Das Ziel ist klar: Wachstum

Mehr als "Das Boot": Wie die Bavaria Film die Zukunft gestalten will

Das Verdienst gebührt vor allem den Privatsendern. Auch wenn der letzte große internationale Film mit "Snowden" nun schon zwei Jahre zurückliegt, blickt die Bavaria Film höchst zuversichtlich in die Zukunft. Es gebe weiter einen deutlichen Aufwärtstrend bei der Nutzung der Studiokapazitäten, berichtete Geschäftsführer Achim Rohnke am Freitag bei einem Bilanzgespräch mit Journalisten in München. Wobei Privatsender eine immense Rolle spielten und weiter spielen. Im Münchner Süden entstehen unter anderem eine ganze Reihe neuer Shows von ProSieben, darunter auch Produktionen mit Joko und Klaas.

Die Florida TV GmbH, als Tochterunternehmen der Endemol Shine Group Germany gegründet, stellt im Herbst mit "Dabei sein ist teuer" (Solo-Format mit Joko Winterscheid) eine neue Sendung in München her. Dazu kommen zwei Ausgaben vom "Duell um die Welt" sowie drei Ausgaben von "Die beste Show der Welt", die am Medienstandort Geiselgasteig aufgezeichnet werden. Auch darüber hinaus bleibt das öffentlich-rechtlich geprägte Produktions- und Dienstleistungsunternehmen Bavaria gerade für ProSiebenSAT.1 ein wichtiger Partner.

Elementar wichtig sei, betonte Geschäftsführer Dr. Christian Franckenstein, das "serielle Fundament" des Unternehmens, das vor allem von den öffentlich-rechtlichen Sendern getragen wird. In München entstehen unter anderem erfolgreiche Produktionen wie "Die Rosenheim-Cops", "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte" und natürlich "Sturm der Liebe". Über allem steht derweil die Großproduktion "Das Boot", deren Drehstart am 31. August sein wird. Sky Deutschland, die Bavaria Filmproduktion und Sonar Entertainment sind beteiligt. Die achtteilige Serie hat ein Budget von 25 Millionen Euro und wird im Herbst 2018 zunächst bei Sky gezeigt.


Daneben entstehen mit "Brecht" (ARD) und "Bella Germania" (ZDF) zwei weitere aufwendige TV-Projekte. Vor allem Letzteres sorgt derzeit in Geiselgasteig für positiven Wirbel. In Daniel Specks Romanverfilmung spielen unter anderem Stefan Kurt und Natalia Belitski die Hauptrollen. Die so genannte "Münchner Straße", eine exklusiv im Jahr 1986 für die Serie "Löwengrube" als Stadtviertel gebaute Kulisse, wird in diesen Tagen für das dreiteilige Familienepos umfassend renoviert und damit auch bei späteren Touristen-Touren durch die Studios wieder eine Rolle spielen. Ebenso wie das berühmte Klassenzimmer aus dem Kinoerfolg "Fack Ju Göhte".


Eine ganze Reihe von deutschen Kinoproduktionen wirken sich in diesen Wochen und Monaten positiv auf das Image der Bavaria aus, die hier auch aktiv Marketingarbeit betreibt. Darunter "Bullyparade - Der Film", der am 20. Juli in die Kinos kommt, "Das Pubertier", "Willkommen bei den Hartmanns" sowie "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer". Die Realverfilmung mit Henning Baum startet 2018.


Die Bavaria befinde sich in einem, so Franckenstein, "unverändert harten Standort-Wettbewerb in einem hoch kompetitiven Marktumfeld". Dennoch blicken beide Verantwortlichen nicht nur dank einer robusten Konjunktur zuversichtlich auf die nächsten Jahre. Der Markteintritt von Video-on-Demand-Anbietern wie Netflix, Amazon und auch Sky habe fraglos für "neuen Schwung" gesorgt, resümierte Franckenstein und verwies auf das Bestreben aller linearen TV-Sender, sich in diesem neuen Umfeld zukunftssicher zu positionieren - unter anderem durch eine Vielzahl von Show-Events.


Beim Münchner Termin gaben die beiden Geschäftsführer darüber hinaus Auskunft über die finanzielle Situation der Bavaria Film, zusammenfassend von Franckenstein als "solide wirtschaftendes, mittelständisches Unternehmen" bezeichnet. Das Geschäftsjahr 2016/17 wurde im Konzern mit einem Umsatzerlös von 223,8 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis von 13,1 Millionen Euro abgeschlossen, womit die Vorjahreszahlen übertroffen wurde. Aufgrund des zuletzt vorgenommenen umfangreichen Konzernumbaus, inklusive Grundstücksverkäufen, seien die Zahlen jedoch nur eingeschränkt mit den vergangenen zu vergleichen. Klar definiert seien inzwischen die Aktivitäten in den drei Geschäftsbereichen: "Contents", also die eigentliche Produktion, "Rights & Distribution" sowie die Bavaria Studios & Services.


Über allem schwebt fortan das große Ziel, das die Bavaria sich selbst auf die Fahnen für die kommenden Jahre geschrieben hat: Wachstum. Die Weichen seien gestellt. 250 Millionen Euro Umsatz hat man sich vorgenommen mit einer acht- bis zehnprozentigen Marge.


Das Münchner Unternehmen beschäftigt derzeit rund 1.300 Mitarbeiter. Bei den vermieteten Büros auf dem Gelände bestehe derzeit eine Vollauslastung, sodass ein neues Büroprojekt geplant ist. Auf einer alten Containerfläche entsteht ein 7.000 Quadratmeter großer Bau, der künftig vor allem Medienunternehmen beherbergen soll. Gedacht ist zudem an ein sogenanntes "Boarding Haus" für junge Film- und Medienschaffende. Auch ein Beitrag zur nicht allzu günstigen Lage der Bavaria. Zu den Studios führt derzeit nur eine Straßenbahn, die Fahrtstrecke zum Flughafen ist mit über 60 Kilometern relativ weit.


Kai-Oliver Derks
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