Señorita rockt den Männersender

Mit "Queen of the South" zeigt DMAX erstmals eine fiktionale TV-Serie (Mi., 14.06., 22.15 Uhr)

"Die Gebrauchtwagen Profis", "Storage Hunters UK", "Die Raritäten-Jäger" - so oder so ähnlich liest sich das Programm des Männersenders DMAX nicht nur am Mittwoch, 14. Juni, sondern eigentlich immer. Factual Entertainment heißt das Konzept des Spartenkanals von Discovery Deutschland, Fiction-Formate suchte man hier bisher vergeblich. So staunt man nicht schlecht, wenn man an jenem 14. Juni, im Anschluss an die drei genannten Sendungen, den Titel der amerikanischen Action-Serie "Queen of the South" (22.15 Uhr) im Programmablauf liest. DMAX beschreitet neue Weg und begibt sich in neue Konkurrenz. Bei der Serienpräsentation in München steht neben der Frage "Warum?" noch eine ganz andere im Raum: "Wieso ausgerechnet eine Serie mit einer weiblichen Protagonistin, obwohl doch 70 Prozent des DMAX-Publikums Männer sind?"

Darauf gibt es eine unschwer zu erratende Antwort, doch die guten Aussichten für die Zuschauer sind bei Weitem nicht der einzige Grund für die Auswahl. Christian Schmied, Manager Programming & Channel Development bei Discovery, erklärt, es sei ein "sehr langer Sichtungs- und Entscheidungsprozess" vorausgegangen. Nach der Hälfte der etwa 45-minütigen Pilotfolge wird es langsam klar: Hier steckt noch viel mehr dahinter als das gute Aussehen der Titelheldin.

Nachdem der Zuschauer die Mexikanerin Teresa Mendoza (Alice Braga) kennengelernt hat und ihre Liebesbeziehung zu einem Drogenkurier eingeführt wurde, nimmt die Handlung fahrt auf. Die zierliche Frau bekommt einen Anruf, ihr Mann sei tot, und plötzlich muss sie ihr Leben verteidigen, auf das es einige finstere Kerle abgesehen haben. Sie wird in die dunklen Intrigen der Kartell-Oberhäupter verwickelt und möchte gleichzeitig Rache nehmen. Spätestens als sie während einer Vergewaltigung ihrem Peiniger in den Hals schießt und bei dem Blutbad keine Miene verzieht, versteht auch der Letzte, das hier Action und Spannung pur geliefert werden.


Nach dem Ende der ersten Folge ist es im Münchner Saal bei Discovery still, selbst das Knirschen der Nacho-Chips ist verstummt. Wäre es die heimische Couch und die Serie liefe bei Netflix, müsste man nur zehn Sekunden warten, bis die nächste Folge startet. Das kann Discovery als linear ausstrahlender TV-Sender nicht bieten. Jede Woche gibt es zwei Folgen, die man allerdings später in der Mediathek anschauen kann - ein dosiertes Vergnügen. Vertrauen hat man in der Münchner Zentrale trotzdem in die Serie, immerhin wurden drei Staffeln auf einmal eingekauft. Die zweite, die in den Vereinigten Staaten am 18. Juni auf USA Network startet, wird hierzulande Ende des Jahres anlaufen. Vergleichbare Formate, etwa die erfolgreiche Netflix-Produktion "Narcos" über den Aufstieg und Fall Pablo Escobars, haben bereits gezeigt, dass das Thema Drogenkartell großen Reiz auf die Zuschauer ausüben kann. Bleibt noch die Frage, warum sich DMAX ausgerechnet jetzt dazu entscheidet, eine fiktionale Serie ins Programm aufzunehmen.


"Wir wollen nicht das ganze Konzept des Senders ändern, aber wir wollen uns öffnen", erklärt Christian Schmied. Der Anspruch, man suche etwas "mit Autos, mit Action oder anderen männertauglichen Themen", sei von Anfang an klar gewesen und nun erfüllt. Eine Frau, die sich in einer Männerwelt voller Korruption, Gewalt und dunkler Machenschaften durchschlagen muss, habe perfekt gepasst. Und schmunzelnd gibt Christian Schmied zu, man wolle nicht die Seherschaft von DMAX ändern, aber es wäre ja auch nicht verkehrt, wenn der "ein oder andere Zuschauer die Serie abends mit seiner Freundin anschauen würde".


Anke Waschneck
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