"Er hat gegen die Verfassung gehandelt"

Eine ARD-Doku erhebt schwere Vorwürfe gegen Helmut Kohl

Dieser Satz machte Geschichte: "Ich habe Spenden entgegengenommen, die nicht angegeben wurden, weil die Spender ausdrücklich darum gebeten haben, und ich habe nicht die Absicht, deren Namen zu nennen, weil ich mein Wort gegeben habe." Es war Helmut Kohl, der sich im Dezember 1999 in einem ZDF-Interview so umständlich ausdrückte und damit eine Lawine auslöste. Kohl war da zwar schon seit rund einem Jahr nicht mehr Bundeskanzler, die CDU-Spendenaffäre aber bereits in vollem Gange. Und mittendrin: der Mann, der Deutschland 16 Jahre lang regiert und in die Wiedervereinigung geführt hatte. Die Dokumentation "Bimbes - Die schwarzen Kassen des Helmut Kohl" (Das Erste, Montag, 4. Dezember, 22.45 Uhr) nimmt Kohls legendäres Ehrenwort nun unter die Lupe - und betreibt dabei vor allem eines: die vollständige Demontage des Kanzlers aus der Pfalz.

Schon vor zwei Jahren hatte Stephan Lamby, der seine 75-minütige Dokumentation zusammen mit Egmont R. Koch drehte, mit einem Film über den CDU-Spendenskandal für Schlagzeilen gesorgt. "Wer waren die Spender von Helmut Kohl?", fragte der renommierte Journalist in "Schäuble - Macht und Ohnmacht" den heutigen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble, der selbst tief im Spendensumpf steckte. "Es gibt keine", entgegnete der. "Wieso?" - "Na, weil es aus der Zeit von Flick schwarze Kassen gab." Hat Kohl also gelogen, als er 1999 die Geschichte vom Ehrenwort in die Welt setzte? Woher aber kamen dann die vielen Millionen D-Mark, die in den CDU-Kassenbüchern auftauchten und deren Herkunft nicht geklärt wurde? Aus eben jenen schwarzen Kassen, von denen auch Schäuble sprach?

Noch 2003 bestand Kohl, der am 16. Juni 2017 starb, auf seiner Version der Dinge: "Das waren vier, fünf Leute, und den habe ich dann versprochen, dass ich das für mich behalte", sagte er über die vermeintlichen Spender in einem Interview, das Lamby und Koch nun in teils unveröffentlichten Auszügen zeigen. "Die ganze Konstruktion mit dem Ehrenwort ist absolut unglaubwürdig", meint hingegen Rüdiger May, der von 1979 bis 1989 Hauptabteilungsleiter Organisation der CDU war, in der Dokumentation. Er gab Lamby und Koch ein exklusives Interview, für das er aus seiner Wahlheimat Teheran angereist war.


Um die Brisanz von Kohls vermeintlichem Ehrenwort einzuordnen, rollt die SWR-Dokumentation noch einmal die politische Laufbahn von Helmut Kohl auf. Beziehungsweise: Sie erzählt, wie Kohl vom Hoffnungsträger der CDU in den 60er-Jahren zum Kanzler der Einheit wurde und nebenbei, so als sei es das Selbstverständlichste der Welt, ein System von schwarzen Kassen schuf. Schon zu Beginn seiner Karriere ließ sich Kohl von Großunternehmen wie Flick und Henkel unterstützen, etwa, um Rainer Barzel aus dem Amt zu drängen und selbst CDU-Vorsitzender zu werden.


Ausgerechnet Otto Schily, dem mehrfach vorgeworfen wurde, er vermische seine politischen Ämter mit privatwirtschaftlichen Tätigkeiten, gibt sich in der Dokumentation als schärfster Kritiker von Kohl und seinen Flirts mit Flick und Henkel. "Wenn ein Konzern sich anmaßt, solche wichtigen Entscheidungen zu beeinflussen, nicht nur durch gutes Zureden oder durch Argumentation, sondern durch materielle Zuwendung, dann ist das ein Vorgang, der demokratische Prinzipien massiv infrage stellt", urteilt er.


In ihrem Film zeichnen Lamby und Koch die verschlungenen Wege nach, die Kohls Gelder nahmen. Den Kanzler zeigen sie dabei als einen Mann, dem irgendwann das Gespür für Recht und Unrecht abhandengekommen sein muss. "Er hat gegen die Verfassung, gegen das Gesetz und gegen die demokratischen Prinzipien gehandelt", sagt Schily. Am Ende des Films ist zwar noch immer nicht geklärt, ob das denn nun gestimmt hat mit dem ominösen Ehrenwort des Ex-Kanzlers. Vom Monument, das Kohl einmal war, ist aber nicht mehr viel übrig.


Sven Hauberg
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