Mehr Preisgeld, mehr Sendezeit, mehr Power

SPORT1 überträgt ab 14. Dezember rund 100 Stunden live von der Darts-WM

Dass der Darts-Sport hierzulande eine beachtliche Entwicklung genommen hat, ist unstrittig. Aber alles kein Vergleich zum Hype in manchen anderen Ländern, wo die Popularität der Protagonisten kaum Grenzen kennt. Fans erinnern sich: Als Weltmeister Michael van Gerwen (28) nach seinem Triumph im WM-Finale des vergangenen Jahres im Alexandra Palace von London gegen Gary Anderson die ersten Interviews gab, wurde ihm vor laufender Kamera ein Handy gereicht: Als erster Gratulant aus der Heimat meldete sich kein Geringerer als der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte ... - Eine schöne Geschichte, die zeigt, welchen Status sich van Gerwen und sein Sport im Nachbarland längst erarbeitet haben - auch dass sich "Mighty Mike" als Sieger über ein Rekordpreisgeld von 350.000 Pfund (etwa 410.000 Euro) freuen durfte und diesmal für den Weltmeister sogar 400.000 Pfund ausgelobt wurden, spricht Bände. Auch hierzulande wird nachgelegt: Bei der WM 2018 sind vom Auftakt am Donnerstag, 14. Dezember, bis zum Finale am Montag, 1. Januar, erstmals alle Sessions des Turniers in rund 100 Livestunden bei SPORT1 im Free-TV zu sehen.

Nun sind wir zwar schon aus rein sportlichen Gründen noch lange nicht so weit, dass Kanzlerin Angela Merkel einem etwaigen deutschen Darts-Weltmeister derart nah auf die Pelle rücken müsste, wie einst in Rio den Schweinsteigers und Özils, aber tatsächlich scheint der weitere Aufstieg der schon lange nicht mehr als reiner Kneipensport verschrienen Disziplin unaufhaltsam. Den Darts-Enthusiasten von SPORT1 sei's gedankt: Die Münchner sind seit 2004 dabei. Sie haben den Randsport mit Leidenschaft, Professionalität und Kompetenz zum TV-Event stilisiert und liefern bei der WM 2018 die umfangreichste Darts-Berichterstattung, die es in Deutschland je gab, frei Haus.

Das Engagement des Spartensenders zieht aus gutem Grund ein weiteres Mal an: Die Final-Liveübertragung Anfang Januar 2017 bescherte SPORT1 die bisher höchste Durchschnittsquote bei einer Darts-WM: Im Schnitt verfolgten 1,48 Millionen Zuschauer van Gerwens 7:3-Erfolg, vom Auftakt bis zum Finale sahen durchschnittlich 480.000 Zuschauer ab drei Jahren die umfangreichen Übertragungen aus dem Londoner Alexandra Palace - so viele wie noch nie.


Das Potenzial gilt zwar noch lange nicht als ausgeschöpft, doch dass sich Darts zum veritablen TV-Sport gemausert hat, hat man auch bei ProSiebenSat.1 erkannt. Nicht nur, dass (bei ProSieben und ProSiebenMaxx) schon diverse Profisessions übertragen wurden, auch zur abendfüllenden Primetimeshow hat es der Darts-Sport gebracht: Die zweite "Promi-Darts-WM" wird am Samstag, 6. Januar, live bei ProSieben übertragen. Neben den Stars der Szene treten um Titelverteidiger Tim Wiese auch einige TV-Promis an ... Ähnliches kannte man bis dato nur vom "Star-Biathlon" im Ersten.


Bei aller Vorfreude gibt es für die eingefleischten deutschen Darts-Fans vor WM-Start auch eine schlechte Nachricht: Die PDC Darts-WM 2018, wie das Spektakel offiziell heißt, findet ohne den deutschen Top-Pfeilewerfer Max Hopp statt. Der "Maximiser" schaffte es nicht, sich für die Endrunde zu qualifizieren. Zum ersten Mal reiht sich hingegen Martin Schindler aus Berlin in die Riege der Weltbesten ein, Kevin Münch (Herne) ist nach 2012 zum zweiten Mal mit dabei, und die österreichischen Farben werden erneut Zoran Lerchbacher und Mensur Suljovic vertreten, der als auf Rang fünf gesetzter Spieler durchaus als Geheimfavorit gehandelt werden darf. Wobei schon davon auszugehen ist, dass auch diesmal die ganz großen Geschichten des Turniers von anderen Helden dieses Sports geschrieben werden. Die Blicke richten sich vielleicht mehr denn je auf Phil "The Power" Taylor (57), die Darts-Ikone schlechthin. Der Mann, der so lange als schier unschlagbar galt, spielt sein letztes Turnier, was das Geschehen, das sich seit 2008 im Alexandra Palace in London vor legendärer Kulisse abspielt, besonders gänsehautträchtig macht.


