Amerikas finstere Seele

Ein blutiger, surrealer Bilderrausch: Die Amazon-Serie "American Gods" entführt den Zuschauer in bizarre Welten

Blut. Ströme von Blut. Umherspritzendes Blut. Dazu bärtige Männer, die aufeinander einhacken, sich verstümmeln und zerquetschen. Ja, die Amazon-Serie "American Gods" (2016), deren erste Staffel ab 1. Mai abrufbar ist und acht rund einstündige Episoden umfasst, zeigt dem Zuschauer bereits in der Anfangssequenz, woran er ist. Geschichte ist nichts für Weicheier, Geschichte ist brutal. Gleichzeitig muss man zugeben: Selten sah Gewalt so stylisch aus. Eigentlich geht es in der Serienadaption von Neil Gaimans Roman aber um sehr viel mehr als um pure Gewalt. Es geht um Götter, um Menschen, um Einwanderer, um den Glauben und um nichts weniger als die Seele Amerikas.

Jahrhunderte, nachdem sich Wikinger an irgendeinem Strand Nordamerikas gegenseitig abschlachteten, um ihrem Gott des Krieges zu huldigen, muss ein Mann namens Shadow Moon (Ricky Whittle) eine Entscheidung treffen. Shadow war drei Jahre im Knast und wurde nun frühzeitig entlassen, da seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kann. Er tut, was er kann, um noch rechtzeitig zur Beerdigung zu kommen.

Unterwegs trifft der Ex-Knacki einen Mann, der sich selbst als Mr. Wednesday (Ian McShane) vorstellt und ihm einen Job anbietet. Auf einem verrückten Roadtrip quer durch Amerika muss Shadow bald feststellen, dass die Welt an der Seite von Mr. Wednesday eine andere ist, als er sie bisher kannte. Götter sind keine Erfindung von Spinnern und Esoterikern: Sie sind lebendig. Und manch einer von ihnen möchte Krieg und Vergeltung dafür, dass die Menschen den Medien, der Technik, dem Konsum und dem Geld inzwischen mehr huldigen als ihnen.


Wo liegen die Wurzeln Amerikas? Und vor allem, wo liegen die Wurzeln von Amerikas (Aber)-Glauben? Neil Gaimans Buch erzählt davon, was die Menschen in die Vereinigten Staaten brachte, welche Götter sie aus ihrer jeweiligen Heimat anschleppten und wie sie das Land mit der Zeit nachhaltig veränderten. Um die Vielfältigkeit der Geschichten angemessen zu würdigen, haben die Showrunner Bryan Fuller ("Hannibal") und Michael Green ("Heroes") ein Meisterwerk in Serienform geschaffen, das den Zuschauer mit beeindruckenden Bildern, einer großartigen Besetzung und pointierten Dialogen in seinen Bann zieht.


Die einzelnen Episoden gleichen Kunstwerken, die aus verschiedenen Schnipseln zu einem großen Ganzen zusammengesetzt wurden. Manche Szenen könnten dem Betrachter zu viel werden, er fühlt sich womöglich überfordert von der bizarren Welt, in die ihn die Serie mitnimmt. So bleibt fraglich, ob die Produktion das nächste große Ding am dicht bevölkerten Serien-Himmel wird. Doch eines ist sicher: Vielleicht nicht alle, aber viele werden in nächster Zeit zu den "American Gods" konvertieren.


Amelie Heinz

Trailer

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