Von Königen und Kaisern

"Eine skandalöse Liebesgeschichte": TV-Doku deckt neue Hintergründe über FIFA und WM-Vergabe auf

Welche dunklen Geldströme flossen rund um die Vergabe der Fußball-WM 2022 in Katar? Im Film "Die FIFA-Familie", den ARTE am Dienstag, 13. Februar, in Erstausstrahlung zeigt, gibt ausgerechnet eine "Eine skandalöse Liebesgeschichte" weitere Einblicke hinter die Kulissen der Milliarden-Dollar-Industrie im Profifußball.

"Sie werden uns wie Könige behandeln!" - Das versprach Chuck Blazer, als er seine große Liebe Mary Lynn Blanks wieder für sich gewinnen wollte. Das im vergangenen Jahr verstorbene ehemalige Mitglied des Exekutivkomitees der FIFA übertrieb damit nicht. Blanks war an seiner Seite, als der US-Fußballfunktionär im Vorfeld der Vergabe zur WM 2022 in Katar durch zahlreiche Staaten reiste. Vordergründig ging es darum, dass Blazer sich wie alle weiteren 23 FIFA-Entscheider ein persönliches Bild von den Versprechen der Bewerber für eine Weltmeisterschaft machen sollte. Tatsächlich aber, so erzählt es der Film nun nach, füllte er sich als Generalsekretär der Nord- und Zentralamerikanischen und Karibischen Fußballkonföderation (CONCACAF) nur selbst die Taschen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Bei einem Dinner im Hause der britischen Königin ließ der unersättliche Blazer zwei teure Gläser in den sehr großen Taschen seines Sakkos mitgehen. Blanks: "Er wollte ein Souvenir von der Queen haben."

Als Lebensgefährtin Chuck Blazers erhielt Mary Lynn Blanks Zugang in einen inneren Kreis der FIFA. Wann immer sich die insgesamt 24 Mitglieder des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes getroffen hatte, waren auch die jeweiligen Frauen dabei - in den besten Hotels und Restaurants. Geld spielte nie eine Rolle. Ganz im Gegenteil! Bei den zweimal im Jahr stattfindenden Treffen in der FIFA-Zentrale in Zürich gab es immer noch einen Bonus obendrauf - anonym verpackt in einem Umschlag. Blanks erinnert sich: "Vor dem Rückflug machte jeder noch mal einen Abstecher zu einer bestimmten Bank."


Anhand der Liebesgeschichte zwischen Blank und Blazer, der sich sogar eine Wohnung nur für seine beiden Katzen inmitten des Trump Towers in New York und einen Plasmafernseher für seinen Papagei vom eigenen Verband CONCACAF bezahlen ließ, erzählt der Film, wie es möglich sein konnte, dass ein im Fußball unbedeutendes Land wie Katar überhaupt eine WM bekommen konnte. Der winzige Wüstenstaat ohne Fußballtradition, ohne Fußballliga, ohne Stadien setzte sich an jenem denkwürdigen 2. Dezember 2010 gegen die haushohen Favoriten England und die USA durch. Dass damals ungeheuer viel Geld für den Kauf von Stimmen der Exekutivmitglieder geflossen war, ist bekannt. Katar hatte über den Kauf von Airbus-Flugzeugen über den damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy sogar politischen Einfluss genommen.


Und es war Blazer, der seine immer wieder gerne betonte FIFA-Familie ans Messer lieferte. Blanks erinnert sich, wie sie und ihr Lebensgefährte auf der Straße angehalten wurden. "Mr. Blazer, wir würden gerne mit ihnen sprechen", hieß es nur. Das FBI hatte die Ermittlungen gegen die FIFA aufgenommen ...


Seitdem gewährte Mr. Blazer dem FBI mit verstecktem Diktiergerät im Schlüsselbund Einblicke in die Machenschaften der FIFA - und brachte damit eine ganze Institution an den Rand des Abgrunds. Aber eben nur an den Rand.


Im offiziellen Begleittext zur Doku heißt es: "Eine Geschichte von Liebe und zerbrochenen Beziehungen, von geldgefüllten Couverts, von unterdrückten Ermittlungen und dubiosem Geldtransfer." Tatsächlich läuft es einem bei diesem Thriller einige Male unbehaglich kalt den Rücken hinunter. - ARTE zeigt die 60-minütige dänische TV-Produktion "Die FIFA-Familie - Eine skandalöse Liebesgeschichte" am Dienstag, 13. Februar, um 21.45 Uhr.


Andreas Schöttl
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