Schuld waren zwei englische Fans

Arnd Zeigler präsentiert seit zehn Jahren seine "wunderbare Welt des Fußballs" - am Sonntag, 10. September (20.15 Uhr, WDR) wird Jubiläum gefeiert

Das Runde muss ins Eckige - so einfach kann der Fußball sein. Oder 22 Männer in kurzen Hosen rennen einem Ball hinterher. Dass unter den zahlreichen Fußballsendungen, die inzwischen im TV laufen, eine einen besonderen Kult-Status erreicht, muss dann schon wirklich gute Gründe haben. "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" ("ZwWdF") läuft nun schon seit zehn Jahren im WDR-Fernsehen. "Keiner hat damals auch nur annähernd daran gedacht, das wir so lange aushalten", erinnert sich Arnd Zeigler, der zu den Vorreitern einer neuen Generation von Fußballexperten gehört. Der Mann hinter dem Schreibtisch, der zwischen allerlei seltsamen Fußball-Utensilien wie Tassen oder Flutlichtern sitzt, blickt am Sonntag, 10. September, 22.15 Uhr, in einer 30-minütigen Sondersendung zurück auf die schönsten Highlights aus 323 "ZwWdF"-Sendungen.

"Ich weiß selbst nicht so genau, wie das passieren konnte. Das ist alles sehr erstaunlich", sagt Arnd Zeigler. Tatsächlich hat der Stadionsprecher des SV Werder Bremen (seit 2001), Autor und Moderator eine erstaunliche Karriere auf den Platz gezaubert. Als "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" am 13. August 2007, einem Sonntag zu Beginn der Bundesliga-Saison 2007/2008, erstmals auf Sendung ging, schritt er zunächst nur durch ein Halbdunkel. Er ging durch ein Treppenhaus, hinauf in seine Wohnung, hinein in sein Arbeitszimmer und schließlich hinter seinen Schreibtisch. Das war alles.

"Wir hatten zunächst nur eine Call-in-Sendung geplant. Sozusagen eine Notruf-Sendung für Fans, denen es gerade nicht so gut geht", erinnert sich Zeigler an die Anfänge. Angereichert mit Video-Schnipseln und vor allem Zeiglers legendären Fake-Interviews mit dem ehemaligen Dortmund-Trainer Jürgen Klopp hat sich ein wahrer Kult um den Moderator entwickelt. Zeigler ist mit seinen witzigen Einspielern seit 2013 als Co-Moderator auch beim "Sportschau Club" im Anschluss an Fußball-Live-Spiele in der ARD zu sehen. "ZwWdF" war zudem 2011 und 2012 für den Grimme-Preis nominiert. Im Finale aber scheiterte die Sendung bislang.


Erstaunlich aber ist, dass die Idee für das Format nicht etwa in Zeiglers Arbeitszimmer hinter seinem Schreibtisch entstanden ist. Eine "wunderbare Welt des Fußballs" wurde in Belize, irgendwo in Zentralamerika, geboren. Der TV-Redakteur Christian Wagner saß damals vor mehr als zehn Jahren ganz allein an einer Bar und glotzte auf einen Fernseher ohne Ton. "Da saßen ein Arsenal- und ein Chelsea-Fan und haben sich die ganze Zeit unterhalten. Ich habe mich gefragt, was machen die da?", erinnert sich Wagner. "Und dann dachte ich, so etwas fehlt in Deutschland. Das Format brauchte nur noch etwas mehr Leben und vor allem einem Mann hinter einem Schreibtisch, der richtig viel Fußballverstand hat", so der Redakteur weiter.


Die Wahl fiel auf Zeigler, der damals schon mit satirischen Kolumnen unter anderem im Radio oder im Fußballmagazin "11 Freunde" aufgefallen war. Wagner begründet: "Ein normaler Fernsehmoderator könnte diese Sendung gar nicht stemmen. Vor allem könnte ein normaler Fernsehmoderator nicht so viel Liebe in diese Sendung bringen."


Ein weiteres Erfolgsgeheimnis von "ZwWdF" ist, dass sich das Format trotz einer vielfach kritisierten Kommerzialisierung des Fußballs seinen Charme des Hausgemachten erhalten hat. Der 52-jährige Bremer legt auch gerne mal den Finger in die Wunde. So postete er auf seiner Facebook-Seite mit immerhin mehr als 240.000 Followern zuletzt vergnügt die technischen Probleme beim Eurosport-Player während eines Live-Spiels. Auch Lothar Matthäus kam mit einem weiteren Spruch aus seinem fränkischen Munde wieder mal bei Zeigler zu Ehren. "Wäre, wäre, Fahrradkette" - so hatte es der Experte gerade erst ins Sky-Mikrofon gesagt.


"Unser Anspruch ist, jede Woche, aus dem Fußball all das herauszuholen, was daran schön ist, anrührend, skurril, emotional, widersprüchlich, atemberaubend, erschütternd, euphorisch. Wenn man dem Fußball Raum für seine Emotionalität lässt, kann man sich als Sendung auch behaupten", betont Zeigler, der mit seinem Format nun neue Wege gehen wird. "ZwWdF" wird sein gemütliches Zuhause verlassen. Im Oktober ist das Format auch erstmals live auf der Bühne zu sehen. Der Moderator geht dorthin, wo es weh tut, wie er sagt. Ein Bremer tritt ausgerechnet in Hamburg auf. Zeigler: "Das ist alles sehr erstaunlich!"


Andreas Schöttl
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