"Exklusives Angebot für deutlich weniger Zuschauer"

Befürchtungen vieler Fans bestätigen sich: Die Champions League wandert komplett ins Pay-TV

Nun ist es also offiziell: Die Fußball-Champions League wird von der Saison 2018/2019 an nicht mehr im Free-TV zu sehen sein. Wie die UEFA am Dienstag wissen ließ, wandern die Übertragungsrechte ab 2018 exklusiv ins Pay-TV. Deutsche Fans können die Spiele dann entweder bei Sky oder als Stream über die kostenpflichtige Internetplattform DAZN verfolgen. Nach entsprechenden Medienberichten der vergangenen Wochen überrascht die Nachricht zwar niemanden mehr, doch dass unzählige Fußballfans von dieser Zäsur hierzulande geradezu geschockt sind, zeigt sich anhand der teils sehr wütenden Reaktionen in den sozialen Medien.

Es geht schließlich um nichts weniger als um Fußball. Und die Königsklasse zieht die Massen an wie kaum ein anderes in derart hoher Frequenz stattfindendes Sportereignis. Knapp zehn Millionen Zuschauer sahen noch vor wenigen Wochen das Viertelfinalspiel zwischen Bayern München und Real Madrid - im ZDF. Das Champions-League-Finale ohne deutsche Beteiligung begeisterte am 3. Juni im Zweiten immerhin noch 7,83 Millionen Fans (28,7 Prozent Marktanteil) - Real Madrid gewann in Cardiff mit 4:1 gegen Juventus Turin.

Die Königsklasse, sie strahlte auch in der vergangenen Spielzeit heller als alles andere. Ein echtes "Premiumprodukt" nennt man so etwas im Marketingsprech. Die Mainzer halten seit 2012 für sehr viel Geld die Free-TV-Sublizenz, die ihnen an jedem Spieltag die Übertragung einer ausgewählten Partie erlaubt. Doch damit ist nach der kommenden CL-Saison Schluss. In einem mehrwöchigen Bieterwettbewerb zogen die Öffentlich-Rechtlichen nun den Kürzeren.


Auch wenn noch nicht bekannt ist, wie sich Sky und DAZN künftig den Kuchen auf dem deutschsprachigen Markt teilen werden - die Details sollen wohl im Herbst genannt werden -, ist klar, dass bei Sky angesichts des Ausgangs des Rechtepokers Jubelstimmung herrscht: "Wir sind mit dem Ausgang der Rechte-Ausschreibung sehr zufrieden", ließ sich am Dienstag Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung Sky Deutschland, zitieren. "Sky ist und bleibt damit auch in den kommenden vier Jahren die Heimat der UEFA Champions League in Deutschland und Österreich."


Ähnliches ist von James Rushton, Mitglied der Geschäftsführung der Perform Group & CEO von DAZN, zu hören: "Wir sind extrem stolz, die UEFA Champions League ab der Saison 2018/2019 auf DAZN anbieten zu können. Dieses Recht ergänzt unser Live-Angebot an europäischem Spitzenfußball perfekt. Dazu erleben Fans bei DAZN die Premier League, La Liga, Serie A und Ligue 1 live sowie umfassende Highlights aller Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga."


Ganz anders ist die Stimmung beim ZDF, das die Free-TV-Rechte 2012 von SAT.1 übernommen hatte. Intendant Thomas Bellut ließ in einer ersten, auch über Facebook verbreiteten Stellungnahme wissen, dass sein Sender auch über 2018 hinaus gerne Livespiele der Champions League gezeigt hätte. Deshalb habe das ZDF "ein sehr gutes Angebot abgegeben", doch "als beitragsfinanzierter Sender gab es dafür eine klare Obergrenze", erklärte der Intendant weiter.


Für die Fußballfans sei die komplette Verlagerung ins Pay-TV "eine schlechte Nachricht", findet Bellut: "Europäischer Spitzen-Fußball wird zu einem exklusiven Angebot für deutlich weniger Zuschauer als bisher." Das ZDF sei hingegen "auch ohne die Rechte wettbewerbsstark" und habe Alternativen. Anstelle der Übertragungen könnten die Mainzer jetzt außerdem in "andere hochwertige Programmangebote investieren".


