Flüchtlingskrise, Bankenskandal, Terrorgefahr

Die ARD plant mehrere politische Fiction-Abende im Ersten

Dystopien - in der Zukunft spielende Erzählungen mit negativem Ausgang - sind als Genre derzeit überaus populär. Gerade Teenager suhlen sich in frustiger Fiction wie "Die Tribute von Panem" oder TV-Serien wie "The 100". Nun möchte auch die "realitätsnahe" ARD, auf dem Gebiet der Science-Fiction eher unbeleckt, an düsteren Zukunftsbildern mitwirken. Bereits am Mittwoch, 14. Februar, läuft im Ersten "Aufbruch ins Ungewisse". Es ist die Geschichte einer Familie, die aus einem von Radikalen regierten Deutschland flieht, um in Südafrika Asyl zu finden. In dem Actiondrama unter der Regie von Kai Wessel haben in den meisten Staaten Europas Rechtsextreme die Macht übernommen, was den Flüchtlingsstrom von Süden nach Norden umkehrt. Plötzlich flüchtet eine deutsche Familie übers Mittelmeer nach Afrika.

Auch Michel Houllebecqs Roman "Unterwerfung" erzählt von der Radikalisierung Mitteleuropas. In Frankreich wurde ein muslimischer Präsident gewählt. Nach und nach werden demokratische Freiheiten beschnitten. Edgar Selge, der schon in der gefeierten Theaterinszenierung Hauptfigur und Erzähler spielt, ist auch Star des ARD-Films "Unterwerfung", der für das zweite Quartal 2018 vorgesehen ist. Sowohl "Aufbruch ins Ungewisse" als auch "Unterwerfung" wird eine Diskussion des Gesehenen bei "Maischberger" folgen.

Bei der Jahresvorschau 2018 für die Presse in Hamburg gaben die fürs Erste Programm Verantwortlichen der ARD weitere ambitionierte Filmstoffe preis, denen eine Vertiefung per Dokumentation oder Talk folgt: Nach Kilian Riedhofs zweiteiligem Geiseldrama "Gladbeck" (Mittwoch, 7.3., und Donnerstag, 8.3., 20.15 Uhr) läuft eine Doku zum wahren Kriminal- und beschämenden Medien-Event des Jahres 1988.


Etwas leichter, nämlich in Komödienform, nähert sich der Film "Big Manni" mit dem Neu-Schwarzwälder "Tatort"-Kommissar Hans-Jochen Wagner einem Politskandal der 90er-Jahre. Der Skandal um die Firma "Flowtex", die deutsche Banken zwischen 1994 und 1999 um fünf Milliarden Euro betrog, galt als bis dahin schwerster Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Im Anschluss an den Film (Regie: Niki Stein), der fürs dritte Quartal 2018 angesetztb ist, erinnert die Doku "Big Money - Die wahre Geschichte eines Milliardenbetrugs" an die Plot-Vorlage der Komödie.


Darüber hinaus wird Daniel Harrich ("Der blinde Fleck", "Meister des Todes", "Gift"), der wohl investigativjournalistischste Autor und Regisseur des deutschen Fernsehens derzeit, 2018 mit einem neuen Stoff zurückkehren. In "Saat des Terrors" erkennt eine deutsche Geheimagentin (Christiane Paul), dass Anschläge auf Zivilisten in Deutschland unmittelbar bevorstehen. Harrichs Film verfolgt den Weg von Terrorzellen am Hindukusch, die deutsche Geheimdienste zum Teil selbst aufgebaut haben, nach Mitteleuropa.


Der Film, in dem unter anderem Heiner Lauterbach mitwirkt, findet sich im vierten Quartal 2018 im Programm. Auch "Saat des Terrors" wird eine Dokumentation folgen, für die ebenso Grimme-Preisträger Daniel Harrich verantwortlich zeichnet.


Eric Leimann
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