"Respektvoller Umgang mit Themen und Menschen"

"hallo deutschland" feiert sein 20-jähriges Bestehen (Freitag, 16. Juni, 17.10 Uhr, ZDF)

Dass sich das Fernsehen in den 1990er-Jahren nachhaltig veränderte, merkt man auch daran, dass derzeit viele Sendungen ihren 20. oder auch 25. Geburtstag feiern. "Explosiv - das Magazin" (RTL) ging im Mai 1992 zum ersten Mal auf Sendung, das RTL-Magazin "Punkt 12" zelebrierte Anfang Juni sein 25-jähriges Dasein, und auch die Öffentlich-Rechtlichen lassen sich im Boulevardgeschäft nicht lumpen. "hallo deutschland" feiert am Freitag, 16. Juni, 17.10 Uhr, ZDF, sein 20-jähriges Bestehen. Manche Fachleute behaupten gar, dass neben dem Musikfernsehen mit seinen bunten Farben und schnellen Schnitten Boulevardmagazine die Fernsehästhetik der letzten Jahrzehnte mit am nachhaltigsten geprägt hätten.

Moderator der ersten "hallo Deutschland"-Stunden (damals war das "D" noch groß) war kein Geringerer als Steffen Seibert. Er präsentierte das ZDF-Boulevardmagazin drei Wochen im Monat. Die vierte Woche der Sendung, die sich zunächst als Nachfolgeformat des "ZDF-abendmagazins" verstand, übernahm seine Kollegin Marina Ruperti. Seither ist viel passiert. Seibert ist kein Journalist mehr, sondern befindet sich sozusagen auf der anderen Seite. Der 57-Jährige ist seit sieben Jahren Sprecher der Bundesregierung, und "hallo deutschland" wird inzwischen von zwei attraktiven Damen im Wechsel moderiert. Sandra Maria Gronewald (seit 2011) und Lissy Ishag (seit 2013) werden es auch sein, die zum 20. Geburtstag "neben aktuellen Berichten auch unterhaltsame Geschichten aus zwei Jahrzehnten und ein Wiedersehen mit alten Bekannten" präsentieren, wie es das ZDF so schön ausdrückt. Doch was ist sonst in zwei Jahrzehnten so passiert?

Da könnte man wohl zuerst bei Außenreporter Achim Winter ansetzen: Er massierte schon Heidi Klums Füße und war mit Ex-Pornodarstellerin Gina Wild, heute als Michaela Schaffrath bekannt, in der Sauna. Aber eigentlich war die Sendung immer ganz nah dran am Geschehen. Immerhin konnte schon ein bewaffneter Serienbankräuber mit großem "hallo deutschland"-Einsatz gefasst werden, und das ZDF schickte Flirtwillige ins Flirtcamp nach Mallorca. "ZDF on tour" reiste im Rahmen von "hallo deutschland" nach der Wiedervereinigung nach Ostdeutschland, um die Menschen und die Gegebenheiten vor Ort besser kennenzulernen, die Reichen und Schönen wurden in St. Moritz besucht, und - wie es sich für jede halbwegs ernstzunehmende Sendung im deutschen Fernsehen gehört - hin und wieder wurden auch ein paar Menschen umgestylt.


Doch man ist ja bei den Öffentlich-Rechtlichen. Das heißt, es wird unterhalten, aber bitte immer oberhalb der Gürtellinie, wie auch Moderatorin Sandra Maria Gronewald betont: "Wir wollen keinen Trash zeigen, keinen Boulevard machen, der andere vorführt oder auslacht. Respektvoller Umgang mit den Themen und Menschen - das soll so bleiben." Genauso seriös gibt sich Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur: "Das Magazin bietet Themen, die die Menschen angehen und sie emotional berühren - von der Berichterstattung über Kriminalitäts- und Unfälle bis hin zu positiven Lebensgeschichten, von witzigen Alltagserkundungen bis hin zu bunten Soft-News." Für Redaktionsleiterin Swea Schilling ist auch klar, warum das Format etwas Besonderes ist: "Wir möchten nah am Menschen sein. 'hallo deutschland' will das Leben in all seinen Farben widerspiegeln: Lachen und Weinen, Tragik und Humor, Staunen und Empörung, harte Information und Gossip, grau und bunt - alles liegt dicht beieinander."


Man muss "hallo deutschland" zugestehen, dass sich die Sendung, trotz des im Vergleich zur privaten Konkurrenz mithin etwas biederer anmutenden Auftritts, in den letzten 20 Jahren wirklich zu einer festen Größe im TV-Programm entwickelte. Durchschnittlich 15 Prozent Marktanteil gab es im Jahr 2016 für das Boulevardmagazin. Das ist ein Level, das die Macher der Sendung bestimmt gerne halten würden. Auch in Zeiten von Social Media, wo sich auch Boulevardnews in Windeseile verteilen. Schilling zeigt sich zuversichtlich, dass das klappen wird, obwohl das Netz als weiteres Meinungsforum und Themengeber dazugekommen sei. "Wir versuchen täglich, interessante Inhalte aus unserer Sendung für Social Media aufzubereiten beziehungsweise planen die Clips gleich im Vorfeld", erklärt sie. In Zeiten von Snapchat und Co. wird auch keine ernstzunehmende Sendung im deutschen Fernsehen darum herumkommen. Vom Umgang mit Social Media wird es wohl auch abhängen, ob die Boulevardmagazine auch ihren 40. Geburtstag noch so zuversichtlich feiern können.


Amelie Heinz
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