Comedy ohne Rampensau

Lohnt sich Judd Apatows neue Serie "Crashing"? (ab Dienstag, 18.07., 22.20 Uhr, Sky Atlantic HD)

Dass es "Crashing", die neue Serie des amerikanischen Comedy-Gurus Judd Apatow ("Girls") im deutschen Sky-Programm nur im englischen O-Ton mit Untertiteln zu sehen gibt, sagt einiges über die Erwartungen des Senders aus. Sie dürften in Bezug auf diese Geschichte eines weicheiigen Enddreißigers (Pete Holmes), der, nachdem er von seiner Frau verlassen wurde, als Comedian in New York durchstarten will, eher gering sein. Produzent Apatow war selbst skeptisch, als Pete Holmes mit der Idee für die sechs Folgen à 30 Minuten auf ihn zu kam. Zu traurig, zu vorsichtig tastend kam ihm die späte "Coming of Age"-Geschichte eines scheuen Erwachsenen vor, der nach einem neuen Platz im Leben sucht. Holmes (38), der in "Crashing" das Scheitern seiner eigenen, jung geschlossenen Ehe verarbeitet, zeigt sich als Protagonist Pete in der Tat nicht als Held mit hohem Identifikationspotenzial. Trotzdem hat die in drei Doppelfolgen ausgestrahlte Serie (ab Dienstag, 18.07., 22.20 Uhr, Sky Atlantic HD) durchaus ihren leisen Reiz.

Wie so oft bei Judd Apatow, geht es auch in "Crashing" ums Finden eines Platzes im Leben. Und weil der Mann, wie auch Ideengeber Pete Holmes, eben in Komödie denkt, spielen seine persönlichsten Geschichten oft in der Stand-up Comedy-Szene. Es geht also um Witze und den Kampf um Lacher als Selbstreflexion. In "Funny People - Wie das Leben so spielt" aus dem Jahr 2009 spielt Adam Sandler, mit dem sich Apatow als Student mal eine Bude teilte, einen todkranken, ziemlich arschigen Comedy-Star, der sein Leben noch einmal Revue passieren lässt. Schon in diesem Film, der an der Kinokasse nicht allzu erfolgreich war, spielen zahlreiche Comedians sich selbst. Durch die Augen eines jungen, erfolglosen Stand-up Comedians (Seth Roggen), der zu einer Art Assistent des sterbenden Stars wird, wird der Zuschauer in diesen so uramerikanischen Kosmos des Überlebenskampfes, aber auch einer Sinnsuche mit Witzen eingeführt. Was, trotz manch brachialem Witz, ziemlich subtil und melancholisch geriet.

Eine ähnliche emotionale Gemengelage diffundiert auch bei "Crashing" durch den Bildschirm. Pete ist kein Typ, mit dem man gern in der Kneipe ein Bier trinken würde. Warum sollte man sich also ein Comedy-Programm mit ihm ansehen? In einer der ersten Szenen lehnt die Hauptfigur Sex mit der Noch-Frau auf dem Fußboden ab, weil er unter wunden Knien leide. Dankenswerterweise ist das Drehbuch fein genug, dass Pete nach dem Rausschmiss bei seiner Gattin, die auch die Brötchen verdient, nicht zum super-toughen Kämpfer mutiert. Nein, dieser Pete ist immer noch ein Weichei, der auf seinem obdachlosen Weg durch New York - "Crashing" bezeichnet den Akt des überraschenden Übernachtens - viele Comedians trifft, die sich selbst spielen: Howard Sterns Sidekick Artie Lange ist dabei oder Sarah Silverman, die als erfolgreiche Komikerin zahlreichen gescheiterten oder noch unbekannten Spaßmachern eine vorübergehende Bleibe in ihrem Luxus-Apartment bietet. Die Comedian-WG, ein typisches Apatow-Thema im Film.