Wird es der 16-malige Champion aus England, der im Ranking der Besten nur noch den sechsten Platz einnimmt, noch einmal packen? Es ist eher nicht davon auszugehen, zu stark scheinen die Top-Spieler, allen voran der junge Überflieger Michael Van Gerwen. Der in Sachen Selbstmarketing seit jeher besonders umtriebige Taylor, der den Darts-Sport vorangebracht hat wie kein Zweiter auf der Welt, wird auf jeden Fall alles an Konzentration in das Turnier legen, aber er hat auch schon Pläne für die Zeit danach geschmiedet: 2018, so kündigte er an, könne er sich gut vorstellen, als Kandidat bei der britischen Variante von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" mitzumischen.


"Ally Pally", wie der traditionsreiche Veranstaltungsort liebevoll genannt wird, oder der australische Dschungel - es gibt wohl nicht wenige, die da gewisse Parallelen ausmachen würden. Die Atmosphäre in der altehrwürdigen Arena im Londoner Stadtbezirk Haringey ist mit klassischen Dschungel-Adjektiven wie "wild", "verrückt" oder "unberechenbar" eher noch zurückhaltend beschrieben. Was sich dort am Rande, aber auch immer wieder während der Partien und vor den Fernsehkameras und -Mikros abspielt, ist der Wahnsinn in ganz hohen Dosen, inklusive stadiongleicher Fangesänge und skurrilsten Verkleidungen. Es spricht für den Humor der Darts-verrückten Engländer, die bei der WM wieder millionenstark vor den TV-Geräten sitzen werden, dass es auf der Insel inzwischen unter Promis zum guten Ton gehört, sich in diesem Hexenkessel des Darts-Sports blicken zu lassen. Im Jahr 2011 mischte sich sogar Prinz Harry mit seinen Kumpels unter die enthusiastische Menge im Alexandra Palace.


Warum in Deutschland noch immer nicht der letzte Quantensprung hin zum Großereignis erfolgte, ist für Kenner ein Mysterium. Denn eigentlich ist alles gegeben: Die Übertragungen haben seit Jahren ein sehr hohes Niveau, sind technisch ausgereift und atmosphärisch einmalig. Die Protagonisten sind durch die Bank sympathisch, da agieren lebende Legenden auf höchsten Niveau, aber sie sehen nicht aus wie Superathleten, sondern wie der Nachbar, der Arbeits- oder Stammtischkollege. Es menschelt am Darts-Board. Dazu kommt: Der Sport ist für jedermann relativ leicht nachvollziehbar. Tatsächlich geht es "ja" nur um ein paar mehr oder weniger unscheinbarer Typen, die mit Wurfpfeilen auf eine exakt 2,37 Meter entfernte und 1,73 Meter hoch hängende Scheibe zielen ... Das Darten ist, was das Regelwerk angeht, eine recht simple Angelegenheit, und schon deshalb ideal fürs Fernsehen geeignet.


Gespielt wird das Standard Spiel "501 - Double Out": In vorher ausgelosten Paarungen werfen zwei Kontrahenten abwechselnd mit jeweils drei Darts. Es gilt, den Anfangspunktestand von 501 möglichst schnell auf Null zu bringen. Bedingung: Der letzte Wurf muss in einem so genannten Doppelfeld landen. Wer's schafft, hat "ausgecheckt", eine neue Runde - es geht über mehrere "Legs", Gewinnsätze - kann beginnen. Dann müssen wieder Punkte gesammelt werden, am besten mit Würfen in das Dreifach-20-Feld.


Dreimal "Tripple 20" macht 180 - "Onehundredandeighty": Das höchste der Gefühle im Dartsport. Freilich ein Gefühl, das das Gros der Otto-Normal-Kneipen-Darts-Werfer im ganzen Leben nicht erfährt. Doch selbst für absolut Unkundige reichen ein paar Fernsehminuten mit dem auch diesmal wieder am Mikro sitzenden SPORT1-Moderator Elmar Paulke (47), um das Wichtigste zu erfassen. Paulke versteht es, fast wie nebenbei, alle Fragen zu Technik, Regelwerk und Protagonisten immer wieder neu und leicht nachvollziehbar zu beantworten.


Der Rest ist: Zurücklehnen und staunen - über die Leistungen der Profis, aber auch über die enormen Schauwerte, bis hin zu den Nummerngirls, die an der Seite der "Athleten" in die Arena marschieren. Darts - das ist auf diesem Niveau zwar längst kein Kneipensport mehr, aber seine DNA kann und will es nicht verleugnen. Die rund 2.500 Fans im "Ally Pally" haben so ein paar Wettkämpfe jedenfalls noch nie davon abgehalten, Abend für Abend ausgelassene Fankurven-Atmosphäre zu verbreiten.


Neben der deutschen Darts-Stimme Paulke ist Experte Tomas "Shorty" Seyler für SPORT1 im Einsatz. Moderator Sascha Bandermann liefert über das komplette Turnier Interviews und Eindrücke aus dem "Ally Pally". SPORT1 zeigt über die Liveberichterstattung hinaus zum WM-Start die exklusive Reportage "Road to Ally Pally - Phil Taylors letzte WM" (14. Dezember, 19 Uhr) sowie regelmäßige Zusammenfassungen - insgesamt stehen bis zum Finale (1. Januar, 21 Uhr) 21 Tage Darts am Stück auf dem Programm.


Frank Rauscher
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