Guck mal, wer da kuschelt!

Die "Lindenstraße" verabschiedet sich am 9. Juli mit einem Paukenschlag in die erste Sommerpause seit Produktionsbeginn und will mit Wucht zurückkommen

Unter den Fans der langlebigsten deutschen Fernsehserie wurde die Nachricht mit Argwohn aufgenommen, manche fragten sich: Ist das der Anfang vom Ende der "Lindenstraße"? Wird der chronisch quotenschwache Dauerbrenner jetzt endgültig kaputt gespart? Aber laut WDR besteht kein Anlass zur Sorge - nur, weil jetzt die traditionsreiche "Lindenstraße" erstmals in ihrer langen Geschichte in eine Sommerpause geht ... Fakt ist: Mutter Beimer und Co. haben nach der Episode vom 9. Juli fünf Wochen lang Sendepause - am Sonntag, 20. August, soll es dann auf jeden Fall weitergehen. Aber nicht einfach so, sondern mit Karacho und einer der außergewöhnlichsten Folgen aller Zeiten, versichern die Verantwortlichen. Die Fans werden zudem mit einem Cliffhanger der besonderen Art in die Ferien geschickt: Am kommenden Sonntag herrscht Kuschelalarm im Hause Beimer! In der Ankündigung der Folge wird schon mal kess die Frage aller Fragen aufgeworfen: Hat sich Helga (Marie-Luise Marjan) etwa wieder in ihren Hans (Joachim H. Luger) verliebt?

Nur um die Dimension zu klären: Wenn es so wäre, wenn sich die Beimers wiederfänden, dann wäre diese Reunion in Köln, wo die "Lindenstraße" seit jeher produziert wird, mindestens so epochal, wie eine Rückkehr von "Prinz Poldi" Lukas Podolski zum "Effzeh".

In den 80er-Jahren war die Causa Beimer jedenfalls eine ganz große Nummer, der "Lindenstraßen"-Skandal schlechthin: Hans "Hansemann" (Joachim Hermann Luger) trennte sich von seiner Ehefrau und Mutter seiner drei Kinder, Helga (Marie-Luise Marjan). Am 30. Januar 1992 heiratete er sein "Verhältnis" - die um einiges jüngere Anna Ziegler (Irene Fischer). Helga kam in all den Jahren eher schlecht als recht über das neue Glück ihres einstigen Mustergatten hinweg. Dennoch verband die beiden etwas ganz Besonderes: eine unzerstörbare Freundschaft.


Und jetzt das! - "Plötzlich sind sie wieder 'Taube' und 'Hansemann", lässt die Produktion vorab durchsickern, und es werden Details verraten: "Helga und Hans verbringen einen fröhlichen Tag zusammen. Er fordert sie sogar spontan zu einem Tänzchen auf. Sie lachen und liegen sich in den Armen. Ganz wie früher. Besonders Helga scheint die Situation zu genießen." Was es damit auf sich hat und was daraus womöglich noch wird? Am 9. Juli einschalten - und dann geduldig bis Ende August abwarten. Denn die "Lindenstraße" verabschiedet sich mit der 1.637. Folge, die den schönen Titel "Eins, zwei, cha cha cha" trägt, erst mal vom Bildschirm.


In der Zwischenzeit arbeite das Team "im Hintergrund an einer ganz außergewöhnlichen Folge, mit der die Serie am 20. August zurückkehrt". Die Macher erklären: "Statt der gewohnten Drei-Stränge-Struktur wird es in der Folge mit dem Titel 'Engelchen flieg' nur einen intensiv erzählten Strang um die Familie Sperling geben, der das Geschehen der vergangenen fünf Wochen erzählt." Und der verspricht Dramatik pur: Es komme zu einem Showdown zwischen den langjährigen Kontrahenten Momo (Moritz Zielke) und dem reaktivierten Bösewicht Robert Engel (Martin Armknecht). Man wisse dabei kaum noch, "wer hier eigentlich der Fiesling ist". Das Duell zwischen Momo und Robert spitzt sich bereits in der Folge am 9. Juli zu: Momo, heißt es, will seinen Widersacher außer Gefecht setzen und habe einen verwegenen Plan entwickelt, um gleichzeitig seine eigene Unschuld zu beweisen. "Noch ahnt Momo allerdings nicht, welche folgenschweren Ereignisse er damit in Gang setzt", wird das Geschehen bedeutungsschwanger angekündigt.


Ein Großteil der erzählten Geschichte spiele in Originalmotiven außerhalb der "Lindenstraße"-Kulisse, was der Folge einen ganz eigenen filmischen Look verleihen werde, so der WDR. "Engelchen flieg" wurde von Dominikus Probst nach einem Drehbuch von Catrin Lüth inszeniert. Produzentin Hana Geißendörfer, die die Geschichte der Serie nun als Nachfolgerin ihres Vater Hans. W. Geißendörfer leitet, ist schon jetzt mächtig stolz: "Eine Folge der Kultserie wie einen Spielfilm zu erzählen, ist eine schöne Gelegenheit, die 'Lindenstraße' in einem anderen Licht zu präsentieren. Ich finde es spannend, immer wieder Neues auszuprobieren, ohne uns und unserem bewährten Konzept dabei untreu zu werden."


Keine Frage, dass bei diesen Worten auch viel Zweckoptimismus mitschwingt. Mit Einschaltquoten, die zuletzt kaum noch die Neun-Prozentmarke überschritten, dürften es die "Lindenstraße"-Macher ARD-intern nicht gerade leicht haben, ihr Konzept dauerhaft gegen die Kritik zu verteidigen. Der "Weekly", seit Dezember 1985 immer sonntags im Ersten, täte eine moderate Veränderung fraglos gut. Im laufenden Jahr ist die Einschaltquote auf durchschnittlich 2,36 Millionen Zuschauer (rund 8,5 Marktanteil) gefallen. Um die Serie aus dem Tief zu hieven, unternehmen die Macher einiges. Unter anderem wird es prominente Gastrollen geben - so steht derzeit etwa Sarah Wiener vor der Kamera. Im Herbst werden die Zuschauer mitverfolgen können, wie die Starköchin in der "Lindenstraße" die Emotionen hochkochen lässt.


Frank Rauscher
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