Mit dem Eispixel auf Userjagd

ARD und ZDF machen Game-Erfolg "Minecraft" zur YouTube-Serie "Antarktika" (ab 23.11.)

Computerspielverfilmungen gab es in den letzten Jahren zuhauf - wobei sich die Qualität von "Need for Speed" bis "Max Payne" meist in Grenzen hielt. Abgesehen von Ausnahmen wie "Silent Hill" oder "Pixels" fehlte den meisten Adaptionen schlichtweg jene besondere Atmosphäre, die das Spiel grundlegend ausmachte. Inoffizielle Fanfilmchen finden schon länger eine andere Herangehensweise: Man inszeniert einfach Storys in der Grafik und Umgebung des Originals. Genau das traut sich nun auch das Millennial-Portal Funk von ARD und ZDF mit dem gefeierten Open-World-Klassiker "Minecraft" - noch vor dem offiziellen Kinofilm. In der YouTube-Serie "Antarktika" (ab Donnerstag, 23. November) erleben die klobigen Charaktere in der charakteristischen Pixelwelt große Abenteuer.

Als "Minecraft" im Jahre 2009 erstmals veröffentlicht wurde, rätselten Spieler weltweit: Was soll man denn mit einer solch veralteten Grafik anfangen, zumal ohne Aufgaben, Charaktere und Story? Die Antwort lautete: alles! Nie zuvor erlaubte ein PC-Spiel derart gigantische Freiheiten, noch nie zuvor konnte man bauen, zerstören, erkunden, wie man es wollte. Der Forscherdrang der Community war erweckt, Millionen Spieler errichteten riesige Welten, organisierten Bauwettbewerbe, schufen sich den Spielzweck einfach selbst und kreierten gar eigene Computer im Computerspiel. Die absichtlich altbackene Grafik galt plötzlich als schicke Pixel-Nostalgie.

Wie es inzwischen (nervige) Mode ist, zieht jeder Millionenerfolg in der Gaming-Industrie eine Verfilmung des Stoffes nach sich. So auch bei "Minecraft", das vom schwedischen Entwickler Mojang mittlerweile zig Add-Ons erhielt und eine gigantische Fangemeinde um sich schart. Warner sicherte sich 2014 die Rechte an einer Leinwandadaption, die allerdings erst im Frühjahr 2019 in die US-Kinos kommen soll. Ob es eine Realfilm-Umsetzung oder ein animiertes Stück wird, steht noch nicht fest. Dafür, man höre und staune, waren diesmal ZDF und ARD schneller: Mit der Web-Serie "Antarktika", produziert von UFA LAB, dem digitalen Studio der UFA, setzen die Öffentlich-Rechtlichen auf ihrem Millennial-Netzwerk Funk eine waschechte Geschichte inmitten der "Minecraft"-Welt um.


Die Game-Engine ist dabei alles, was an visuellen Effekten genutzt wird: Wie im Spiel bewegen sich klobige Hauptfiguren unbeholfen und kantig animiert durch eine pixelig-bunte Welt, während die frei einstellbare "Kamera" Film- und serienreife Bilder liefert. Inszeniert wird die daraus gebastelte Miniserie von YouTuber Tim Bergmann, der ein wahres Abenteuer verantwortet: Mittelpunkt ist die in der Antarktis gelegene Forschungsstation Antarktika III, unter der sich mitten im dicken Eis ein altes Geheimnis verbirgt. Mysteriöse Ereignisse ereilen in der Folge das Team um die Ärztin Dr. Myra Johnson, die sich als Neuankömmling auch noch mit weltfremden Charakteren auf der Station herumschlagen muss.


Mit dem komödiantischen Mystery-Abenteuer stellt sich Funk in die junge Tradition einer ganzen Reihe von Fan-Filmemachern, die inzwischen kleine Werke in "Minecraft"-Optik produzieren. Das Phänomen mit dem Namen Machinima ist auf YouTube inzwischen sehr weit verbreitet; die gigantischen Möglichkeiten des Spiels führen zu einem beinahe grenzenlosen Reichtum an Ideenumsetzungen - von der RomCom bis zum Horrorfilm. Experten gilt jene Art des Filmeschaffens in Spieleengine, mit minimalem Ausdruck und kreativer Synchro, als neue Erzählform.


Veröffentlicht wird das Serien-Abenteuer "Antarktika" in zwölf sieben- bis zehnminütigen Folgen ab 23. November jeden Donnerstag, um 20.00 Uhr, auf dem YouTube-Kanal www.youtube.com/c/ANTARKTIKA. Zusätzlich gibt es vier Live-Fragerunden mit Regisseur Bergmann, von denen die erste am 25. November um 12.00 Uhr stattfindet.


Maximilian Haase
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