Gefahren der Informationsflut

Wie manipulierbar sind Menschen? Mögliche Antworten gibt die Crime-Serie "Bull" (ab 8. Februar, donnerstags, 21 Uhr, 13th Street)

Das US-amerikanische Gerichtssystem mit seiner Geschworenen-Praxis, die man hierzulande nicht kennt, bietet in der Realität aber auch in vielen Filmen immer wieder Stoff für fatale Fehlurteile oder Möglichkeiten zur Manipulationen. Eindringlichstes aktuelleres Beispiel ist wohl die auf Tatsachen beruhende Serie "The People v. O. J. Simpson", sie zeigt: Vor Gericht ist jede Menge Psychologie im Spiel. Ein Thema, dessen sich wiederum die Serie "Bull", die bei 13th Street ab Donnerstag, 8. Februar, 21 Uhr, in die zweite Staffel startet, ganz konkret angenommen hat. In "Bull" gehört es zur Erfolgsmasche, vor jedem Prozessauftakt möglichst genau zu wissen, wie sich die berühmt-berüchtigten zwölf Geschworenen des US-Rechtssystems zusammensetzen, was sie fühlen, was sie ablehnen - und wie sie sich aller Voraussicht nach entscheiden werden. Der beste "Prozessberater" ist Dr. Jason Bull - gespielt von Ex-"Navy CIS"-Sympathieträger Michael Weatherly, der die Figur als echte Marke etablierte. Weltweit.

Basierend auf dem Leben des bekannten US-amerikanischen Psychologen und Fernsehmoderators "Dr. Phil" McGraw, einem ehemaligen Berater für Gerichtsprozesse, kombiniert Dr. Bull psychologische Taktik, menschliche Intuition und High-Tech-Daten, um herauszufinden, wie Geschworene, Anwälte, Zeugen und Angeklagte ticken.

In seiner Firma Trial Analysis Corporation beschäftigt Bull ein Expertenteam, das erfolgreiche Verteidigungsstrategien bis ins letzte Detail plant. Zudem gebietet er über eine Computer-gestützte Ausspäh-Maschinerie. Diese Dienste, für die Bull detailliert die Vorgeschichten der Betroffenen ausspionieren und in einer sorgfältig ausgewählten "Spiegel-Jury" durchspielen lässt, stellt der promovierte Psychologe dem Anwaltsteam kostenpflichtig zur Verfügung.


Dieses Wissen soll dazu dienen, dem juristischen Gegner bei jedem Prozess den entscheidenden Schritt voraus zu sein. Läuft mal doch etwas aus dem Ruder, bedient Bull sich des Kniffs der Manipulation. Und es erscheint tatsächlich beeindruckend, wie einfach der Mensch doch zu beeinflussen ist.


"Bei 'Bull' geht es darum, zu verstehen, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun. Wie sie Entscheidungen treffen - ob es um die Wahl eines Präsidenten oder einer Zahnpasta geht. Ob man in einem Gerichtsprozess für schuldig oder unschuldig plädiert", erklärt der Darsteller des Jason Bull, Michael Weatherly. Um dies zu erreichen war in der ersten Staffel, die beim US-Network CBS nach dem Sendestart im September 2016 schnell ein Erfolg und unmittelbar verlängert wurde, oftmals der Einsatz von Big-Data-Systemen zu sehen. In den neuen 22 Folgen wird sich das ändern.


Sehr zur Freude von Weatherly übrigens. Er sieht in den Massen an verfügbaren Informationen über eine Person durchaus ein Problem. Weatherly: "Wenn du heute ein Date hast, kannst du einen kompletten Backgroundcheck machen. Du kannst herausfinden, ob er irgendwann mal eine Rechnung nicht bezahlt hat, für welche Dinge er seine Kreditkarte einsetzt. Und das alles noch vor dem ersten Rendezvous! Das Problem an dieser Informationsflut ist, dass diese Fülle an verfügbaren Daten die Menschen überfordert. Das macht sie manipulierbar."


Auch in der zweiten Staffel werden technische Gadgets die Arbeit Bulls weiter unterstützen. Wie Weatherly jedoch erklärt, sollen die verschiedenen Persönlichkeiten noch stärker in einen Vordergrund rücken. "Es geht damit los, dass Bull mehr auf seine Intuition und seinen Instinkt vertraut und weniger von der Technik und den Gadgets abhängig sein wird", verrät der Schauspieler. Schließlich gehe es doch immer auch im Menschen. Weatherly: "Bull hat mit mir gemeinsam, dass er ein großes Interesse an Menschen hat. Du wirst kein Schauspieler, wenn du dich nicht für Menschen interessierst. Schauspielerei beginnt letztlich damit, dass du dich selbst verstehen lernst und dadurch andere besser verstehst."


Andreas Schöttl
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