Das Problem mit der Transparenz

"Was, so viel verdienen die?!" - Die ARD legt Gehälter und andere Zahlen offen, und schon läuft die Neiddebatte

Mit der Transparenz ist das so eine Sache: Einerseits von allen gewünscht, kann sie andererseits auch für Unfrieden sorgen - vor allem wenn es ums Geld geht, ist man schnell mittendrin in einer Neiddebatte. So ergeht es nun auch der ARD, die auf ihrer Homepage unter dem Titel "Womit wir arbeiten - Budget" ein Dossier angelegt hat, in dem die Gehaltsstruktur und allerhand weitere Ausgaben offengelegt werden. Das ist aller Ehren wert - oder auch überfällig, wie viele Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundkunksystems meinen, schließlich will der Zuschauer wissen, wofür seine 17,50 Euro Rundfunkbeitrag verwendet werden. Die Begeisterung über so viel Offenheit hält sich nun allerdings in Grenzen. Seit die Zahlen am Mittwoch durchs Netz gejagt wurden, geht es in den sozialen Medien hoch her.

Nüchtern betrachtet sind die Angaben natürlich hochinteressant; wer wollte nicht schon immer wissen, was ein "Tatort"-Krimi kostet. Nun haben wir es schwarz auf weiß: 14 Cent unseres monatlichen Rundfunkbeitrags steckt die ARD in die fiktionale Verbrechensbekämpfung am Sonntagabend, der "Polizeiruf 110" fällt also mit unter diesen Durchschnittswettwert. Jedes Jahr werden zwischen 34 und 39 neue "Tatorte" produziert. Sie kosten im Schnitt zwischen 1,3 bis 1,5 Millionen Euro. Die Gagen und Honorare der Darsteller machen 20 Prozent davon aus. Der Stab - laut ARD "mehrere hundert Menschen" und "Spezialisten aus circa 30 unterschiedlichen Berufsgruppen" - schlägt mit 30 Prozent zu Buche.

Insgesamt verfügen die ARD-Sender über Etats von jährlich rund 5,6 Milliarden Euro. Wohin fließt das Geld? Zum Beispiel in die umfangreiche Sportberichterstattung. Namen und genaue Positionen werden in dem Dossier zwar nicht genannt, aber die Zahlen haben auch ohne diese Details Aussagekraft: In der Saison 2015/2016 vergütete die ARD die Leistungen von 21 Sportmoderator/innen im Ersten mit insgesamt 1,88 Millionen Euro. Die Vergütungen von acht Expert/innen des Sports im Ersten beliefen sich auf insgesamt 1,2 Millionen Euro. Die ARD spricht dabei von "Vergütungen nach Marktwert" und betont explizit den hohen Stellenwert des Sports im Senderverbund: "Die 'Sportschau' ist das Aushängeschild der Sportberichterstattung in Deutschland", heißt es etwa. Der Schwerpunkt liege bei den umfangreichen Livestrecken. Aber auch auf die steigenden Aufwände für Hintergrund- und online-Berichterstattung wird verwiesen.


Noch mehr ins Detail geht es online (auf www.ard.de/home/die-ard/fakten/Womit_wir_arbeiten___Budget/4181676/index.html) bei den Gehältern der Intendanten der neun Landesrundfunkanstalten: Tom Buhrow, an der Spitze des größten ARD-Senders, des Westdeutschen Rundfunks (WDR), bekommt mit 399.000 Euro am meisten. BR-Intendanten Ulrich Wilhelm erhält ein Jahresgehalt von 367.000 Euro, Lutz Marmor, Intendant des NDR, 348.000 Euro. MDR-Intendantin Karola Wille, die bis Jahresende als ARD-Vorsitzende fungiert und die Transparenzoffensive forciert hatte, wird pro Jahr mit 275.000 Euro vergütet.


Auch außertarifliche Gehälter von weiteren ARD-Führungskräften sind zum Teil öffentlich gemacht worden. Bei Programmbereichsleiter/innen und Hauptabteilungsleiter/innen wie Unterhaltungschef Thomas Schreiber, Sport-Chef Gerd Gottlob und "Tagesschau"-Chefredakteur Kai Gniffke lag die Monatsgehaltsspanne 2016 zwischen 11.016 Euro und 12.477 Euro. Angestellte Redakteure der ARD-Anstalten verdienen monatlich zwischen 3.524 bis 9.908 Euro.


Das ZDF hatte schon 2013 mit einer solchen Transparenz-Initiative vorgelegt. Unter anderem ist bekannt, dass ZDF-Intendant Thomas Bellut 2015 Jahresbezüge von 319.920 Euro erhielt. Auf dem ZDF-"Transparenzportal" (https://www.zdf.de/zdfunternehmen/transparenz-100.html) erfahren die Zuschauer, was in Mainz noch alles mit ihrem Rundfunkbeitrag veranstaltet wird. Wer mag, kann da etwa auch Vergleiche zum ARD-"Tatort" ziehen: Das ZDF produziert für die Fernsehfilm-Sendeplätze am Hauptabend jährlich etwa 100 bis 110 Fernsehfilme. Die durchschnittlichen Kosten pro Film betragen rund 1,54 Millionen Euro. Für rund 36 Cent pro Monat können Zuschauer somit wöchentlich durchschnittlich zwei Filmpremieren im ZDF sehen.


Aber wollen sie das auch? - Dass so viel Transparenz nicht nur positive Reaktionen hervorruft, war wohl zu erwarten. Die Heftigkeit der Reaktionen in den einschlägigen Kommentarspalten auf Facebook zeugt aber auch davon, dass die Sache eben einen entscheidenden Haken hat: Die Analyse der Zahlen erfolgt immer höchst subjektiv und aus der Draufsicht des jeweiligen Users: hier Frust und Wut, dort der Vorwurf an die berichtenden Medien, die Neiddebatte mit klickträchtigen Schlagzeilen anzuheizen. So etwas muss man dann, gerade angesichts der angespannten Stimmung vor den Wahlen, wohl aushalten.


Wer die emotionale Hürde und die rein private Perspektive überwindet, findet in dem Zahlenwerk durchaus Erhellendes. Fakten, über die es sich wirklich zu diskutieren lohnen würde. Man könnte beispielsweise über die gesellschaftliche Relevanz der "Tagesschau" und ihre Bedeutung für politische Bildung und Demokratie reden. Die Hauptnachrichten haben im Jahr 2016 um 20.00 Uhr jeden Abend 9,83 Millionen Zuschauer erreicht - ausgestrahlt im Ersten, in einigen Dritten Programmen, auf tagesschau24, 3sat und Phoenix. Nichts sonst im Fernsehen hat in vergleichbarer Regelmäßigkeit eine derartige integrative Kraft. Der Aufwand? Fast lächerlich angesichts der Bedeutung des Formats: Pro Sendeminute kosten "Tagesschau", "Tagesthemen" und "Nachtmagazin" derzeit rund 1.820 Euro.


Frank Rauscher
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