New York in dreckig

Die Sky-Serie "The Deuce" zeigt ein untergegangenes New York und überrascht mit einem doppelten James Franco

Wer heute die 42nd Street in Richtung Times Square läuft, sieht vor allem eines: Touristen. Dicht an dicht drängeln sie sich durch das Zentrum von Manhattan, vorbei an den Leuchtreklamen der Musicaltheater zwischen Grand Central Station und Hudson River. Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Straße im Zentrum New Yorks ein ziemlich heruntergekommenes Fleckchen Erde. Statt Touristen standen sich hier Prostituierte die Beine in den Bauch, und in den Theatern hinter ihnen liefen Grindhouse-Filme und Sexstreifen. "The Deuce" nannte man die Straße damals. Für den Titel seiner neue HBO-Serie, die nun bei Sky Atlantic HD Deutschlandpremiere feiert (ab 11. September, montags, 20.15 Uhr), wählte David Simon diesen heute fast in Vergessenheit geratenen Spitznamen.

"The Deuce" spielt in den 70er-Jahren, als die 42. Straße noch das Zentrum der New Yorker Subkultur war, als am frühen Abend die Nutten den Bordstein bevölkerten und die Dealer ihren Stoff verkauften. In jene Zeit fällt auch der Aufstieg der amerikanischen Pornoindustrie, und genau darum geht es in der Serie von "The Wire"-Erfinder Simon. Zunächst aber lassen sich Simon und Co-Creator George Pelecanos viel Zeit, um ihre Charaktere einzuführen, vor allem aber, um ein untergegangenes New York wiederauferstehen zu lassen, das es seit den Sanierungswellen der 80er- und 90er-Jahre so nicht mehr gibt.

In "The Deuce" ist New York ein in fahle Farben getauchtes Loch, noch nicht luxussaniert, sondern authentisch-dreckig. Es ist jener Ort, wo Punk und Disco entstanden, wie das so schön kürzlich die HBO-Serie "Vinyl" erzählte. Vom vielen Geld der Plattenfirmen träumt man hier aber höchstens, ihre schicken Skyscraper-Büros liegen in unerreichbaren Höhen. Die Helden in "The Deuce" sind nicht die millionenschweren Musiker, sondern die armen Schlucker, die Junkies und die Prostituierten.


Lori (Emily Meade) kommt hier gerade aus der amerikanischen Provinz an, und sie hat noch nicht den Busbahnhof verlassen, da hat sie schon einen Zuhälter. C.C. nennt der sich, gespielt wird er von Gary Carr. Dieser C.C. ist ein widerlicher Typ, der seinen Frauen die große Liebe vorspielt und sie dann eiskalt verprügelt. Die Prostituierte Candy (Maggie Gyllenhaal) hat keinen Zuhälter nötig, sie schlägt sich alleine durch. Sie ist eine knallharte Ich-AG, die einem jungen Bengel schon mal erklärt, dass es nicht zu ihrem Geschäftsmodell gehört, ihm für den zweiten Hand-Job nichts zu berechnen, weil er beim ersten Mal zu schnell gekommen ist.


Vor allem aber ist "The Deuce" auf James Franco zugeschnitten, der hier mit breitem Schnauzer in einer Doppelrolle zu sehen ist. Franco spielt die Zwillingsbrüder Vincent und Frankie Martino. Während Frankie von Anfang an ein zwielichtiger Charakter ist, ein Kleinganove, der überall in der Stadt seine Schulden hat, ist Vincent der tragische Held von beiden. Er träumt vom bürgerlichen Leben mit Frau und Kind, verdingt sich aber hinter dem Tresen einer Bar irgendwo auf der 42. Straße, in der Prostituierte und ihre Kunden gleichermaßen verkehren.


Auch wenn es im fast anderthalbstündigen Piloten noch nicht anklingt: Diese urbanen Herumtreiber und Glücksritter werden bald zueinanderfinden. Denn es liegt etwas in der Luft über New York City. Die Gesetze wurden gerade gelockert, eine neue Industrie entsteht, die Frauen wie Candy von der Straße holt, hinein in die Filmstudios. Es ist das goldene Zeitalter des Pornos, als Filme wie "Deep Throat" entstanden. Um nackte Tatsachen geht es zu Beginn von "The Deuce" dennoch nur am Rande. Nicht das Voyeuristische interessiert die Serienmacher, sondern der genaue Blick auf gesellschaftliche Mileus. Einen spannenderen Ort als das New York der 70er-Jahre kann man sich dafür kaum vorstellen.


Sven Hauberg
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