Anfangs ist es ein wenig zäh, diesem unsicheren Typen Pete dabei zuzusehen, wie er nachts auf der Straße Flyer für seine kostenlosen Auftritte in muffig-leeren Comedy-Kellern verteilt. Alles an diesem Helden scheint zu schreien: Entschuldigen Sie, dass ich geboren bin! Trotzdem hat es auch etwas sehr Menschliches, den Weg dieses mittelmäßig lustigen Weicheis zu begleiteten, dessen zähe Bemühungen irgendwann zu kleineren Erfolgen führen. Pete wird Anheizer in einer "uncoolen" Vormittagsshow, die vor allem von Hausfrauen konsumiert wird. Eine Szene, der von den beinharten Comedians in den Kellern New Yorks verachtet wird. Natürlich kommt es auch hier, wo Pete ein erfolgreiches Karrieresprungbrett gefunden zu haben scheint, zu einer Fremdschäm-Situation, wie sie nur die amerikanische Comedy-Posse um Judd Apatow erschaffen kann: Pete beleidigt die Mutter der Showmasterin, die an jenem Tag anonym im Publikum sitzt, aufs Übelste, als der Wunsch, echte harte Comedy zu machen, mit dem sanftem Anheizer durchgeht.


Weil es einige solcher Aua-Szenen eines uncoolen Helden, aber auch viel Herumlarvieren im schnöden Alltag finanziell prekärer Comedy-Überlebenskämpfer gibt, ist "Crashing" keine Mainstream-Unterhaltung, sondern eher Comedy für Insider und Fortgeschrittene. Auch das Lachen bleibt einem öfter im Halse stecken. Schließlich geht es ums Überleben und um Würde. Beides nicht unbedingt Schenkelklopfer-Themen.


Eric Leimann
Fans der Fußball-Bundesliga müssen sich zu Beginn der neuen Saison auf Änderungen einstellen. Unter anderem wurden die Anstoßzeiten erweitert. Zudem teilen sich nun zwei Pay-TV-Anbieter einen nur einzigen Spieltag auf.
Junges Fernsehen, nah an der Zielgruppe: Die sechsteilige BR-Reihe "Wer zieht ein?" nimmt die Zuschauer mit auf die Suche nach neuen WG-Mitbewohnern.
Eine Senderfamilie sucht ihre Identität: Während SAT.1 ins Krimifach wechselt, sucht man bei ProSieben vor allem in Sachen Show noch nach neuen Knallern.
Eine Deutsch-Inderin soll heiraten, um ihre traditionsbewusste Oma zufriedenzustellen. "Marry Me - Aber bitte auf Indisch" bedient Multikulti-Humor zerfahren und wenig witzig.
Nach einem enttäuschenden Start 2015 mausert sich "Der Bozen-Krimi" zur sehenswerten Krimi-Reihe.
Die ZDF-Reportage von Gert Anhalt zeigt junge Sizilianer, die das "Eiland des Elends" endlich nach vorne bringen wollen.
"Profiling Paris" hat sich am späten Donnerstagabend bei SAT.1 etabliert. Der Sender zeigt nun zehn neue Folgen der siebten Staffel.
Romantische Beziehungskomödie mit Sandra Bullock und Frauenheld Hugh Grant, die beiläufig auch noch als Liebeserklärung an New York gesehen werden kann.
Nur ein paar Quadratmeter reichen den Machern der neuen Sky-Serie: "Room 104" spielt in einem einzigen Hotelzimmer.
Keine Drachen, dafür alternative Geschichte: Die Macher von "Game of Thrones" haben ihr nächstes Serienprojekt vorgestellt.
Jörg Wontorra meldet sich mit einem Fußball-Talk am Sonntagvormittag zurück. Sein neues Format bei Sky Sport News HD geht in direkte Konkurrenz mit dem legendären "Doppelpass".
Schon wieder Berlin: In einer neuen Netflix-Serie ist die deutsche Hauptstadt Schauplatz eines Spionage-Plots.
Survivalshows gibt es viele im Fernsehen. "The Wheel - Survival Games" hat allerdings ein besonders fieses Konzept.