Soap-Opera für die Arbeiterklasse

"Chicago Fire" und so viel mehr: Warum die Metropole am Michigansee die heimliche Serien-Hauptstadt der USA ist

Chicago ist unter Feuer. Und das bereits seit 2012. Damals, im Oktober vor fünf Jahren, startete beim US-Network NBC "Chicago Fire". Hinter der Serie um eine Gruppe heldenhafter Männer und Frauen des Firehouse 51 steht Erfolgsproduzent Dick Wolf. Mit "Law & Order" in den 1990er-Jahren und den weiteren Ablegern "Special Victims Unit" sowie "Criminal Intent" schuf der New Yorker mit unzähligen Fällen über Sex & Crime in seiner Heimatstadt eine der einflussreichsten Krimiserien. "Law & Order" gehört zu den längsten Primetime-Dramaserien des US-Fernsehens überhaupt. Ähnliches scheint Wolf nun wieder zu gelingen. Nur eben im Feuer. Und bei der Polizei. Und im Krankenhaus. Vor allem aber in der Millionenstadt am Südwestufer des Michigansees. Drei "Chicago"-Serien laufen derzeit - "Fire" (seit 2012), "P.D." (seit 2014) und "Med" (seit 2015). Nur der Versuch vor Gericht, "Justice" (2017), scheiterte nach nur einer Staffel. Geht es nach Wolf, wird Chicago noch sehr lange im Mittelpunkt nicht nur eines US-amerikanischen TV-Interesses bleiben.

Noch bevor "Chicago Fire" 2012 erstmals über die Bildschirme flimmerte, hat es im Team eine gewisse Vorahnung gegeben. "Das wird Dick Wolf 2.0", hieß es immer wieder. Ziel war es schon vor mehr als fünf Jahren, ein ähnlich großes Umfeld zu spannen wie zuvor unter dem Dach "Law & Order". Anders als bei den New Yorker Crime-Reihen aber wurde sofort die Stadt in den titelgebenden Mittelpunkt gesetzt, in der die Feuerwehrleute Brände bekämpfen, Verunglückte aus Autos schneiden und gerne nach einem gelungenen Einsatz auch ihren durchtrainierten Oberkörper zeigen.

Nun war Chicago noch nie ein schwarzer Fleck auf der Landkarte der Film-Drehorte. Bereits Charlie Chaplin drehte in der drittgrößten Stadt der Vereinigten Staaten - drei Filme in sechs Monaten, bevor es ihm in der "Windy City" angeblich zu kalt wurde. Die legendären "Blues Brothers" setzten Chicago ein filmisches Denkmal, ebenso "The Untouchables - Die Unbestechlichen". Weitere Blockbuster wie "Batman - The Dark Knight" oder "Transformers 3" sind am Ufer des Michigansees entstanden.


Dass Wolf sich für sein zweites TV-Universum nach "Law & Order" für Chicago entschied, hatte von Beginn an auch ganz profane Gründe. Die Stadt sei ein höflicheres New York, begründete er zwar wohlgemeint. Tatsächlich aber steckten knallharte Geschäftsinteressen dahinter. Es ist billiger, in Chicago zu produzieren als in New York oder Los Angeles. Das liegt unter anderem an den niedrigeren Löhnen für die Crew-Mitarbeiter beispielsweise hinter der Kamera. Vor allem aber erteilt der Bundesstaat Illinois Steuererleichterungen für Filmschaffende.


Zudem sei es die Lage, die Chicago so entscheidend mache, sagt Jason Beghe. Der Hauptdarsteller des knallharten Cops Henry "Hank" Voight in "Chicago P.D." erklärt: "Der Mittlere Westen ist das wahre Amerika. Und in Chicago schlägt sein Herz." Wenn den Durchschnitsamerikanern Los Angeles zu laut und New York zu abgehoben sei, identifizierten sie sich am ehesten mit Chicago, meint Beghe. "Die Serien erwecken so bereits unter ihren Titeln der Stadt das Interesse vieler Zuschauer. Und darauf kommt es im TV-Geschäft an", so der Schauspieler.


Auch für Chicago selbst ist der Deal mit den Serien inzwischen zum Wirtschaftsfaktor geworden. TV-, Film- und Werbeaufnahmen sollen nach offiziellen Angaben der Stadt zwischen 2011 und 2015 geschätzte 1,3 Milliarden Dollar in die Kassen gespült haben. Wie es heißt, geben die Produktionsfirmen für nur eine gedrehte Staffel zwischen 30 und 40 Millionen Dollar in der Region aus. Hinzu kommen bis zu neue 400 Arbeitsplätze, die durch eine Serienproduktion geschaffen werden. Sie reichen von Jobs für Schauspieler bis zum Sicherheitspersonal.


Hinzu kommen die Einnahmen durch den Tourismus. "Viele inzwischen reisen nur an, um die Locations zu sehen", erklärt Derek Haas, der kreative Kopf und Ideengeber von "Chicago Fire". Zudem sei bei einer Serien-Produktion die Chance höher, einen Star zu sehen, so Haas. Dieses enorme Fan-Interesse allerdings hat auch seine Tücken. Der Produzent lachend: "Wenn erst Taylor Kinney irgendwo sichtbar bei einem Außendreh auftaucht, kommt es manchmal zu einem Zuschauerauflauf, als würde Obama erscheinen."


Kinney, übrigens der Ex-Verlobte von Lady Gaga, spielt den draufgängerischen Feuerwehrmann Kelly Severage und ist der Star von "Chicago Fire". Er erinnert sich an einen brisanten Moment. "Wir haben im Sommer auf der Michigan Avenue gedreht. Viele Touristen waren in der Stadt. Als sie uns erkannten, belagerten mehr als 1.000 Zuschauer das Set. Die Masse war kaum zu kontrollieren. Sogar die Polizei musste anrücken." Für Kinney steht diese Anekdote im "krassen Gegensatz" zu den Anfängen von "Chicago Fire". Er erzählt: "Vor vier, fünf Jahren noch konnten wir überall in der Stadt drehen, und keinen hat es interessiert."


Vor allem Dick Wolf wird diese Entwicklung sehr freuen. In den USA verfolgen über die heute unterschiedlichen Kanäle Woche für Woche mitunter mehr als 30 Millionen Zuschauer seine "Chicago"-Serien. Aktuell befindet sich beispielsweise "Chicago Fire" in der sechsten Staffel. Im Frühjahr kommenden Jahres soll sie bei Universal Channel erstmals im deutschen TV zu sehen sein. Und ein Ende des Erfolgs erscheint aktuell nicht in Sicht. Wolf vergleicht die harten Einsätze der Feuerwehrleute, Polizisten und Ärzte, die sich auch immer wieder Serien-übergreifend in sogenannten Crossovers treffen, mit einer "Soap-Opera für die Arbeiterklasse." Wolf: "Und auch Gott weiß, dass manche Soap-Operas einige Jahrzehnte durchgehend im TV gelaufen sind."


Zu Weihnachten gibt der Universal Channel der brennend verehrten Feuerwehr-Serie eine große Bühne im Pay-TV. Der Sender zeigt jeden Adventssonntag (3., 10., 17. und 24. Dezember) die jeweils drei beliebtesten Episoden aus den ersten vier Staffeln "Chicago Fire" hintereinander. Die Specials sind jeweils ab 14.45 Uhr zu sehen und stehen unter dem schönen Motto "Advent, Advent, Chicago brennt".


Andreas Schöttl
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