Hier soll Kunst echt, authentisch und greifbar sein, erklärten die Verantwortlichen des Senders am Mittwochabend in München. Vor Journalisten rührten sie die Trommel für eine Programmoffensive, die mit viel Originalität und Coolness vor allem auf ein jüngeres Publikum zielt und mit John Malkovich (63) einen echten Superstar aufbietet.

"Art in the City" steht dabei exemplarisch für den Anspruch, den Sky Arts HD hat: Man möchte unterschiedliche Zugänge zur Kunst ermöglichen, zum "kreativen Schaffen", wie Vice President der Entertainment Channels von Sky Deutschland, Christian Asanger, es formuliert. Axel Brüggemann ergänzt: "Das Fernsehen weiß, dass die Sendeplätze für Kultur heilig sind, also muss die Kultur immer toll sein." Doch das gelte so nicht für den Arts-Channel, der es bewusst anders machen wolle: Kunst ist sreitbar, lautet hier das Motto.

Umso interessanter ist das bunte Programm, das mit "Art in the City" (ab Montag, 17. April, 20.15 Uhr) die Themenwoche zur Streetart Kunst einläutet. Mit Sendungen wie "Magic City - Die Kunst der Straße", einer Dokumentation aus dem Jahr 2016 (Montag, 17. April, 21.15 Uhr), oder auch der Erstausstrahlung der zweiten Staffel "Underground Art" (Montag, 17. April, 20.45 Uhr) kehrt der Sender klassischen Kunstwerken den Rücken und begiebt sich auf ein bisher wenig beachtetes Terrain. Die Arbeit von Sprayern wie Niels Meulman, der wegen des Besprühens von Zügen sogar schon ins Gefängnis musste, findet nicht nur in der Ausstellung "Magic City" in München Beachtung, sondern nun auch im TV.


Etwas stutzig wird man dann allerdings schon, wenn zwischen Straßengemälden und Kunstdisskussion der Name John Malkovich im Programm auftaucht. Einen amerikanisch produzierten Blockbuster mit dem Schauspielstar hat Sky Arts HD natürlich nicht im Programm, sondern die Premiere der Aufführung des Musiktheaterstücks "Just Call Me God" (Sonntag, 30. April, 20.15 Uhr), die aber mindestens ebenso packend ist. Der Weltstar entwickelte die Roadshow zusammen mit Martin Haselböck und Michael Sturminger und präsentierte sie erstmals Anfang März in der ausverkauften Elbphilharmonie. Ein Werk und eine Location, die den Puls der Zeit treffen, findet man nicht nur bei Sky Arts HD. Nachdem mit den Bayreuther Festspielen schon einmal das ganz große Theater im Fokus stand, ist Asanger stolz, den Fernsehzuschauern nun noch einmal eine hochkarätige Welturaufführung bieten zu können.


Obwohl Kunst allzu oft eine ernste Sache ist - wie man auch an dem Stück "Just Call Me God" sieht -, zeigt der Sender auch eine spaßige Seite davon. "Mix up Art" (Samstag, 22. April, 13.15 Uhr) soll den Zuschauer mit dem kreativen Schaffen unterhalten. In den acht Folgen treffen jeweils ein Künstler und ein Boulevard-Promi aufeinander. Zusammen erschaffen sie innerhalb von 48 Stunden ein Kunstwerk. Das birgt Konfliktpotenzial, genau wie es Sky gerne haben möchte, sorgt aber auch für Überraschungen. So kommt Künstler Ralf Metzenmacher kaum mehr aus dem Schwärmen heraus. Grund dafür ist sein Treffen mit Country-Legende Gunter Gabriel.


"Von Wagner bis Winehouse", diese Satz fällt während der Programmpräsentation in München, und er scheint das ungeschriebene Motto des Senders zu sein: Die neuen Formate sollen den Fokus auf Vielfalt legen und dem jungen, attraktiven Anspruch von Sky Arts HD gerecht werden. Die Programmdirektion rüttelt mit kreativen Ideen ein wenig an dem hohen Sockel, auf dem die Kunst im TV-Programm auch heute noch steht, und das kann bestimmt nicht schaden.


Anke Waschneck
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