Amazons Mad Men

Die Serie "The Last Tycoon" nach F. Scott Fitzgerald startet am 15. September

Qualitätsmedien in Übersee tun sich traditionell schwer mit Verfilmungen, die auf Stoffen des amerikanischen Literatur-Säulenheiligen F. Scott Fitzgerald beruhen. Dessen bekanntester Roman, "Der große Gatsby", fand weder in der elegischen 70er-Jahre Version mit Robert Redford noch in einer bild- und tonwuchtigen Neufassung mit Leonardo DiCaprio 2013 uneingeschränktes Kritikerlob. Noch härter ging man jedoch mit Elia Kazans Verfilmung des letzten, nicht abgeschlossenen Werks Fitzgeralds um. In "Der letzte Tycoon" (der junge Robert De Niro spielte 1976 die Titelrolle) beschäftigte sich der 44-jährig verstorbene Fitzgerald mit Hollywoods Traumfabrik Mitte der 30er-Jahre. Amazon machte daraus nun eine aufwendige, hübsch anzuschauende Serie. Die kratzt jedoch lediglich an der Oberfläche der zutiefst melancholischen Romanvorlage.

De Niro, Tony Curtis, Robet Mitchum, Jeanne Moreau, Jack Nicholson und noch ein paar Filmlegenden mehr. All diese Namen nutzten dem Drehbuch des englischen Dramatikers Harold Pinter sowie Regielegende Elia Kazan ("Endstation Sehnsucht") nichts. Der Film "The Last Tycoon" geriet 1976 zum Kritikerflop - und das, obwohl Robert de Niro die am real existierenden Produzenten-Wunderkind Irving Thalberg orientierte Figur eines tieftraurigen Goldjungen Hollywoods ebenso geheimnisvoll wie einnehmend verkörperte.

Der amerikanische Schauspieler Matt Bomer ("Walking Out", "White Collar") spielt jene Figur nun in der Serie. Fitzgerald-mäßig leidet sie am Leben, weil eine unerfüllte Liebessehnsucht das so will. Während de Niro jedoch das Geheimnis und auch das Ziellose des unvollendeten Romans zu transportieren wusste, bleibt Bomers Figur wie das gesamte Serienprojekt von Autor und Showrunner Billy Ray ("Die Tribute von Panem") seltsam fad.


Worum geht es in den neun, rund einstündigen Episoden? Der junge und gut aussehende Produzent Monroe Stahr (Bomer) genießt in Hollywood zu Zeiten der großen Wirtschaftsdepression einen Ruf wie Donnerhall. Als Ziehsohn des Studiobesitzers Pat Brady (Kelsey Grammer aus "Boss") besitzt er einen genialen Blick dafür, welche Filme zu Hits werden und wie man welche aus jenen Streifen macht, deren erste Fassungen noch alles andere als überzeugen. Doch der von Geschäftspartnern, Kreativen und Frauen umworbene Stahr hat auch eine sehr präsente dunkle Seite. Seit seine Frau, eine charismatischer Leinwandgröße, bei einem Unfall ums Leben kam, wird der auf Rosen Gebettete seines Lebens nicht mehr froh. Tief melancholisch erzählt Fitzgeralds Roman von jenem Leben im goldenen Käfig, das sich durch eine neue, unerfüllte Liebe in immer dunkleren Farben zeigt. Nebenbei taucht Fitzgerald in das vom ihm verhassten Hollywood-System jener Jahre ein, in dem er als Drehbuchautor - aus finanzieller Notlage heraus - erfolglos Fuß zu fassen suchte.


Fantastisch für eine Serienproduktion ist in der Tat der Look des Amazon-Produkts. Rund 50 Kreative der Sparten Ausstattung, Kostüm und Maske, die zuvor am Serienmeilenstein "Mad Man" arbeiteten, wanderten danach zu "Der letzte Tycoon" weiter. Dessen Handlung setzt Mitte der 30er-Jahre ein und schafft es bildgestalterisch, dass sich der Zuschauer tatsächlich in jene Ära zurückversetzt fühlt.


Was dem anerkannten Drehbuchautor Billy Ray ("Captain Phillips") erstaunlicherweise ziemlich missriet, ist jedoch das Drehbuch. Wer die Sprachpoesie und besonderen Stimmungen Fitzgeralds in der Serie sucht, wartet vergebens auf große Momente. Die Handlung plätschert dahin - nun gut, das tut sie auch in Roman und Spielfilm - aber sie tut es hier ohne jegliche Atmosphäre. Ursprünglich sollte Ray seine Fitzgerald-Adaption für HBO produzieren, doch der Pay-TV-Veteran lehnte nach Ansicht eines Piloten ab. So kam Amazon zum Zug. Ob die neuerlich vergebene Chance, ein großes Stück Film aus großer amerikanischer Literatur zu machen, zumindest ein Streaming-Hit wird, darf aufgrund dramaturgischer Schwächen und schwacher Dialoge bezweifelt werden. Nur der Look von "The Last Tycoon" schafft es in die erste Serienliga.


Eric Leimann
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