Champions League: Ab 2018 nur im Pay-TV

Das ZDF zieht im Bieterwettbewerb den Kürzeren - aber auch Sky-Abonnenten müssen Abstriche machen

Knapp zehn Millionen Zuschauer sahen vor wenigen Wochen das Viertelfinalspiel zwischen Bayern München und Real Madrid. Nichts zieht die Massen im TV so verlässlich an wie der Fußball. Doch damit ist nun Schluss. Die Champions League verschwindet Pressemeldungen zufolge ab der Saison 2018/2019 komplett beim Pay-TV. Bisher übertrug das ZDF pro Spieltag eine Partie im frei empfangbaren Fernsehen. Jetzt ziehen die Öffentlich-Rechtlichen dem Vernehmen nach beim Bieterwettbewerb wohl den Kürzeren. Die Rechte liegen demnach künftig bei Sky und der Streaming-Plattform DAZN. Was bedeutet: Auch Sky-Abonnenten werden deutliche Einbußen hinnehmen müssen.

"Egal. Dann schau ich halt nicht mehr. Handball ist sowieso viel spektakulärer." Viele Fans flüchten sich in Sarkasmus. Doch bei den meisten regiert die Wut. Die Nachricht, dass die Champions League künftig komplett aus dem öffentlich-rechtlichen Programm verschwinden wird, sorgte im Netz für ... vorsichtig ausgedrückt ... Unmut. Beklagt wurde vor allem die zunehmende Kommerzialisierung des Sports. Nicht wenige sagten damit gar den Untergang des Fußballs voraus.

Der "Kicker" meldete es zuerst, die "Bild" legte nach. Rund 600 Millionen Euro werden demnach innerhalb der Jahre zwischen 2018 und 2021 für die Rechte am größten internationalen Vereinswettbewerb auf den Tisch gelegt.


Offen ist derzeit noch, wie genau die Rechte zwischen Sky und DAZN verteilt werden. Mögliches Szenario: Sky überträgt die deutschen Partien oder hat pro Spieltag das Erstwahlrecht für eine gewisse Anzahl von Begegnungen, DAZN zeigt den Rest. Bislang hatte Sky alle Begegnungen ausstrahlen können und zeigte an jedem Spieltag umfangreiche Zusammenfassungen. Nur eine Vorgabe bleibt: Ein Finale mit deutscher Beteiligung müsste frei empfangbar sein. Sky hätte über seinen Kanal Sky Sport News HD dazu die Möglichkeit.


Die Reaktionen der Fans im Netz sind geteilt. Während ein Teil seiner Wut auf das ZDF freien Lauf lässt, zeigt die Mehrheit Verständnis für die Entscheidung aus Mainz, das Angebot nicht in unermessliche Höhen steigen zu lassen. Aber vor allem Sky-Abonnenten, also all jene, die bisher in Sachen Fußball das Komplettpaket aus Champions League und Bundesliga genießen, sehen mit Sorge in die Zukunft. Denn nicht nur die internationale Premiumklasse wird demnächst verknappt, auch die Bundesliga - das ist längst entschieden - wird es nicht mehr in Gänze zu sehen geben. Der Trend zur Zersplitterung setzt sich fort.


Der neue Bundesliga-Vertrag sieht vor, dass Eurosport in seinem Pay-TV-Bereich insgesamt 43 Spiele der 1. Liga live zeigen darf. Dazu gehören alle Spiele am Freitagabend sowie fünf zur neuen Anstoßzeit am Sonntag um 13.30 Uhr und fünf ebenfalls neu eingeführte Montagsspiele um 20.30 Uhr. Die Folge: Wer sich die Möglichkeit erhalten will, alle Partien live zu sehen, muss nicht mehr nur einen Pay-TV-Vertrag abschließen, sondern zwei.


"Schuld" daran ist nicht Sky, sondern das Bundeskartellamt, nach dessen Vorgaben die Pay-Rechte nicht mehr nur an einen Anbieter vergeben werden durften. Pay-TV-Abonnenten, die künftig so viel Fußball haben wollen wie bisher, brauchen nun mit Sky, Eurosport und DAZN gar drei Anbieter. Live-Fußball wird zum Produkt für die Vermögenden und ist mit Blick auf die älteren Zuschauer auch mit gehobenem technischen Aufwand verbunden.


Spannend wird zudem sein, wie Gaststätten und Kneipen mit den neuen Gegebenheiten umgehen. Viele klagten bereits jetzt über hohe Kosten, die ihnen Sky auferlegte. Wer jetzt noch als echte "Fußballkneipe" alles zeigen will, muss tief in die Tasche greifen.


Neu vergeben wird neben der Champions League auch die Europa League, die bislang ebenso bei Sky gezeigt wird. Jedoch besitzt auch Sport1 das Recht, pro Spieltag jeweils eine Partie live zu zeigen. Pressemeldungen zufolge fallen die Rechte ab 2018 hier an Sky und RTL.


Kai-Oliver Derks
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