Brad Pitt in Afghanistan: Mission gescheitert

Warum der Netflix-Film "War Machine" enttäuscht

Eine 60-Millionen-Dollar-Produktion mit Brad Pitt, Ben Kingsley und Tilda Swinton - in früheren Jahren wäre ein solches Projekt nur für die große Leinwand denkbar gewesen. Im Zeitalter der großen Streaming-Anbieter findet man derlei Filme immer öfter exklusiv bei Amazon oder, wie in diesem Fall, bei Netflix. Angelehnt an einen Bestseller von Michael Hastings und inszeniert vom Australier David Michôd, erzählt "War Machine" (2016) von den Bemühungen und vom Scheitern des US-Militärs in Afghanistan. Viel wurde erwartet von dem als Kriegssatire verkauften Abruf-Blockbuster, am Ende ist er kaum der Rede wert.

Weltweit bekannt wurde Netflix vor allem als Schmiede hochqualitativer Serien - "House of Cards", "Orange is the New Black", "Narcos". Vor allem während der letzten zwei Jahre war der Streaming-Dienst aber auch sehr darum bemüht, dem Bereich Film seinen Stempel aufzudrücken. Allein, um für die Oscars nominiert werden zu können, brachte man in den USA eine Handvoll Filme in die Kinos. Zuletzt sorgte Netflix in Cannes für einen kleinen Eklat, weil das Unternehmen sich weigerte, seine dort aufgeführten Filme in französischen Lichtspielhäusern zu zeigen, wie von den Veranstaltern verlangt. Einen ganz großen Wurf wollte man nun mit "War Machine" landen, der fiktionalisierten Adaption eines sehr erfolgreichen nicht-fiktiven Buches.

Der überbordend selbstbewusste Vier-Sterne-General Glen McMahon (Brad Pitt), angelehnt an den realen General Stanley McChrystal, wurde in den Mittleren Osten beordert. Nachdem keiner seiner Vorgänger es schaffte, den Krieg zu gewinnen, soll der Muster-Soldat die Mission Afghanistan zu einem wenigstens halbwegs sauberen Ende bringen. Er weiß auch schon wie. Beim Einschwören seiner Truppe erklärt McMahon: "Wir sind für den Aufbau hier und um die hiesige Bevölkerung zu unterstützen. Zu diesem Zweck müssen wir es vermeiden, sie zu töten".


So viel darf man verraten: McMahon wird es nicht schaffen, in Afghanistan "aufzuräumen". 40.000 zusätzliche Truppen holt er unter großem Aufwand ins Land, um die Afghanen davon zu überzeugen, dass man ihnen ja nur helfen wolle. Doch durch seine Überheblichkeit und die Enthüllungen eines Journalisten des "Rolling Stone" wird der hochdekorierte Kriegsheld McMahon krachend zu Fall gebracht.


Hätte "War Machine", die humoristische Aufarbeitung einer sehr ernsten und noch heute brandaktuellen Thematik, ein guter Film werden können? Vielleicht mit einem anderen, selbstbewussteren Regisseur und einem anderen Hauptdarsteller. Ob es an seinen privaten Problemen mit Angelina Jolie lag oder daran, dass er einfach nicht der Mann für tragikomische Zwischentöne ist: Brad Pitt legt gerade in der ersten Filmhälfte einen haarsträubenden Auftritt hin. Wild grimassierend, mit verstellter Stimme und affig überzeichneter Gestik, macht Pitt aus McMahon eine Karikatur und zieht "War Machine" mit aller Macht ins Lächerliche, wogegen auch Regisseur und Drehbuchautor David Michôd ("Animal Kingdom", "The Rover") machtlos scheint.


Wie sehr Pitt über das Ziel hinausschießt, wird umso deutlicher, weil der Rest des Ensembles es eigentlich ganz gut macht. Ben Kingsley als afghanischer Präsident und Tilda Swinton als deutsche Diplomatin haben jeweils nur kurze Auftritte, die aber doch zeigen, dass sie die Idee hinter "War Machine" verstanden haben. So wie auch die Darsteller von McMahons Truppe, die ehrlich Gutes will, aber immer wieder wie blind gegen eine Wand läuft. Dieser Film wollte gerne einer sein, der mit subtilem Humor die Diskrepanz zwischen dem amerikanischen Selbstverständnis und der Realität draußen in der Welt beschreibt. Aber auch einer, den man ernstnehmen kann. Beides gelingt nur selten.


John Fasnaugh
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