Belluts Beitrag entfachte auf Facebook direkt eine heftige Diskussion. Nur zwei Posts, die stellvertretend zum Ausdruck bringen, welche kontroversen Zuschauermeinungen hier aufeinanderprallen: "Wofür zahle ich eigentlich GEZ, wenn ihr das einzig Interessante aus eurem Programm schmeißt?", heißt es hier, während dort gefeiert wird: "Richtige Entscheidung. Zum einen haben viele Menschen sich schon vor Langem ein Pay-TV-Abo zugelegt, um Spitzenfußball und andere Sportarten zu schauen, zum anderen kann das ZDF das Geld nun in öffentlich-rechtliche Inhalte stecken und sollte dies auch dringend tun, um vom Kommerzprogramm wegzukommen, was derzeit den Hauptteil des Programms ausmacht."


Es ist, nüchtern betrachtet, zwar davon auszugehen, dass nun weder der Fußball noch das deutsche Fernsehen untergehen werden. Doch auf längere Sicht dürfte das Produkt Champions League in jedem Fall Schaden nehmen. Denn besteht nicht der Sinn einer solchen Königsklasse vor allem darin, dass sich hier die absoluten Elitekicker endlich einmal vor der größtmöglichen Zuschauermasse präsentieren dürfen? Oder ist es erstrebenswert, vor einer zahlungskräftigen Fan-Elite zu kicken? Feuer frei, die Debatte um die Kommerzialisierung des Fußballs geht hiermit in eine neue Runde.


Dennoch sollte man den Ball, um im Jargon zu bleiben, flach halten. Die Rechtevergabe ist nicht für alle Ewigkeit, der Deal gilt bis 2020/2021. Außerdem bleibt zumindest ein Trostpflaster: Ein Finale mit deutscher Beteiligung muss frei empfangbar sein - das ist die Vorgabe. Sky hätte über seinen Kanal Sky Sport News HD dazu die Möglichkeit.


Die eigentliche Sorge der Fans geht denn auch über das Thema Champions League hinaus. Denn nicht nur die internationale Premiumklasse wird demnächst verknappt, auch die Bundesliga - das ist längst entschieden - wird es selbst für Sky-Abonnenten nicht mehr in Gänze zu sehen geben. Der Trend zur Zersplitterung setzt sich fort. Für den Fan wird alles immer unübersichtlicher und auch teurer. Der neue Bundesliga-Vertrag sieht vor, dass Eurosport in seinem Pay-TV-Bereich insgesamt 43 Spiele der Bundesliga live zeigen darf. Dazu gehören alle Spiele am Freitagabend sowie fünf zur neuen Anstoßzeit am Sonntag um 13.30 Uhr und fünf ebenfalls neu eingeführte Montagsspiele um 20.30 Uhr. Die Folge: Wer sich die Möglichkeit erhalten will, alle Partien live zu sehen, muss nicht mehr nur einen Pay-TV-Vertrag abschließen, sondern zwei.


"Schuld" daran ist nicht Sky, sondern das Bundeskartellamt, nach dessen Vorgaben die Pay-Rechte nicht mehr nur an einen Anbieter vergeben werden durften. Pay-TV-Abonnenten, die künftig so viel Fußball haben wollen wie bisher, brauchen nun mit Sky, Eurosport und DAZN gar drei Anbieter. Live-Fußball wird zum Produkt für die Vermögenden und ist mit Blick auf die älteren Zuschauer auch mit gehobenem technischen Aufwand verbunden. Spannend wird zudem sein, wie Gaststätten und Kneipen mit den neuen Gegebenheiten umgehen. Viele klagten bereits jetzt über hohe Kosten, die ihnen Sky auferlegte. Wer jetzt noch als echte "Fußballkneipe" alles zeigen will, muss tief in die Tasche greifen.


Frank Rauscher
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