Die Serie mit den Fältchen

Warum "Rote Rosen" (Montag bis Freitag, 14.10 Uhr, im Ersten) nach 2.500 Folgen erst in den besten Jahren ist

Die Älteren werden sich womöglich erinnern: Telenovelas galten einmal als der letzte Schrei in der deutschen Fernsehbranche. Doch erst mussten lateinamerikanische Produktionen wie "Die Sklavin Isaura" (1976), "Das Recht zu lieben" (1987) oder "Die Leihmutter" (1992) abtreten, dann verschwanden auch die neueren deutschen Telenovelas, allen voran "Bianca - Wege zum Glück" (2004 bis 2005, ZDF) mit Tanja Wedhorn und Patrik Fichte als Traumpaar sowie "Verliebt in Berlin" (2005 bis 2007, SAT.1) mit der wunderbaren Alexandra Neldel als Moppelchen Lisa Plenske, wieder von der Bildfläche. Übrig geblieben vom Hype sind zwei ARD-Serien, die man heute gar nicht mehr ohne Weiteres mit dem Label "Telenovela" in Verbindung bringen würde. Neben "Sturm der Liebe" (seit 2005, Montag bis Freitag, 15.10 Uhr) halten die Fans auch dem Dauerbrenner "Rote Rosen" (Montag bis Freitag, 14.10 Uhr) die Treue. Seit 2006 wird im beschaulichen Lüneburg gedreht, und nun steht wieder einmal ein Jubiläum ins Haus: Am Donnerstag, 7. September, läuft im Ersten die 2.500. Folge des TV-Romans.

Die guten Nachrichten für Herzschmerz-Fans mit Tagesfreizeit kommen also zur rechten Zeit: Die beliebten ARD-Telenovelas werden um jeweils 400 Folgen verlängert. "Beide Formate erreichen bereits seit über einem Jahrzehnt unter der Woche ein Millionenpublikum im Ersten, aber auch in den Wiederholungen in den Dritten Programmen sind sie erfolgreich", lobte zu diesem Anlass Christoph Hauser, ARD-Koordinator Tages- und Familienprogramm. Die Formate "leisten damit einen großen Beitrag zum Gesamterfolg des Tagesprogramms im Ersten". Im ersten Halbjahr 2017 erreichte "Rote Rosen" laut ARD durchschnittlich 1,52 Millionen Zuschauer, "Sturm der Liebe" wollten 1,86 Millionen Zuschauer sehen - das entspricht einem Marktanteil von 14,7 Prozent beziehungsweise 15,5 Prozent.

"Rote Rosen" mag unter Kritikern als seicht und altmodisch verschrien sein, tatsächlich aber ist die Produktion ein echtes deutsches TV-Phänomen: die einzige Serie, die Menschen mittleren Alters in den Vordergrund rückt. Das erfolgreiche Konzept der Dauer-Erzählung aus Lüneburg: Jedes Jahr übernimmt eine neue Hauptdarstellerin den Staffelstab - mit ihr wird eine neue Geschichte aus der Mitte des Lebens erzählt.


In "Rote Rosen"-Staffel 14 spielt seit April dieses Jahres Patricia Schäfer eine verheiratete Frau mit beinahe erwachsenen Kindern, der das Schicksal die Chance auf eine neue Liebe zuspielt. "Rote Rosen", sagt sie, "ist eine tolle Anregung, auch mit 50 noch mal über die eigenen Lebensträume und ihre Verwirklichung nachzudenken". Davon abgesehen ist die Serie erstaunlich aufwendig gemacht. Es gibt immer wieder Außendrehs mit romantisch-idyllischen Stadtansichten, die Kulissen wirken echt und sind passend zu ihren "Bewohnern" gestaltet. Zwar bilden die Seriencharaktere jeweils plakativ ein Wertekorsett ab, werden dabei aber gut gespielt und bieten dem Publikum genug emotionale Projektionsfläche.


Die Quintessenz dieser Telenovela, die ursprünglich nur auf 100 Folgen angelegt war, ist allerdings die Protagonistin, um die sich die Kernhandlung dreht: eine Frau Mitte 40, die entweder bereits alles im Leben erreicht hat und plötzlich vor eine schwere Wahl gestellt wird, oder die vom Schicksal Gebeutelte, die nach langen Wirrnissen und Pechsträhnen endlich ihr Glück findet. Welche bügelnde Hausfrau in den besten Jahren träumt nicht davon, allem zu entfliehen und irgendwo anders noch einmal von vorne anzufangen, am besten mit dem Traummann?


Da kommt "Rote Rosen" gerade recht, eine Serie, die zweifellos sehr gekonnt mit den Sehnsüchten und Wunschvorstellungen ihrer Zielgruppe spielt. Der Identifikationsfaktor ist hoch, die Hauptdarstellerin ist keine glatt gebotoxte Hollywoodschönheit, sondern eine ganz normale attraktive Frau mit Fältchen und Problemzonen. Selbst der Fanshop spiegelt die anvisierten Zuschauer wieder: Neben den obligatorischen T-Shirts hält er auch Geschirrtücher, Schürzen, Handtücher, Koffergurte und Tees im "Rote Rosen"-Design bereit.


"Ich finde, dass es ein bisschen wie ein Märchen ist", erklärt sich Schauspielerin Anne Moll, die im Jahr 2015 die Hauptrolle übernommen hatte, das Phänomen. "Im Leben kann man ja leider nicht davon ausgehen, dass immer alles gut wird. Bei den 'Roten Rosen' passiert zwar viel Schlimmes, aber man weiß ja vorher, dass es immer gut ausgeht. Ich glaube, das ist es, dass man mitatmen und mitleiden kann und trotzdem weiß: Uff, es wird gut enden!"


Etwas nüchterner analysierte einst Angela Roy das Ganze. Sie verkörperte vor elf Jahren Petra, die erste Protagonistin von "Rote Rosen", und räumte damals ein, dass sie sich mit der Zusage lange Zeit geassen hätte, weil sie Berührungsängste mit dem Genre Telenovela hatte. Als Vorbild für taffe Frauen mittleren Alters wollte die Schauspielerin ihre neue Rolle schon gleich gar nicht verstanden wissen: "Petra ist eigentlich eine ganz normale Frau. Wie es im Leben eben so ist, widerfahren ihr Dinge, aufgrund derer sie sich neu orientieren und sortieren muss. Noch mal von vorne anfangen - das kann ganz spannend sein."


Sie fände "es gut", meinte Angela Roy, die 2016 nochmals vorürbergehend zum Dreh nach Lüneburg zurückkehrte, seinerzeit fast trotzig, "wenn eine Ausgewogenheit, wie sie in der Gesellschaft vorhanden ist, sich auch in den Medien wiederspiegelt. Nachdem wir vor sechs oder sieben Jahren eine Phase der ausschließlichen Jugend hatten, kommen jetzt einfach die Frauen ab 40 mal wieder nach vorne."


Ein O-Ton vom Herbst 2006. Elf Jahre später hat sich durchaus einiges geändert: Frauen Mitte 40 sind die wahren Heldinnen unserer Zeit und als solche längst auch im Fernsehen omnipräsent. Der Begriff "Telenovela" ist hingegen nur noch etwas für die Geschichtsbücher. Und "Rote Rosen" ist nach 2.500 Folgen vermutlich gerade im allerbesten Alter.


Frank Rauscher
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