Reich und schön und gähn

Die neue Sky-Serie "Riviera" tritt den Beweis an, dass das Kino noch lange nicht tot ist

Julia Stiles ist eine dieser Schauspielerinnen, die sich gerne in Bilderstrecken zum Thema "Was macht eigentlich ...?" wiederfinden. In den späten 90-ern war die New Yorkerin in Kassenknüllern wie "10 Dinge, die ich an Dir hasse" zu sehen, und auch wenn ihre Filmografie seitdem kontinuierlich gewachsen ist, war die heute 36-Jährige irgendwie in der Versenkung verschwunden. Da kam es einer kleinen Sensation gleich, als der Pay-TV-Anbieter Sky ankündigte, Stiles für die Hauptrolle einer neuen, selbstproduzierten Serie verpflichtet zu haben. Serien sind schließlich das neue Kino, hört man überall. "Riviera", so heißt die Serie, startet am 16. Juni, 20.15 Uhr, bei Sky Atlantic HD, und nach den ersten Folgen muss man konstatieren, dass sich Stiles nicht wirklich einen Gefallen getan hat. Immerhin stimmen die Schauwerte: "Riviera" spielt in einer Welt, in der alle so aussehen, als seien sie der neuesten Ausgabe der "Vogue" entsprungen.

Es sei einmal dahingestellt, ob Stiles jemals eine gute Schauspielerin war. Wenn ja, dann bietet ihr "Riviera" nicht die Chance, das zu beweisen. Stiles spielt die Milliardärsgattin Georgina Clios und darf in dieser Rolle vor allem träumerisch aus der (ziemlich teuren) Wäsche gucken. Mit müdem, dennoch stets leicht angestrengtem Blick wandelt sie durch ihr Anwesen im Süden Frankreichs, für das die Bezeichnung Villa eine Untertreibung wäre. Es ist ein wahrer Palast, in den sie für ihren Gatten Constantine (Anthony LaPaglia) gezogen ist. Der Vergleich mit dem sprichwörtlichen goldenen Käfig liegt da nahe, zumal Georgina nur Constantines zweite Frau ist und dessen Ex (Lena Olin) samt ihren drei Kindern (Dimitri Leonidas, Iwan Rheon, Roxane Duran) sie stets umflattert.

Schön sind sie alle hier, und nur die Autos sind noch teurer als die Maßanzüge, die man auch in der größten Mittagshitze trägt. Wenn das Klischee stimmt, dass Reichtum oftmals mit einer gewissen Leere einhergeht - hier wird es bestätigt. Ein jeder blickt bedeutungsschwanger wahlweise in die Ferne oder auf teure Gemälde, hat aber eigentlich nichts zu sagen.


Serielles Erzählen, heißt es immer, biete den Autoren die Möglichkeit, ihre Figuren über viele Stunden entwickeln zu können. Im Falle von "Riviera" wird das allerdings sehr schnell sehr langweilig. Zwar nimmt "Riviera" schon bald eine Wendung - Constantine kommt ums Leben, als eine Jacht in die Luft gesprengt wird -, Spannung mag aber dennoch nicht aufkommen.


Nach dem ersten Schock macht sich Witwe Georgina daran, die Hintergründe des Todes ihres Mannes aufzuklären, spaziert traumwandlerisch durch Cannes und Nizza und trifft allerlei seltsame Gestalten, die mal über den erhitzten Kunstmarkt sinnieren, dann wieder zur Waffe greifen. Constantine nämlich war nicht nur Kunsthändler, sondern hatte auch ordentlich Dreck am Stecken. Von seinem Sohn Christos kommt einmal der schöne, aber doch sehr hohle Satz, so reich wie seine Familie werde man eben nicht auf legalem Wege. Stiefmutter Georgina nimmt's mit einer seltsamen Mischung aus Schock und Gleichgültigkeit hin. Klar, "Riviera" will unter die schillernde Oberfläche der Reichen und Schönen blicken, entdeckt dabei aber nur noch mehr Funkeln und nur wenig Tiefe.


Ersonnen hat sich diese müde Glitzerwelt ausgerechnet Paul McGuinness, 34 Jahre lang Manager der irischen Band U2. Man fragt sich bisweilen schon, wo all der Rock'n'Roll hin ist, den McGuinness einst im Blut gehabt haben muss. Vielleicht ging er verloren, als er seine Idee von den intriganten Reichen an Oscar-Preisträger Neil Jordan ("The Crying Game") übertrug, der die Drehbücher verantwortet. Vielleicht liegt es auch an den Bildern von Regisseur Philipp Kadelbach ("Unsere Mütter, unsere Väter"), die glitzern und glänzen und sonnendurchflutet sind, aber gleichzeitig so steril sind wie ein Operationssaal. Aber egal: "Riviera" tritt den Beweis an, dass manche Geschichten lieber in 90 Minuten erzählt wären als in zehn Serienepisoden. Und das ist in einer Zeit, da manch einer schon den Untergang des Kinos beschwört, eigentlich eine gute Nachricht.


Sven Hauberg
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