Licht ins Dunkel

In der Netflix-Serie "Mindhunter" steigt David Fincher mal wieder in die Seelenkeller von Psychokillern

"Wie kommen wir den Verrückten zuvor, wenn wir nicht wissen, wie die Verrückten denken?" - David Fincher (55) kümmert sich mal wieder um Serienmörder und bemitleidenswerte Cops, die sie jagen. "Mindhunter" hat der Regisseur soziopathischer Killerstudien wie "Sie7en", "Fight Club" und "Gone Girl" seine neue Expedition in die Abgründe der menschlichen Seele genannt, die ab 13. Oktober bei Netflix zu sehen ist. Ein Vergnügen ist Finchers zweite Zusammenarbeit nach "House Of Cards" mit dem Streaming-Dienst nicht, lohnenswert sind die zehn einstündigen Episoden trotzdem.

Netflix und David Fincher - das scheint zu passen. "House Of Cards" war und ist eine der besten Polit-Serien, die jemals produziert wurden. Was zum einen daran liegt, dass der Streaming-Anbieter ausreichend Geld für hochwertige Produktion locker machen kann, zum anderen an Finchers analytischen Fähigkeiten: Die Figuren mögen fiktiv sein, die Serie ist fest in der Realität verankert. Genau das macht auch den Reiz von "Mindhunter" aus. Der Hype um die neue Kollaboration war abzusehen, eine zweite Staffel ist schon bestellt.

Dabei sind die Trailer - das muss man sagen dürfen - zunächst ziemlich fade: Schon wieder Psychopathen, schon wieder beflissene Gesetzeshüter, schon wieder Abgründe und Schauerlichkeiten. Zudem sieht "Mindhunter" aus, wie immer, wenn sich Fincher mit Abartigkeiten beschäftigt: düster und ein wenig eklig. Lust auf zehn Stunden Fernsehen muss man da nicht bekommen.


Manchmal aber trügt der Schein, und in zehn Stunden Fernsehen kann ziemlich viel passieren, auch wenn man es nach den ersten Episoden nicht glauben mag. In denen raufen sich die FBI-Agenten Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany) erstmal zusammen: Der eine ein leicht lebensfremder junger Streber, der andere ein alter Polizeihase. Sie wollen Ende der 1970er-Jahre die Ermittlungsmethoden revolutionieren und Killer mithilfe anderer Killer schnappen. Dafür müssen sie freilich deren Psyche analysieren. Dieses "Profiling" mag heutzutage zum kriminalistischen (TV-)Standard gehören, vor 40 Jahren wurden solcherlei kühne Ideen mit Argwohn betrachtet.


Womit Fincher wieder diesen reizvollen Bogen zur Realität spannt und etwas vom Zustand Amerikas erzählt, das eine komplexer werdende Welt von oberster Stelle sanktioniert in schwarz und weiß, in gut und böse einteilt. Auch wenn hier jeder Cop konsterniert ist, dass die Verbrechen willkürlicher werden, die Motive unklarer: Wissenschaftliche Erkenntnisse und frische Ideen, wie sie Ford, Tench und die von Anna Torv ("Fringe") gespielte Psychologin Wendy Carr in ihre Arbeit einbringen wollen, sind da eher hinderlich.


Finchers FBI steht als Behörde stellvertretend für eine Nation, die felsenfest davon ausgeht, dass die Gesellschaft gesund ist und es lediglich ein paar faule Äpfel gibt, die man ausmerzen kann. "Shoot first, negotiate later" - so sah es damals bei der Bundespolizei aus. Und so sieht es heute wieder aus in einem Land, in dem der Präsident wilde Twitter-Salven abfeuert, bevor sein vernunftbegabter Stab keine Chance mehr am Verhandlungstisch hat.


Ford und Tench nehmen den Kampf gegen Windmühlen an, ihre Figuren basieren auf den echten FBI-Agenten Robert Renssler und John R. Douglas, der mit seinem Buch "Mindhunter: Inside The FBI's Elite Serial Crime Unit" die Inspiration für die Serie lieferte. Übrigens war es Oscar-Gewinnerin Charlize Theron, die auf den Stoff aufmerksam wurde und ihn an David Fincher herantrug. Die beiden produzierten "Mindhunter" gemeinsam, Fincher führte bei vier Episoden Regie.


Andreas Fischer

Trailer

Die Detectives Hardy und Miller lösen ihren letzten Fall: Auch die dritte "Broadchurch"-Staffel entfaltet noch einmal das ganze Suchtpotenzial dieser britischen Klasseserie.
Vergangenheitsbewältigung im Ländle: Der Stuttgarter "Tatort" weckte die Geister toter RAF-Terroristen.
Was macht Europa zu Europa? "Terra X" widmet sich mit Historiker Christopher Clark in "Der Europa-Saga" der Geschichte und Kultur des Kontinents.
Nebulöses von der Ostsee: Im neuen "Usedom-Krimi" wird Katrin Sass zur Stichwortgeberin degradiert.
Zum siebten Mal wird "The Voice of Germany" gekürt. Wie immer beginnt die neue Staffel mit den Blind Auditions - diesmal buzzert Mark Forster als neuer Coach fleißig mit.
Vier Kandidaten stehen zur Auswahl: Wer soll den Bambi als Deutschlands bester Moderator bekommen?
Kriminalklassiker mal anders: Zum 50. Geburtstag stellt die Sonderausgabe "Aktenzeichen XY ... gelöst!" aufgeklärte Verbrechen in den Mittelpunkt.
Wenn das kein Grund zur Freude ist - zumindest für langjährige "Sturm der Liebe" Fans. Denn sie sehen für neun Folgen einen alten Bekannten wieder: Lorenzo Patané als Robert Saalfeld.
Während eines Drehs in Köln wurde das Produktionsteam der ZDF-Krimiserie "Heldt"angegriffen. "Dort drehen wir nicht mehr", erklärte die Produzentin.
Für die Miniserie "Kleine Sünden" standen erstklassige deutsche Schauspieler vor der Kamera. Sie wird ab Januar beim Pay-Sender Heimatkanal zu sehen sein.