Stars im Beichtstuhl

Charmantes TV-Experiment: Fünfminuten-Kurzfilme über "Kleine Sünden" auf dem Heimatkanal (ab Montag, 15. Januar, 21.45 Uhr)

Welche deutsche Serie schafft es, schauspielerische Schwergewichte wie Veronica Ferres, Heiner Lauterbach, Senta Berger oder Marvie Hörbiger im Paket zu verpflichten? Nein, die Rede ist nicht von einem großen TV-Event von ARD oder ZDF, sondern von der ersten Eigenproduktion des kleinen Heimatkanals. Der ist im Pay TV-Angebot von Sky zu finden. Mit fünf bis zehn Minuten langen Zwiegesprächen zwischen Sündern und Beichtvätern will "Kleine Sünden" ab Montag, 15. Januar, 21.45 Uhr, das Programm des Spartensenders bekannter machen. 14 Episoden produzierte die ansonsten auf Heimatfilme, Volksmusik und verwandte Unterhaltung abonnierte TV-Station. Das Außergewöhnliche an den Kurzfilmen ist vor allem die Besetzung: Friedrich von Thun und sein Sohn Max sind als Pfarrer und Kaplan zu sehen. Zu den Beichtenden gesellen sich neben den genannten Schwergewichten: Senta Berger, Veronica Ferres, Heiner Lauterbach, Stephan Zinner, Gerit Kling, Robert Stadlober, Marvie Hörbiger oder Monika Baumgartner.

Heiner Lauterbach spielt in einer der besten Episoden - vielleicht - sich selbst. Er erzählt dem mit eigenen Gelüsten und Schuldgefühlen kämpfenden "Beichtvater" Friedrich von Thun von seinem neuen, sauberen Leben ohne Alkohol und wechselnde Frauengeschichten. Davon, dass alles wunderbar sei, aber eben doch mindestens einmal am Tag die große Lust käme, wieder auf die sündige Seite des Lebens zurückzukehren. Lauterbach und von Thun sind dabei so überzeugend, dass sie für eine zweite Episode wiederkehren. Ohnehin ist das Konzept von "Kleine Sünden" relativ offen. Die Konstanten sind: Es gibt nie mehr als zwei Personen in einem Film, der entweder im Beichtstuhl, kniend auf der Kirchenbank oder während eines gemeinsamen Spaziergangs von Pfarrer und Klient spielt.

Da ist die alternde Schauspiel-Diva (Senta Berger), die unbedingt anonym bleiben will, aber je länger ihre Beichte dauert, immer empörter darauf reagiert, dass der Priester (Friedrich von Thun) sie eigentlich gar nicht kennt. Oder eine nicht mehr ganz junge Darstellerin im eher unambitionierten Serienbetrieb (Gerit Kling), die ihre Beichte zur Psychotherapie über sexuelle Belästigung am Set nutzt. Die gleichzeitig interessiert daran ist, dem jungen Kaplan (Max von Thun) hinter dem trennenden Holzgitter näherzukommen. Ein Kabarettist (Stephan Zinner) verzweifelt darüber, dass ein von ihm oft parodierter Spitzenpolitiker mittlerweile in seinen Fanclub eingetreten ist. Dazu ist eine junge Frau (Marvie Hörbiger) überzeugt davon, dass sie mit dem Segen des Priesters ihren Mann verlassen darf, obwohl der nichts Schlimmes getan zu haben scheint.


Für den Heimatkanal sind die kleinen, mitunter gut geschriebenen Episoden schon ein Coup. Die Stars dürften bei ihren Kammerspielen - die oft mit dem eigenen Leben zu tun haben könnten - Spaß gehabt haben. Und der Sender? Er kann sich durch das besondere Projekt über verstärkte Aufmerksamkeit freuen.


Jeden Montag um 21.45 Uhr wird ein neuer "Kleine Sünden"-Film gezeigt. "Showrunner" Johann Buchholz konnte bereits mit dem ähnlichen Projekt "Paare" auf sich aufmerksam machen. Jene zehnteilige Kurzfilmreihe, die man bei ARTE sehen konnte, war ebenfalls starbesetzt und erzählte von Problemen der Zweisamkeit im Rahmen therapeutischer Einzel- oder Gruppentherapien. Auch Kai Wiesinger bringt seine - sehr starken - Midlife Crisis-Filme "Der Lack ist ab" im Kurzfilm-Format unter die Leute. Zunächst kostenlos über die Plattform MyVideo. Mittlerweile wird das Projekt erfolgreich über Amazon Prime vertrieben und ins Ausland verkauft. Manchmal wird eben auch aus kleinen Kurzfilm-Ideen etwas Großes und Langfristiges.


Eric Leimann
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