Altersteilzeit mit Ballauf und Schenk

Warum der Kölner "Tatort: Bausünden" zum Einschlafen war

Die Empfangschefin eines Kölner Nobelhotels wurde vom heimischen Balkon gestürzt. Hatten die Scheichs aus Katar oder böse FIFA-Funktionäre, die sich im rheinischen Bettenpalast zwecks Organisation der Fußball-WM 2022 trafen, etwas damit zu tun? Natürlich nicht. Der Fall "Bausünden", mit dem der Kölner "Tatort" mit fast identischem Kreativpersonal seinen 20. Jahrestag beging, mühte sich, wie ein Krimi aus den 80-ern oder 90-ern zu wirken. Nur - wem sollte das nutzen?

Was war los?

Der traumatisierte Afghanistan-Veteran Lars Baumann (Hanno Koffler) suchte nach seiner verschwundenen Ehefrau. Die strebsame Dame arbeitete für ein Kölner Architekturbüro, das für die Fußball-WM 2022 in Katar baute. In jenem Hotel, in dem das Mordopfer tätig war, organisierte die unauffindbare Frau Baumann Treffen zwischen FIFA-Funktionären und ihren Chefs. Alte Krimihasen wussten bald: Die beiden Fälle hatten etwas miteinander zu tun. Zumal die tote Hotelmitarbeiterin die Verschwundene zuvor dringend erreichen wollte.


Wie realistisch ging es zu?


Im "realistischen" Sinne geglückt war dieser Krimi vor allem für Freunde des klassischen deutschen TV-Mitratekrimis. Verdächtige wurden stoischen Kommissaren vorgeführt und der Zuschauer durfte bei jedem über die Wahrscheinlichkeit spekulieren, dass man in jener Szene den kurz vor Ende der 90 Minuten zu enttarnenden Mörder gesehen hat. Auch klar: Der Topverdächtige - eifersüchtiger Ehemann, traumatisierter Soldat und aufbrausender Psycho -, der war es natürlich nicht. Wäre ja zu einfach gewesen. Die Drehbuchautoren sind auch nicht dumm.


Ergab die Story Sinn?


"Bausünden", ein Titel, der den Zuschauer immerhin schon mal auf die falsche Fährte lockte, wirkte wie ein Krimiplot aus dem Baukasten. Kerle, die wild und eifersüchtig sind. Frauen, die nach Luxus und Höherem streben. Dazu passte, das mit Soundtrack-Altmeister Klaus Doldinger, der einst die "Tatort"-Musik erfand, ein 81-jähriger für eine arg effekthascherische Untermalung sorgte, wie man sie schon lange nicht mehr im Krimi gehört hat. Endlich verriet mal wieder nervöser Dudel-Jazz, wann es im Krimi so richtig spannend wurde. Sollte der Versuch, einen möglichst altmodisch wirkenden Krimi zu drehen, intendiert gewesen sein, darf man sagen: Der subversive Retro-Plan des WDR ist voll aufgegangen.


Wie waren die Kommissare drauf?


Man weiß, Ballauf und Schenk ermitteln nicht für die Avantgarde-Freunde unter den "Tatort-Fans. Die ergrauten Kommissare gehören zum Alt-Bestand jener Ermittler, die das konservative Publikum bedienen. Trotzdem gab es in den letzten Jahren auch am Rhein den ein oder anderen bemerkenswerten Fall, der die Ermittler in ihren Grundfesten erschütterte. In "Bausünden" war dies nicht der Fall. Klaus J. Behrendt (Ballauf) und Dietmar Bär (Schenk) spielten fast teilnahmslos, so, als müssten sie in Altersteilzeit noch eine lästige Pflicht erfüllen. Diesen Mörder noch - und dann Feierabend. Sollte dies der neue Standard aus Köln sein, sollten die Ermittler besser vor dem 65. Lebensjahr ihre Frühpensionierung beantragen.


Wer war für diesen Uralt-Krimi verantwortlich?


Vielleicht sollte "Bausünden" eine nostalgische Verbeugung vor 20 Jahren Ballauf und Schenk sein. Ein bisschen könnten der altertümliche Plot und selbige Inszenierung aber auch am Personal liegen. Regisseur Kaspar Heidelbach, geboren 1954, setzte 1997 den ersten Fall der Ermittler, den "Tatort: Willkommen in Köln", in Szene. Mehr als 600 Drehtage verbrachte Heidelbach ("Das Wunder von Lengede") seitdem am Set mit Ballauf und Schenk. Noch erfahrener dürfte Drehbuchautor Uwe Erichsen (Jahrgang 1936) in Sachen "Tatort" sein. Er schrieb schon Krimis für den WDR, als die Kommissare noch Haferkamp und Schimanski hießen.


Wo blieb die politische Relevanz?


Natürlich ist es Quatsch, dass jeder "Tatort" ein heißes Eisen oder gesellschaftlich relevantes Thema aufgreifen muss. Die meisten Morde, so verrät es die Statistik, sind Beziehungstaten. Dennoch war es etwas unglücklich, dass die dunklen Machenschaften rund um die WM-Vorbereitungen in Katar in diesem Krimi lediglich als Hintergrund-Setting "verbraucht" wurden. Schließlich sind auch deutsche Großkonzerne an der skandalösen Ausbeutung der Arbeiter im Land beteiligt. Deren Methoden aufzudecken, wäre mal ein spannender Stoff für einen Krimi gewesen - im Jahr 2018.


Wie gut war der "Tatort"?


Unter dem Durchschnitt - weil die eigentlich vielversprechende Idee, einen Krimi vor dem Hintergrund der umstrittenen WM in Katar zu erzählen, verschenkt wurde. Weil man den sympathischen, in Ehren ergrauten Kölnern aber nicht wirklich böse sein kann, vergeben wir ein ausreichend: vier plus!


Eric Leimann
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