Nicht schon wieder eine Leiche!

Die neue Fox-Serie "Rocco Schiavone" bietet taffe Krimikost made in Italy

Was für deutsche Fernsehzuschauer gilt, hat offenbar auch in Italien seine Gültigkeit: Krimi ja bitte, nur bloß keine Schreibtischtäter als Hauptfiguren! Kernig müssen die Ermittler sein, Einzelgängertypen mit zerrütteter Vergangenheit und einem Hang, Gesetze zu übertreten. Das ist im "Tatort" nicht anders als in der italienischen Serie "Rocco Schiavone", die hierzulande der Pay-TV-Sender Fox erstmals ausstrahlt (ab 20. Oktober, freitags, 21.00 Uhr).

Der Titelheld ist dann auch einer, der sich mit herkömmlicher Ermittlungsarbeit nicht lange aufhält. Wenn der Hauptverdächtige nicht spurt, schlägt ihm Rocco Schiavone schon mal die Faust ins Gesicht. Schiavone, gespielt von Marco Giallini, ist ein bulliger Typ mit tiefen Furchen im Gesicht, aus denen eine bewegte Vergangenheit spricht. Einst schob er Dienst in Rom, dann aber verprügelte er einen Vergewaltiger so hart, dass der ins Krankenhaus musste und Schiavone versetzt wurde. Jetzt ist er im Aostatal, das malerisch an der Grenze zur Schweiz liegt, für die Verbrecherjagd zuständig.

In der ersten der insgesamt sechs 90-minütigen Folgen bekommt es Schiavone mit einer grausam zugerichteten Leiche zu tun. Ein Mann wurde hoch oben in den Bergen, mitten in einem Skigebiet, von einer Pistenraupe platt gefahren; tot war er aber schon zuvor. Auch wenn von dem armen Kerl nicht mehr viel übrigblieb, ist er doch bald identifiziert. Der wohlhabende Mann hatte erst kürzlich einem Skilehrer dessen Freundin ausgespannt - ein typischer Mord aus Eifersucht also?


Ein Mord, schimpft Schiavone, das ist eine "schweinemäßige Sache der zehnten Stufe" auf der Skala der Abscheulichkeiten, gleich hinter einem Einkaufsbummel mit der Freundin. In dem Ermittler steckt eben ein echter Macho, einer, der natürlich auch eine Zweitfreundin hat. Wäre "Rocco Schiavone" einer jener deutschen Fernsehkrimis, in denen deutsche Schauspieler so tun, als wären sie Italiener - man könnte nun wunderbar über Klischees diskutieren. Produziert wurde die Serie aber vom italienischen Sender RAI 2, als Vorlage dienten die auch auf Deutsch veröffentlichten Krimis des Römers Antonio Manzini ("Der Gefrierpunkt des Blutes"). So muss man es als Zuschauer wohl schulterzuckend hinnehmen, dass "Rocco Schiavone" ein einziges Italien-Klischee ist voller inkompetenter Ermittler und ein Land zeichnet, das durchdrungen ist von mafiösen Strukturen.


Der Ermittler Schiavone, der den Titel eines Vice Questore trägt, also recht weit oben steht in der italienischen Polizei-Hierarchie, ist auch einer, der es nicht so genau nimmt mit dem Gesetz. Neben der Jagd auf den Mörder findet er noch die Zeit, zusammen mit seinem treudoofen jungen Kollegen Italo Pierron (Ernesto D'Argenio) einen LKW anzuhalten, der Drogen geladen haben soll. Den Stoff will Schiavone freilich nicht den Behörden übergeben, sondern selbst verkaufen. Doch neben Drogen findet er in dem Lastwagen noch etwas anderes: eine große Menge Waffen - und rund ein Dutzend Flüchtlinge aus Afrika ...


In Italien lief "Rocco Schiavone" so erfolgreich, dass derzeit an einer zweiten Staffel gearbeitet wird. Im März sollen die neuen Folgen dann im italienischen Fernsehen zu sehen sein.


Sven Hauberg
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