Über den Wolken gibt es keine Mauer

"DDR mobil" zeigt, wie die Interflug der DDR einen Hauch von Welt verlieh (Donnerstag, 8.2., 21.15 Uhr, ZDFinfo)

Da steht sie, im Interflug-Museum im brandenburgischen Stölln: Die legendäre IL 62, genannt "Lady Agnes". Die weiß-rote Maschine zeugt von der ersten und einzigen zivilen Fluglinie der DDR, der Interflug. 1955 bekommt die DDR mit Erlaubnis der Sowjetunion eine Fluggesellschaft, 1956 startet der Linienverkehr. 33 Jahre lang sollten die Flüge in aller Herren Länder dem sozialistischen Staat, in dem es an viel mangelte, einen Hauch von Welt verleihen. Die ZDFinfo-Reihe "DDR mobil" zeigt unter dem Titel "Hoch hinaus mit Interflug" (Donnerstag, 8.2., 21.15 Uhr) die Entwicklung des DDR-Zivilverkehrs.

In den ersten Jahren erlaubte sich die DDR sogar eine eigene Flugzeugbauindustrie. Samt technischer Sensation: Vor 50 Jahren startete mit der "152" in Dresden das erste auf deutschem Boden gebaute Düsenverkehrsflugzeug. Doch schon beim zweiten Testflug kam es zur Katastrophe: Die Maschine stürzte ab. Prompt befahl die UdSSR, den gesamten Flugzeugbau in der DDR einzustellen. Fortan setzte man auf russische Fabrikate wie Tupolew und Iljuschin.

Recht unbekannte Geschichten wie diese sind es, die der ZDF-Doku Charme verleihen. Ein Hauch von Ostalgie weht durch den Film: Die "Interflieger", wie sich die Besatzung der Linie nennt, treffen im alten Kultursaal der Fluggesellschaft wieder aufeinander, reden über alte Zeiten. Insgesamt hatte die Interflug etwa 8.000 Mitarbeiter, "ein erlesener Zirkel", wie es heißt. Interviewt werden Stewardessen, Piloten und Interflug-Leiter - von denen jeder damals durch Kader auf politische Stabilität und privates Umfeld geprüft wurde.


Schließlich flog die Interflug neben inländischen und innersozialistischen Zielen auch Städte wie Wien, Stockholm und Damaskus an. Treue zum sozialistischen Staat war da Voraussetzung. Zumal die Interflug auch überaus viele Solidaritäts- und Sonderflüge absolvierte, die Schuluniformen nach Vietnam lieferten, Lebensmittel in den Sudan brachten oder Kriegsverletzte aus Nicaragua transportierten.


Sogar die Agrarflüge, die über den Feldern der DDR Kunstdünger versprühten, lagen im Auftrag der Interflug. Nicht selten wurden die "Hummel" genannten Maschinen auch zum Fluchtversuch gen Westen genutzt. Der Film nähert sich diesen Details ostdeutscher Geschichte mit Liebe zum Detail und seltenen Originalaufnahmen - unter anderem vom ersten Flug nach Singapur, auf den sich normale Ostdeutsche natürlich nicht begeben konnten. Nicht einmal nach Kuba ging es. Westdeutsche hingegen nutzten die Billigflüge aus dem Osten gern.


Die Berichte der Crews und Beteiligten über diese Erlebnisse sind Gold wert im heutigen, traditionell die ostdeutsche Alltagsgeschichte ignorierenden Fernsehen. Stoff lieferten die exotischen Ziele und die Beziehungen zwischen Piloten und Stewardessen auch schon dem DDR-Fernsehen: 1986 entstand mit "Treffpunkt Flughafen" eine fast vergessene Serie über den Alltag bei der Interflug.


Dieser blieb indes nicht ohne Zwischenfälle und Enttäuschungen: 1972 stürzte südlich von Berlin eine Interflug-Maschine ab; der folgenreichste Unfall auf deutschem Boden. Zum Ende der DDR kam dann auch das große Ende der Interflug: Hoffte man zuerst noch, der Mauerfall würde den Luftverkehr erst richtig öffnen und erwarb sogar brandneue Airbus-Maschinen, wollten die BRD-Politiker die DDR-Linie später unbedingt abwickeln. Die Lufthansa übernahm, die Interflug war Geschichte, ihre Flugzeuge museumsreif.


Heute kann im Interflug-Museum sogar geheiratet werden, wie die Doku zeigt. Mitten in der legendären Maschine, der IL 62, genannt "Lady Agnes". Dieser edlen Lady ist es wohl egal, in welchem Staat sie ihren verdienten Ruhestand begeht.


Maximilian Haase
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